DIE ANFÄNGE DES SELBSTSTÄNDIGEN VORARLBERG GERHARD WANNER Katholische Kirche und politische Parteien KATHOLISCHE KIRCHE Auch in Vorarlberg hatte die katholische Kirche den «gerechten Krieg» begrüsst, Fahnen, Waffen und die ausrückenden Soldaten gesegnet. Für den Kaiser und die Monarchie zeichnete sie grosszügige Kriegsanleihen und für die Not leidende Zivilbevöl- kerung und die Frontsoldaten zeigte sie grosses ka- ritatives Engagement.45 Selbst als der Untergang der Monarchie in Sicht war und Vorarlberg sich als selbstständiger Staat deklariert hatte, hielt der Vor- arlberger Weihbischof Sigismund Waitz treu zur Monarchie. Seine diesbezügliche Predigt in Feld- kirch sollte von allen Kanzeln Vorarlbergs verlesen werden: «Und würde nun aus Österreich-Ungarn eine Republik, dann würde vieles, vieles zerstört werden, was zum Segen gereicht».46 Diese klare Einstellung zur Monarchie ging jedoch dem im Landtag vertretenen christlichsozialen Geistlichen und Dekan, Barnabas Fink, zu weit, der das Verle- sen der Predigt in den Kirchen Vorarlbergs einfach verbot.47 Dennoch kam es im Landtag zum Konflikt mit den Sozialdemokraten. Diese forderten Grund- sätzliches: Die katholische Kirche habe sich bei ih- ren Predigten jeglicher Agitation zugunsten einer bestimmten Staatsform zu enthalten, dasselbe er- warte man sich auch von den Lehrern. Und schliess- lich seien es die Sozialdemokraten, die einen «Schutzdamm» gegen die radikalen linken Elemen- te (Anm.: Bolschewiken) errichtet hätten. Dekan Fink verteidigte sein Vorgehen damit, dass die Kir- che stets nach dem Grundsatz von Apostel Paulus vorgegangen sei: «Jede Gewalt, die besteht, ist von 40) Witzig, S. 196 f. 41) WF. 20. November 1918. 42) WF, 23. November 1918. 43) Witzig, S. 179-181. 44) Bilgeri, S. 40. 45) SchaUert, S. 147-153. 46) W, 10. November 1918. 47) Bilgeri, S. 18. 
Dr. Sigismund Waitz (1864-1941), 1913 Weihbi- schof und Generalvikar für Vorarlberg. 1935 wurde Sigismund Waitz Erz- bischof von Salzburg. 71
        

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