Bayrische Grenzsoldaten (mit Tellermützen) und österreichische Grenzgen- darmen beim Nebenzollamt Scheidegg-Möggers. Zur Zeit der bolschewistisch- bayrischen Räteherrschaft war die bayrisch-vorarlber- gische Grenze besonders gut bewacht. ten Südgrenze am 5. November Truppen nach Tirol aber auch an die Grenze zu Vorarlberg entsandte.26 Es bestand damit die Gefahr, dass Vorarlberg zum Kriegsschauplatz werden konnte. Aber schon am 10. November kam die Entwarnung; die bayrischen Truppen zogen von Vorarlbergs Nordgrenze ab. Dies war auch deswegen von grösster Bedeutung, weil sich die Alliierten weigerten, Vorarlberg über die Schweiz mit Nahrungsmitteln zu beliefern, so lange bayrische Einheiten in Tirol stationiert wa- ren. 
27 Kaum war diese Gefahr gebannt, tat sich Ende November eine neue auf: Es wurden Gerüchte in Umlauf gesetzt, dass das italienische Militär von Westtirol aus Vorarlberg besetzen würde, wie dies auf Grund der Waffenstillstandsmodalitäten legitim war.28 Die Landesregierung reagierte umgehend und sandte eine Delegation an die Grenze am Arl- berg, die von bewaffneten Einheiten der Bludenzer Volkswehr bewacht wurde. Die Volkswehr legt ihre Waffen nieder, um nicht etwa einen militärischen Konflikt mit italienischen Einheiten zu provozieren, die bis zum Arlberg vorgestossen waren.29 Die Ver- handlungen der Vorarlberger Delegation mit dem italienischen Militärkommando in Landeck verlie- fen jedoch positiv: Vorarlberg würde nicht besetzt, hiess es am 27. November beruhigend.30 Aus Südbayern drohte aber noch eine weitere Gefahr: Am 9. November, am Tag der Abdankung Kaiser Wilhelms, entstand in Lindau ein kommunis- tisch orientierter Arbeiter- und Soldatenrat unter Oskar Groll, der am 7. April 1919 eine kommunisti- sche Räteherrschaft ausrufen sollte.31 Gleichzeitig bildete sich in Bregenz ein zwölfgliedriger Arbeiter-rat. 
In Vorarlberg fürchtete man das Übergreifen der Rätebewegung.32 ANSCHLUSSBESTREBUNGEN AN DIE SCHWEIZ UND AN DEUTSCHLAND Zu Kriegsende gab es in Vorarlberg zwar Sympa- thieäusserungen für die Schweizer Neutralität, an einen territorialen Anschluss an die Schweiz dach- ten jedoch nur Wenige.33 Dies änderte sich schlagar- tig mit dem Zusammenbruch der Monarchie, der Ausrufung der Republik Deutschösterreich und der Selbstständigkeitserklärung Vorarlbergs am 3. No- vember 1918. Bereits fünf Tage später erschien auf der Titelseite der sozialdemokratischen Zeitung «Vorarlberger Wacht» der Hinweis, dass «bei der Mehrzahl der Bevölkerung im Ländle der Hauptge- sprächsstoff» ein möglicher Anschluss an die Schweiz sei.34 Die Christlichsozialen unter dem Österreich treu- en Landeshauptmann Otto Ender wollten davon kei- ne Kenntnis haben und dementierten verwundert Schweizer Zeitungen, dass in Vorarlberg eine ent- sprechende Unterschriftensammlung stattfinde. «Im Lande ist davon nichts bekannt».35 Es war bei- zeichnend, dass sich auch der christlichsozial domi- nierte Landtag zu dieser Frage nicht äussern wollte, da er vorerst loyal zur Republik Deutschösterreich stand, der er ja am 3. November freiwillig beigetre- ten war.36 Erst als sich seit dem 13. November 1918 erfolgreiche Werbeversammlungen, geführt vom Lustenauer Lehrer Ferdinand Riedmann und sei- nem «Werbeausschuss», nicht mehr verheimlichen 68
        

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