und die Tapferkeitsmedaillenzulage ausbezahlt. Die Soldaten hatten das Recht, ihre Offiziere selbst zu wählen, die Wahl bedurfte jedoch der Zustimmung der Landesregierung, auch gab es ein Beschwerde- recht.6 Es wurde die alte Heeresuniform weiter ver- wendet, mit einer Armbinde «Rot-Weiß-Rot».7 Die Aufstellung der Volkswehr wurde damit be- gründet, dass man die Grenze zu Tirol vor zurück- strömenden, plündernden Soldaten schützen müsse und weil sich das alte Grenzschutzkommando und die Grenzkontrollstellen zur Schweiz und zu Deutschland aufgelöst hatten. Die Volkswehrleute führten Passkontrollen durch und versuchten den Schmuggel zu unterbinden. Ausserdem wurden Le- bensmittellager und Brücken bewacht und die zahl- reichen Transporte von Kriegsheimkehrern be- treut.8 Im Dezember 1918 wurden wiederum staat- liche Grenzorgane und Finanzbehörden eingeführt, für welche die Volkswehr nun Flilfsdienste leistete.9 Trotz der anfänglich zahlreichen Aufgaben ergab sich bald das Problem, dass die Volkswehr, in welche jedermann freiwillig ein- aber auch austreten konn- te und die eine überaus willkommene Verdienst- quelle war, zu viel Personal aufwies. Die Kosten für die 800 bis 900 Männer betrugen im Dezember 1918 für das Land über eine halbe Million Kronen. Die Landesregierung schritt daher zum Personalab- bau. Nun fanden nur noch «Vorarlberger» Aufnah- me, oder Männer, die sich seit mindest zehn Jahren in Vorarlberg aufgehalten hatten. Mittellosigkeit und ein absolvierter Kriegsdienst waren weitere Krite- rien für eine Aufnahme.10 Schwierigkeiten ergaben sich auch dadurch, dass für viele Sozialdemokraten die Volkswehr «keine de- mokratische Institution» war, sondern ein Machtin- strument der Christlichsozialen. Daher forderten «Radikale» am 24. November 1918 auf einer Lan- deskonferenz die Wahl der Offiziere allein durch die Mannschaften und lehnten ihre Ernennung durch den Wehrausschuss ab. Ferner verlangten sie die Aufnahme von Mannschaftsvertretern in den Wehr- ausschuss. Über Aufnahme und Entlassung sollten ferner ein Komitee aus Parteienvertretern und ei- nem Mitglied des Soldatenrates entscheiden. Die Konferenz-Entschliessung wurde auch an das 
deutschösterreichische Staatsamt für Heereswesen in Wien übermittelt, dem sich letztlich auch die Vor- arlberger Volkswehr untergeordnet hatte.11 Die sozialdemokratischen Forderungen stiessen im Landtag bei deren Gegnern auf Empörung und Ablehnung: Der christlichsoziale Abgeordnete und Nationalrat Franz Loser bezeichnete den Inhalt der «Entschließung» als «Militarismus von unten ... Wenn die Verhältnisse in dieser Weise ihren Lauf nehmen, dann müßte man doch befürchten, dass man mit der Zeit in Zustände hineingeratet, wie sie in Rußland bestehen, von wo uns die Fleimkehrer sagen, dass die letzten Dinge viel ärger waren als die ersten, dass die Leiden, die durch den Bolschewis- mus über das russische Volk hereingebrochen sind, viel schmerzlichere Opfer erforderten als der grau- same Krieg selbst».12 Da die Forderungen aus den Reihen der Sozial- demokraten kamen, deren Vertreter im Landtag sich jedoch davon distanzierten, hatte die Partei- spitze alle Hände voll zu tun, um ihren Regierungs- partner zu beruhigen. Der Bludenzer Sozialdemo- krat Koloman Markart gab daher im Landtag die Versicherung ab, dass von Seiten der Arbeiterschaft nichts unternommen werde, um die Ruhe im Lande zu stören.13 Davon hingen schliesslich auch die drin- gend benötigten Nahrungsmittellieferungen aus der Schweiz ab. 64
        

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