DIE ANFÄNGE DES SELBSTSTÄNDIGEN VORARLBERG GERHARD WANNER Was sich für das spätere positive innenpolitische Klima ausserordentlich vorteilhaft auswirkte, war die Einstellung der Sozialdemokraten zur Regie- rungskoalition. Pragmatik ging vor Ideologie: Ihr Landtagsabgeordneter Koloman Markart meinte in der 2. Landtagssitzung am 9. November dazu: «Wir Sozialdemokraten werden gewiss als Extreme ange- sehen, aber im Interesse aller müssen wir fest zu- sammenhalten, um aus dieser Klippe herauszukom- men. Wir wünschen im Interesse aller drei Klassen Ruhe, weil ein gesetzloser Zustand für alle verhäng- nisvoll werden könnte». Landespräsident (Landeshauptmann) Otto Ender stimmte zu: «Alle Mitglieder des Landesrates (Lan- desregierung) nehmen mit außerordentlicher Wil- ligkeit und mit Aufopferung an den Landesgeschäf- ten teil. Ich bin angenehm davon berührt, dass die Mitglieder sich so fleißig, ihrer vollen Verantwor- tung bewußt, an den Geschäften beteiligen».5 DIE VOLKSWEHR In der Selbstständigkeitserklärung Vorarlbergs am 3. November 1918 wurde auf die Erhaltung von «Ordnung und Ruhe» grossen Wert gelegt. Daher er- folgte gleichzeitig der Aufruf zur Schaffung einer «Volkswehr». Da das Land Vorarlberg auch die höchste exekutive Gewalt besass, unterstand die Volkswehr der Landesregierung und als letzter In- stanz dem Landeshauptmann Otto Ender und sei- nem «Wehrausschuss». Allgemeine Bestimmungen wurden erst am 25. November erlassen. Als Binde- glied zu den Soldaten wurde ein militärischer «Sol- datenrat» geschaffen. Die Wehrmänner erhielten täglich sechs bis sieben Kronen und die Verpflegung unentgeltlich, auch wurde Familienunterstützung 
Jodok Fink (1853-1929), christlichsozialer Reichs- ratsabgeordneter, Präsi- dent der provisorischen Nationalratsversammlung im Oktober 1918 und österreichischer Vizekanz- lervon 1919 bis 1920. 1) Zirker, S. 164 f. und S. 286 f. 2) Huebmer, S. 26 f. 3) 1. La, 3. November 1918. 4) VLZ, 4. November 1918. 5) 2. La, 9. November 1918, S. 24 f. 63
        

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