DAS KRIEGSENDE 1918 IN LIECHTENSTEIN UND SEINE AUSWIRKUNGEN / RUPERT QUADERER lieferungen aus der Schweiz und aus Österreich. Diese Ausgabe belief sich für das Jahr 1919 auf die horrende Summe von 593 772 Franken für die An- käufe aus der Schweiz. Allein für Mehl, Reis, Fett und Kartoffeln waren 521 681 Franken aufzuwen- den. Dazu kam ein Zinsaufwand von 61 999.- Fran- ken für die «schwebende Staatsschuld». Die Aufwendungen für Notstandsmassnahmen fielen 1920 gegenüber dem Vorjahr bedeutend tiefer aus. Für die Unterstützung «an notleidende arme Familien» und für Zuwendungen an «bedürftige Fa- milien» mussten nur noch 14 852 Kronen aufge- wendet werden.105 Der Grossteil der Notstands- massnahmen fiel wie schon 1919 auf die Teuerungs- zulagen der Landesangestellten. Die Höhe der dafür aufzubringenden Summe machte aber nur noch ei- nen Bruchteil des 1919 erforderlichen Betrages aus, nämlich 24 665 Franken und 82 328 Kronen. Eine grössere Belastung brachten wiederum die Vor- schüsse für Lebensmittel, die sich auf 188 334 Fran- ken beliefen. Allein an das Eidgenössische Ernäh- rungsamt in Bern mussten 169 135 Franken bezahlt werden. Die Verzinsung der Staatsschuld für die auf- genommenen Darlehen bezifferten sich auf 15 085 Franken und 155 304 Kronen. Die notwendigen Geldmittel konnten nur durch die Aufnahme von Darlehen und den Verkauf von Wertpapieren aufgebracht werden. Dieses Vorgehen konnte aber nur als kurzfristige Überbrückung die- nen. Für eine dauerhafte Lösung der Finanzproble- me des Staates mussten andere Wege beschritten werden. STAATSFINANZEN Die Staatsfmanzen Liechtensteins in den Jahren vor 1914 waren gesund. Die Landesrechnung schloss regelmässig mit einem ansehnlichen Überschuss ab. Dadurch konnte auch eine beträchtliche Finanz- reserve, welche als «Vermögen des Landes» bezeich- net wurde, geschaffen werden. Diese Reservegelder wurden in Kronen-Wertpapieren angelegt. Ab 1916 schloss die Landesrechnung mit einem Defizit. 
Die Landesrechnung 1918 präsentierte sich rein zahlenmässig wieder in einem positiveren Bild. Die Einnahmen stiegen auf 511 237 Kronen, die Ausga- ben beliefen sich auf 450 991 Kronen. Wohl waren die Zolleinnahmen weiter auf 42 951 Kronen gesun- ken, was nicht einmal ganz dem vertraglich garan- tierten Minimalbeitrag Österreichs in der Höhe von 47 150 Kronen entsprach. Der Grund für die positive Bilanz der Landes- rechnung waren die Einnahmen aus der Kriegsge- winnsteuer in der Höhe von 297 608 Kronen. Die Kriegsgewinnsteuer, welche in vielen Staaten erho- 93) LLA RE 1919/270, o. D. (Februar 1919), «Orientierung über den augenblicklichen Stand der Lebensmittelversorgung»; Bericht des Landesverwesers an den Fürsten. 94) Veröffentlicht in ON Nr. 3/18. Januar 1919. 95) LLA, RE SF Lebensmittelversorgung 13.10/1919, 22. Januar 1919. Die Kommission setzte sich aus Johann Hasler, Gamprin, und Johann Laternser, Vaduz, zusammen. 96) LLA RE 1919/270, o. D. (Februar 1919), «Orientierung über den augenblicklichen Stand der Lebensmittelversorgung»; Bericht des Landesverwesers an den Fürsten. 97) ON Nr. 4/25. Januar 1919. 98) Eine identische Vorschrift galt 1919 in Vorarlberg. Siehe Matt. Werner und Platzgummer, Hanno: Geschichte der Stadt Dornbirn. Dornbirn, 2002, Band II, S. 142 sowie Böhler, Ingrid; Schnetzler, Norbert: Hunger im Ländle: Das lange Ende des Ersten Weltkrieges in Vorarlberg 1918-1920/21. In: Zeitgeschichte, Jahrgang 26, Heft 2. Innsbruck, 1999, S. 84, Anmerkung 30. 99) Kundmachung über den Beschluss der Landesnotstandskommis- sion vom 27. Januar 1920, Zahl 1496/E. In: ON Nr. 9/31. Januar 1920. 100) LLA RE 1921/371, 28. Januar 1921; Kundmachung der Regie- rung. 101) LLA RE 1921/442, 2. Februar 1921, Obst- und Gartenbauverein Mauren an Regierung. 102) LLA RE 1921/442, 2. Februar 1921, Regierung an Obst- und Gartenbauverein Mauren. 103) LLA RE 1921/999, 13. März 1921; Beschluss des Landtages vom 12. März 1921. 104) LLA AS, 14/79, Staatskassa-Hauptbuch 1919, Folio 238. Die folgenden Zahlenangaben für das Jahr 1919 sind derselben Quelle entnommen. 105) LLA AS, 14/80, Staatskassa-Hauptbuch 1920, Folio 184. Die folgenden Zahlenangaben für das Jahr 1920 sind derselben Quelle entnommen. 49
        

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