Kartenspiel in seinem Friseurlokal oder wegen der Verbreitung pornographischer Karten etc. Im Juni 1918 wurde Meier vom Landrichter Thurnher auf- grund einer gegen ihn gerichteten Anzeige einver- nommen.32 Meier wurde der versuchten Anstiftung zur Leichenschändung bezichtigt, da er dem Toten- gräber in Schaan Geld versprochen habe, wenn die- ser ihm eine Leiche verschaffe. Meier solle sogar ge- sagt haben, er bezahle für das Lebendgewicht von Leichen vier Kronen und 50 Heller.33 Der betroffene Totengräber präzisierte in seiner Aussage vor Ge- richt, Meier habe gesagt, er brauche «einen Leich- nam zum Seifen machen».34 Die ganze Angelegen- heit wurde aber gerichtlich nicht mehr weiter ver- folgt, da die Staatsanwaltschaft nach Abklärungen «keinen Grund zu einer weiteren strafgerichtlichen Verfolgung» finden konnte.35 Es hatte sich heraus- gestellt, dass sich Meier einen üblen Scherz mit dem Totengräber erlaubt hatte, der als leichtgläubiger Mensch immer wieder Opfer solchen Unfugs wurde. Die Vielseitigkeit der Tätigkeit Meiers kommt auch in einer Anzeige vom Juli 1918 zum Ausdruck. Meier bietet darin als «Ersatz für die kaum noch er- hältlichen Fahrrad-Gummimäntel und -Schläuche» einen Stahlfeder-Reifen zum Preis von 75 Kronen an.36 Bei allem Lob für diesen Ersatzreifen musste Meier doch eingestehen, dass das «Geräusch beim Fahren ... selbstverständlich wahrnehmbarer [sei] als beim Gummireifen, allein dafür [sei] es nun ein- mal ein .» Im November 1918 bot Meier per Zeitungsinserat neben «Haar-Pomade aus feinsten Kräutern hergestellt» und «Schnurrbart-Wichse un- garische Art» auch «Wasch-Seife ... eigenes Fabri- kat» an.37 Im März 1919 bat Meier die liechtensteinische Regierung, sein Gesuch um Ausfuhrbewilligung aus Vorarlberg für einen Posten von «ca. 2000 Stück pri- ma Waschseife italienischer Herkunft ... motivie- rend zu unterstützen».38 
GRIPPE-EPIDEMIE IM HERRST 1918 Im Frühjahr 1918 brach - ausgehend von einer 1917 im ostasiatischen Raum ausgebrochenen Vo- gelseuche - bei den US-Truppen in Kansas ein Seu- chenzug aus.39 Von dort verschleppte sich die Virus- krankheit durch Truppenverschiebungen epidemie- artig nach Westeuropa. Weltweit forderte diese Pan- demie zwischen 20 bis 50 Millionen Tote.40 Diese als «spanische Grippe»41 bezeichnete Krankheit griff im Sommer und Herbst 1918 auch auf die Schweiz und auf Liechtenstein über. Erste Meldungen über die «spanische Krankheit» traten in Liechtenstein Ende Juli 1918 auf. Am 24. Juli zeigte die Ortsvor- stehung Balzers bei der Regierung an, dass ein Mäd- chen die Grippe von Guscha eingeschleppt habe.42 Der Ortsvorsteher teilte mit, dass die Grippe bei den Soldaten auf der St. Luzisteig stark aufgetreten sei. Er vermutete, dass die Balzner beim Heuen auf bündnerischem Territorium mit den Leuten des Grenzkommandos in Berührung kämen und da- durch die Gefahr bestünde, die Grippe nach Liech- tenstein einzuschleppen. Das «Liechtensteiner Volksblatt» berichtete zwei Tage später, dass die so- genannte «spanische Krankheit» auch in Buchs und Sevelen stark auftrete.43 Landesphysikus Felix Batli- ner gab kurz darauf eine Stellungnahme zu dieser Frage ab.44 Er vertrat zu diesem Zeitpunkt die Auf- fassung, dass sich wegen der Grippe «eingreifende Massnahmen der Seuchenbekämpfung» nicht rechtfertigen lassen würden. Es würden auch in an- deren Ländern keine allgemeinen ernstlichen Ein- schränkungsversuche unternommen. Die Spani- sche Grippe war nach Batliner als «eine nicht schwere Erkrankung» anzusehen. Nur wenn Kom- plikationen hinzutraten oder bei «geschwächten In- dividuen» könne sie «zu einem schlimmen Ende führen». Sollte es allerdings zu einem gehäuften Auftreten von Krankheitsfällen kommen, so müss- ten die Ärzte verpflichtet werden, an die Regierung zu berichten. Der Landesphysikus gab diese be- schwichtigenden und beruhigenden Stellungnah- men wohl auch deshalb ab, weil er Panikreaktionen verhindern wollte. Er verhielt sich dabei wie die Bundesbehörde in der Schweiz, welche in Zirkula- 30
        

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