rung, vor der wir in Europa alle stehen. Hier geht es konkret um zwei Aspekte: Einerseits die Frage, wie die Geschichte dieser Bevölkerungsgruppen in Mu- seen dokumentiert und repräsentiert wird und zum anderen die Frage, wie wir Museen als Orte trans- kultureller Bildungsarbeit nutzen können. Der kul- turellen Bildungsarbeit könnte für die gesellschaftli- che Integration zentrale Bedeutung zukommen und hier können Museen einen besonders qualifizierten Beitrag leisten. Klaus Müller, Mitarbeiter des US Ho- locaust Memorial Museum konstatiert: «Museums, more than any other institution, have the potential to create a real and lasting understanding between cultures. Museums at their best have the special abi- lity to make us feel - where ever we come from - cul- turally .»12 Ein zentraler Nutzen von Museen sind die Mög- lichkeiten der Bildungsarbeit insgesamt, nicht nur mit Blick auf transkulturelle Verständigung. Bildung ist heute, in der so genannten Wissensgesellschaft, eine der wichtigsten Ressourcen. Und Museen als informelle Lernorte haben ein grosses und vielfach noch nicht ausgeschöpftes Potential. Es braucht al- lerdings mehr als ein gutes Marketing, um eine wirklich nachfrageorientierte Vermittlungsarbeit in Museen zu leisten - eine Vermittlungsarbeit, die den Anspruch hat, einen Beitrag zur kulturellen Bildung zu leisten. Museen müssen hier, wie Hartmut John ausführt, Kommunikationskonzepte entwickeln, die Erkenntnisse, Methoden und Instrumente der Besu- cher- und Kommunikationsforschung, der psycholo- gischen Lernforschung, Ausstellungsevaluation und des Kulturmarketings verbinden.'3 Häufig wird die Vermittlungs- und Bildungsarbeit in Museen als Museumspädagogik verstanden und konzentriert sich auf Kinder und Jugendliche und dabei insbesondere auf Schulklassen. Museen ver- stehen sich bisher nur bedingt als Einrichtungen professioneller Erwachsenenbildung und «  lebensbegleitenden Lernens»14 - trotzdem die Wissensgesellschaft überall diskutiert wird. Hier können wir Kontinental-Europäer von den Kollegen in Grossbritannien und den USA lernen. Gerade in Grossbritannien sind Audience-Development-Pro- gramme, also die strategische Entwicklung des Pu-blikums 
an der Tagesordnung - und dazu gehören eben Senioren und Migranten. Damit kommen wir zum vierten Stichwort, das der Dauerausstellung entlehnt ist - 
das Siedeln. Das Siedeln erscheint auf den ersten Blick als Stichwort, das keine Verbindung zum Museum hat. Beim Sie- deln geht es aber um den Ort - und der hat sehr wohl eine grosse Bedeutung für Museen. Museen sind im weitesten Sinne Kommunikati- onsmedien. Kommunikation zeichnet sich heute da- durch aus, dass sie immer und überall verfügbar ist. Unter den heutigen Kommunikationsmedien sind Museen allerdings diejenigen, die am stärksten an einen Ort gebunden sind. Museen sind wenig be- weglich - meist gehen die Menschen ins Museum, nur selten kommt das Museum zu den Menschen. Aber: die Ortsgebundenheit der Museen nimmt ab. Sie müssen natürlich immer noch nach Vaduz rei- sen, um das Landesmuseum Liechtenstein zu besu- chen, aber sie können sich schon vorab einen Ein- druck im Internet verschaffen. Das Internet ist schon heute eine wesentliche Informationsquelle und es wird diese Rolle in Zukunft noch stärker ha- ben. Museen nutzen dies, aber das gesamte Potenti- al des Internets wird oft noch nicht ausgeschöpft. Das Internet bietet die Möglichkeit, ganz eigene Aus- stellungs- und Spielformate zu entwickeln, die zu- sätzliche Inhalte zu den ortsgebundenen Ausstellun- gen bieten. Gerade für Kinder und Jugendliche kön- nen hier attraktive Angebote geschaffen werden, wie man z.B. auf der Homepage des Museum of Lon- don sehen kann. Hier gibt es E-Learning-Angebote für Lehrer, Eltern und Schüler und Online-Ge- schichtsspiele, die die Ausstellungen ergänzen.15 Aber auch das Fachpublikum nutzt inzwischen das Internet gerne, um auf die Sammlungen von Museen, Bibliotheken und Archiven zuzugreifen, das BAM-Portal ist nur ein Beispiel.16 Um die Samm- lungen zugänglich zu machen, braucht es intern die passenden Voraussetzungen - eine EDV-Inventari- sierung mit guten Objekt-Abbildungen und eine ge- eignete technische Schnittstelle. Das Thema Inven- tarisierung möchte ich nicht vertiefen, denn alle Ausführungen brächten mich zum fünften Stich- wort: 
zum Schaffen. 294
        

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