DIE FELDKIRCHER JESUITEN IM KAMPF GEGEN HEXEN UND DÄMONEN / MANFRED TSCHAIKNER Möglicherweise handelte es sich dabei um gewöhn- liche Verbrecher, die in der Herrschaft Feldkirch ge- richtet wurden. Vielleicht aber sollte diese allgemei- ne Formulierung nun die Mitwirkung an den be- denklichen Vaduzer Hexenprozessen vertuschen. SEELSORGE BEI DEN GERETTETEN OPFERN DER HEXENVERFOLGUNGEN IN VALS (GRAUBÜNDEN) 1680 Eine andere Eintragung in den «Litterae annuae» desselben Jahres weist einen Bezug zu früheren He- xenverfolgungen in Graubünden auf. Bei der Auf- zählung jener Orte, wo die Feldkircher Ordensmit- glieder seelsorgerisch tätig waren, wird auch St. Pe- ter in Vals, ein Nebental des Lugnez, mit folgender Bemerkung angeführt: Itum etiam in ultimam Rhaetiam, qua iungitur Ita- liae, ad S. Petri cum Valle. Ubique horum locorum sive concionibus sive catechetua doctrina eruditus, quoque Sacra Tribunali absolutus populus magno cum fructu.M Man ging auch ins äusserste Rätien, wo es an Italien grenzt, nach St. Peter in Vals. Überall in dieser Ge- gend wurde das Volk durch Predigten oder kateche- tische Belehrung unterwiesen, auch das vom dem Heiligen (Inquisitions-)Gericht freigesprochene mit grossem Gewinn. Im Valser Tal hätten 1654 fünf Knaben und zehn Mädchen im Alter von etwa acht bis zwölf Jahren wie ihre Eltern als Hexer oder Hexen hingerichtet werden sollen. Auf Betreiben des Nuntius in Luzern wurden sie jedoch nach einer päpstlichen Interven- tion dem Inquisitor in Mailand ausgeliefert und dort christlich erzogen. Im Jahr 1658 setzten sich der Landammann und die Gemeindevertreter mit einer Eingabe an den Bischof von Chur gegen die Rück- kehr einiger Kinder aus Mailand nach Vals zur Wehr.85 Dass sich ihre damals geäusserten Befürch- tungen nicht bewahrheitet beziehungsweise dass sich die von Seiten des Papstes empfohlene Vor- gangsweise gegen vermeintliche Hexenpersonen, 
nämlich Betreuung und Belehrung statt Hinrich- tung, bewährt hatten, bestätigten die Jesuiten nun- mehr in den «Litterae annuae» von 1680. Bei den Rückkehrern aus Italien, die übrigens noch ein Vier- teljahrhundert nach ihrer Rettung als eine geson- derte Bevölkerungsgruppe wahrgenommen wur- den, soll das seelsorgerische Wirken der Feldkir- cher Ordensleute auf besonders fruchtbaren Boden gefallen sein. Eine deutlichere Kritik an den Hexen- verfolgungen und -prozessen findet sich in den je- suitischen Jahresberichten nicht. 73) Seger, Otto: Der letzte Akt im Drama der Hexenprozesse in der Grafschaft Vaduz und der Herrschaft Schellenberg. In: Ders. u. Put- zer. Peter: Hexenprozesse in Liechtenstein und das Salzburger Rechtsgutachten von 1682. St. Johann i. P. Wien. 1987, S. 47-114, hier S. 56; vgl. z. ß. ebenda. S. 99. 74) Tschaikner, Teufel (wie Anm. 12), S. 165 u. 175. 75) Ludewig (wie Anm. 8), S. 165-167. 76) BHStA München, Jesuitica, Nr. 113, 1679, S. 94. 77) Zu dessen Person und Wirken vgl. nunmehr Burmeister, Karl Heinz: Johann Romarich Brügler von Herkulesberg. Von Januar bis Juni 1679 Landvogt in Vaduz. In: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein 106 (2007), S. 155-192. 78) Tschaikner, Teufel (wie Anm. 12). S. 22. Der Churer Bischof zollte gerade 1679 den Feldkircher Jesuiten für ihr vorbildliches erzieheri- sches Wirken bei Adeligen und Klerikern in seiner Diözese höchstes Lob: BHStA München, Jesuitica, Nr. 113, 1679, S. 94. 79] Ludewig, Anton: Die am Feldkircher Lyzeum im XVII. und XVIII. Jahrhundert studierende Jugend (Genealogische Studien). Inns- bruck, 1932 (= Forschungen zur Geschichte Vorarlbergs und Liech- tensteins 7). S. 25. Nr. 318; Ludewig (wie Anm. 8), S. 106, Anm. 2. 80) Ludewig (wie Anm. 8), S. 106. 81) Stadtarchiv Feldkirch. Akt 2454, Dok. 87. 82) Tschaikner, Manfred: Hohenems, Ferdinand Karl Franz von, Count of Vaduz (1650-1686). In: Encylopedia of Witchcraft. The Western Tradition. Hrsg. v. Richard M. Golden. Bd. 2. Santa Barba- ra/California, 2006, S. 501. 83) BHStA München. Jesuitica, Nr. 113. 1680. S. 136. 84) Ebenda, Nr. 113, 1680, S. 136. 85) Decker, Rainer: «Ihre Prozessführung verstösst auch gegen das Naturrecht» - Wie die römische Inquisition 15 Bündner Hexenkin- dern das Leben rettete. In: Bündner Monatsblatt. Zeitschrift für bündnerische Geschichte und Landeskunde 3 (1999), S. 179-191, hier S. 181-187; ders., Die Päpste und die Hexen. Aus den geheimen Akten der Inquisition. Darmstadt, 2003. S. 118-122. 227
        

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