Im Jahr 1662 sah man sich in der Stadt neuerlich mit einem Fall von Besessenheit konfrontiert, bei dem die jesuitischen Heilmittel ihre Wirkungsmacht unter Beweis zu stellen vermochten. Alia seu praestigiis seu maerore agitata cum de nocte clamoribus horrendis totam viciniam cum pa- rocho excivisset, qui obsessam crediderat, quieti reddita ad adventum nostrum: suspensa enim ad lectitam icon S. P. N. [sanctus pater noster = hl. Igna- tius] vel praestigias expulit vel maerorem abster- sit.32 Nachdem eine andere (Frau) - sei es durch (teufli- sche) Verblendungen, sei es durch Trübsinn ange- trieben - mit schrecklichen Schreien in der Nacht die ganze Nachbarschaft samt dem Pfarrer, der sie für besessen gehalten hatte, aufgeschreckt hatte, wurde sie bei unserer Ankunft ruhig gestellt. Denn das am Bett aufgehängte Bild unseres heiligen Va- ters (hl. Ignatius) vertrieb die (teuflischen) Verblen- dungen beziehungsweise verscheuchte den Trüb- sinn. 1657 wollten die Jesuiten ein Kind, das keine Ruhe mehr fand, durch ihr geweihtes Wasser von seinem Leiden befreit und wieder zum Schlafen gebracht haben.33 Für das Jahr 1666 berichten die «Litterae annuae» von der Heilung eines Mädchens, dessen schwere körperliche Schäden auf Hexerei zurückge- führt wurden: Rusticae cuiusdam puellae viduae matris filiae uni- cae, ante aliquot annos ex veneficio (ut certo con- stabat) pes dexter adeo intumuerat, ut ob acerbita- tem doloris digitis pedum penitus emortuis et in al- tum erectis, nullo negotio consistere posset; labori- bus proinde, quibus matrem hactenus aluerat, ma- xima anni parte omnino inhabilis: hoc anno oles ex lampade monacensi S. Igantii constanter usa, sanc- te confessa est, se licet suus pedi vigor non sit resti- tutus, dolores tarnen acerrimos, quibus cum biennio luctabatur, ita lenisse, ut et pedibus insistere, labo- res denuo resumere et multarum etiam horarum iti- nera in se suscipere potuerit.34 
Einem gewissen Bauernmädchen, der einzigen Tochter einer Witwe, war vor einigen Jahren auf- grund einer Hexerei, wie mit Sicherheit feststand, der rechte Fuss derart aufgeschwollen, dass sie we- gen der Grausamkeit des Schmerzes - die Zehen waren tief hinein abgestorben und in die Höhe ge- richtet - keine Arbeit durchführen konnte. Zu den Arbeiten, mit denen sie bisher die Mutter ernährt hatte, war sie im grössten Teil des Jahres unfähig: Nachdem sie in diesem Jahr beständig Öle aus dem Münchner Leuchter des heiligen Ignatius benutzt hatte, bekannte sie (hoch und) heilig, dass sie, wenn auch der Fuss seine Kraft nicht wieder erlangt habe, doch die schlimmsten Schmerzen, mit denen sie zwei Jahre rang, so gelindert habe, dass sie mit den Füssen auftreten, die Arbeiten wieder aufnehmen und sogar Wegstrecken von vielen Stunden auf sich nehmen könne. Kurz nach den Ausführungen zu den Hexenprozes- sen des Jahres 1668 wird in den jesuitischen Be- richten das Schicksal einer weiteren Person er- wähnt, die durch 
ein maleficio papyraceis globulis - also durch einen Schadenzauber in Form von Pa- pierkügelchen - geschädigt und durch das Öl des heiligen Ignatius geheilt worden sei.35 1669 rühmten sich die Jesuiten neben der Unter- bindung vieler Blasphemien, der Ruhigstellung der Lemuren und der Heilung von anscheinend Unheil- baren damit, dass sie jemanden, der sich den Dämo- nen übergeben habe, aus deren Fängen befreit hät- ten.36 Auch im folgenden Jahr sei die dämonische Anfechtung eines Mädchens wirkungsvoll bekämpft worden. Noch stärker wog allerdings der Erfolg ge- gen die Engerlingplage im Sommer. Nachdem Fel- der und Wiesen mit Ignatius-Wasser besprengt wor- den seien, hätten die zerstörten Schädlinge die Wur- zeln nicht mehr behelligen können.37 Für 1684 veranschaulichten die «Litterae an- nuae» das Treiben der Dämonen und die Wirksam- keit des Ignatius-Wasser anhand eines Vorfalls in Feldkirch. Nachdem die Lemuren das Haus eines frommen Bürgers zur grössten Bedrängnis der Be- wohner auf wundersame Weise - unter anderem auch indem sie Steine warfen - heimgesucht hätten, 218
        

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