Verdacht des Schadenzaubers bestand, wurde zu- erst das Haus durch Exorzismen entsühnt und dann so viel Geld für Ärzte, Bäder und die übrigen Heil- mittel aufgewendet, dass es für zahlreiche Kranke in einem grosse?! Kolleg genug wäre - doch mit mini- malem bis gar keinem Erfolg für die Kranken. Damit es nicht geschah, dass die ersten Bewohner dieser Niederlassung an Ort und Stelle vorzeitig bestattet würden, war es also nötig, die Ermatteten anders- wohin zu schicken. Sobald das versucht worden war, schienen sie es sofort beim ersten Weggehen besser zu haben, anderswo (wurden) sie nun völlig gesund und unversehrt. In der Zwischenzeit wurde, wo es den Gesunden und Kranken möglich war, nichts vom Jahresarbeitspensum ausgelassen. Bei anderen Gelegenheiten fühlten sich die Feldkir- cher Jesuiten nicht nur durch Dämonen, sondern auch durch Lemuren - also durch die Geister ruhe- loser Toter - bedrängt. So vertrieben die Ordens- männer solche bedrohliche Wesen durch Exorzis- men, bevor sie 1662 ins ehemals erzherzogliche Hubhaus, in dem heute die Bezirkshauptmann- schaft untergebracht ist, übersiedelten.20 Der Jesuit Anton Ludewig gab die entsprechende Eintragung in den «Litterae annuae» so wieder, als ob die Gespensterfurcht vor allem von der Stadtbe- völkerung ausgegangen wäre: «Es ist unglaublich, bemerkt der Chronist, mit welcher Besorgnis Hoch und Niedrig in uns drang, doch ja zuzusehen, daß wir von den Geistern und Gespenstern nicht geplagt würden und daß wir von der Kälte nicht Schaden lit- ten»; er fügt dann hinzu: «Die Kälte, die in diesem Jahre allerdings grimmiger auftrat als sonst, mil- derte die Freigebigkeit des Magistrats, der uns reichlichst Holz zuführen ließ, die bösen Geister aber vertrieb der Segen der Kirche».21 Die Feldkir- cher Jesuiten wandten dabei keine einfachen Seg- nungen mit Weihwasser an, sondern führten an ei- nen intensiveren Kampf gegen Dämonen und Hexen mit zahlreichen weiteren geistlichen Hilfsmitteln, deren segensvolle Wirkung sie zur grösseren Ehre des Ordens allenthalben propagierten. 
GEWEIHTES WASSER, HEILIGE ÖLE UND BÜCHERVERBRENNUNGEN Das geweihte Ignatius-Wasser, das Ignatius-Öl, das Aloisius-Öl und Ähnliches sollten gegen Viehkrank- heiten, gegen körperliche und seelische Gebrechen der Menschen, in Kindsnöten und in anderen heik- len Lebenslagen helfen, wo gewöhnliche Mittel wir- kungslos geblieben waren. Der Jahresbericht von 1650 fasst die entsprechenden Tätigkeiten der Feld- kircher Ordensmitglieder in folgendem Satz zusam- men.- Sublatae quibusdam superstitiones magicae, noc- turnae stryges abacta, lemures silere iussi, et Cor- pora malis artibus incantata sanitati sunt reddi- ta.22 Bei einigen wurden zauberische abergläubische Ge- bräuche beseitigt, nächtliche Hexengespenster ver- trieben, Lemuren befohlen, ruhig zu sein, und durch böse Künste verzauberte Körper gesund gemacht. Zum Kampf der Jesuiten gegen die Mächte des Bö- sen zählten des Weiteren inszenierte Verbrennun- gen von Schrifttum mit magischem, häretischem und nicht zuletzt auch obszönem Inhalt. Solche «ve- nerischen» (die Liebeslust weckenden) Druckwerke scheinen weit verbreitet gewesen zu sein.23 Die Ver- nichtung der Schriften verstand man nicht nur als materielle Zerstörung, sondern - durchaus in Paral- lele zur Hexenverbrennung - auch als Auslöschung eines Dämons. Im Jahresbericht von 1664 heisst es zum Beispiel: Praetermittimus non paucas virgines, adolescen- tesque alios flagrantibus periculis ereptos esse, nec semel una cum liberis [wohl verschrieben 
für: libris] venerem et cum magia circumscriptum daemonem flammis datum arsisse.24 Wir reden nicht davon, dass nicht wenige Jungfrau- en und weitere junge Männer aus brennenden Ge- fahren entrissen worden sind sowie dass nicht nur einmal gemeinsam mit Büchern die Liebeslust und ein durch Zauberei beschworener Dämon den Flam- men übergeben wurden und brannten. 216
        

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