DIE FELDKIRCHER JESUITEN IM KAMPF GEGEN HEXEN UND DÄMONEN / MANFRED TSCHAIKNER NIEDERLASSUNG UND FRÜHE TÄTIG- KEITEN DER JESUITEN IN FELDKIRCH SCHWERE ZEITEN BEI DER GRÜNDUNG DER FELDKIRCHER MISSIONSSTATION Aus den «Litterae annuae» des Jahres 1650 geht nicht nur hervor, dass die frommen Jesuiten bereits im Jahr nach ihrer Niederlassung in Feldkirch an Hexenprozessen mitwirkten, wovon im Folgenden noch die Rede ist, sondern dass sie damals den Ver- dacht hegten, selbst Opfer bösartigsten Schaden- zaubers geworden zu sein: Missio Veldkirchensis Ex quo sedem hanc ingressi sumus, placuit deo fi- lios suos Tyronum instar probare. E quinis enim pa- tribus et uno adiutore, qui hoc agri Curiensis novale coluerant, plerique morbis tentati sunt. Tres mag- nam anni partem ita torminibus laborarunt, ut quid pati fortiter potius, quam quid agere foret, senti- rent. Venienti malo sicfere praelusum est. Principio ciborum fuere fastidia, post genae sensim defluve- rant, oris deinde vigor in buxum pallebat; subinde premebantur praecordia, colici demum dolores om- nino lectis affixerant. Levando morbo humana divinaque tentata sunt media ac exorcismis primo, quod maleficii suspicio fuit, expiata domus et in medicos dein ac thermas caeteraque fomenta tantum aeris, quantum pluri- bus aegris in grandi collegio satis esset, impensum est. Exiguo tarnen aut nullo laborantium commodo. Ut ne igitur in loco primos coloniae huius incolas se- peliri prius quam videri contingeret, necesse fuit, alio languentes dimittere. Quod ubi tentatum, primo statim digressu melius habere sunt visi, alibi nunc sani prorsus et incolumes. Interea, qua sanis morbi- disque licuit, nihil ab annuo laborum penso cessa- tum est.19 Seitdem wir an diesen Ort gekommen sind, gefiel es Gott, seine Söhne wie Tyronus zu prüfen. Denn von je fünf Patres und einem Gehilfen, die dieses Churer Brachland bebaut hatten, wurden die meisten von Krankheiten befallen. Drei litten einen grossen Teil 
des Jahres so an Koliken, dass sie spürten, dass es besser wäre, es tapfer zu ertragen, als etwas (dage- gen) zu tun. So wurde es beinahe zum Vorspiel für das kommende Unheil. Am Anfang gab es Ekel vor Speisen, später waren die Wangen allmählich ein- gefallen, dann verblasste die Frische im Gesicht zu Buchsbaumholz, gleich darauf setzte ein Druck im Zwerchfell ein, zuletzt hatten die Schmerzen einer Kolik (den Kranken) nur noch ans Bett gefesselt. Um die Krankheit zu lindern, wurden menschli- che und göttliche Mittel angewendet. Und weil der 8) Ludevvig, Anton: Briefe und Akten zur Geschichte des Gymnasi- ums und des Kollegs der Gesellschaft Jesu in Feldkirch. Feldkirch. 1908 (Separatabdruck des Gymnasialprogramms der Stella Matutina 1.907-1908), S. 156-167. 9) Behringer, Wolfgang: Meinungsbildende Befürworter und Gegner der Hexenverfolgung (15. bis 18. Jahrhundert), in: Hexen und Zauberer. Die grosse Verfolgung - ein europäisches Phänomen in der Steiermark. Hrsg. v. Helfried Valentinitsch. Graz, Wien, 1987, S. 219- 236, hier S. 233. 10) Löcher (wie Anm. 7), S. 118. 11) Tschaikner. Manfred: Luzius Hauser, Pfarrer von Bartholomäberg - ein tiberregional gefragter Hexenfinder und Heiler. In: Bludenzer Geschichtsblätter 88 (2008), S. 10-20. 12) Tschaikner, Manfred: Magie und Hexerei im südlichen Vorarlberg zu Beginn der Neuzeit. Konstanz. 1997, S. 214-215; ders.: «Der Teufel und die Flexen müssen aus dem Land ...» Frühneuzeitliche Hexenverfolgungen in Liechtenstein. Vaduz, 1998 (Sonderdruck). Ebenfalls in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein 96 (1998). S. 1-197. hier S. 57 u. 119. 13) Löcher (wie Anm. 7), S. 18. 14) Kaiser, Peter: Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein. Nebst Schilderungen aus Chur-Rätien's Vorzeit. 1847. Hrsg. v. Arthur Brunhart. Bd. 1. Vaduz, 1989, S. 431. 15) Tschaikner, Teufel (wie Anm. 12), S. 20. 16) Tschaikner, Manfred: Die Feldkircher Jesuiten, das nächtliche Landleben und die Hexenverfolgungen. In: Montfort 51 (1999). S. 337-339. 17) Zur Quellenproblematik vgl. Voltmer (wie Anm. 2), S. 586-589, hier S. 587. 18) Für die Unterstützung bei der Übersetzung der lateinischen Texte bedanke ich mich herzlich bei meinem Kollegen Mag. Thomas Amann, Schlins. Zu Dank bin ich auch Herrn Gert Reiprich vom Bayerischen Hauptstaatsarchiv München und Herrn Mag. Christoph Volaucnik vom Stadtarchiv Feldkirch verpflichtet. 19) Bayerisches Hauptstaatsarchiv München (fortan: BHStA), Jesuiti- ca, Nr. 108, 1650, S. 90. 215
        

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