vermittelten.8 Über deren dämonologische Auffas- sungen und deren Einstellung zu den magisch-reli- giösen Praktiken ihrer Zeit beziehungsweise zur da- mals - im wörtlichen Sinn - brennenden Frage des Hexenwesens erfährt man in der Literatur nur sehr wenig, denn lange Zeit meinte man, Gelehrsamkeit und Hexenglaube bildeten einen Widerspruch. Mitt- lerweile ist jedoch bekannt, dass die Anhänger der Hexenvorstellung auf der Grundlage des frühneu- zeitlichen Weltbilds sogar über die schlüssigeren, rationaleren Argumente verfügten als die Gegner.9 Vor diesem Hintergrund erstaunt es wenig, dass auch die Feldkircher Jesuiten ihre Tätigkeiten kei- neswegs auf gelehrte Wissensvermittlung be- schränkten, sondern von Anfang an gleichzeitig ei- nen aufwändigen Kampf gegen Dämonen, Hexen und Totengeister führten. Diesem kam im Alltagsle- ben, aber besonders auch hinsichtlich der Hexen- verfolgungen in der Grafschaft Vaduz und in der Herrschaft Schellenberg, hohe Bedeutung zu. Die Jesuiten arbeiteten in Feldkirch zudem eng mit den Kapuzinern zusammen,10 die sich - neben einzelnen Geistlichen wie dem überregional gefragten Heiler und Hexenfinder Luzius Hauser, Pfarrer auf Bartho- lomäberg11 - in Vorarlberg und Liechtenstein als starke Förderer des Hexentreibens hervortaten.12 Nicht zuletzt auf Grund der dürftigen Quellenlage zur Geschichte der Feldkircher Jesuiten im 17. Jahrhundert13 ist über die entsprechenden Unter- nehmungen bislang nur wenig bekannt. Zwar wies bereits Peter Kaiser in seiner «Geschichte des Fürs- tenthums Liechtenstein» aus dem Jahr 1847 auf eine gegenreformatorische Kampfschrift mit mögli- chen Bezügen zu den Feldkircher Jesuiten und den Hexenprozessen hin.14 Mehr als die Vermutung, dass dadurch der Verfolgungseifer von geistlicher Seite geschürt wurde, liess sich daraus jedoch nicht ableiten.15 Auch ein Artikel in der Zeitschrift «Mont- fort» aus dem Jahr 1999, der sich mit einem in der Literatur verbreiteten Missverständnis befasste, wonach die Jesuiten ein Verbot von nächtlichen Ver- sammlungen der Hexen in der Herrschaft Feldkirch veranlasst hätten, konnte sich nur punktuell mit der Haltung der Patres zu den Hexenprozessen ausei- nandersetzen.10 Die systematische Auswertung der 
«Litterae Annuae Proviniciae Germaniae Superio- ris» blieb ein Forschungsdesiderat. Im Folgenden werden nun entsprechende Angaben in diesen jähr- lichen Berichten der örtlichen Niederlassung an die Vorgesetzten der oberdeutschen Ordensprovinz, die im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München und im Ordensarchiv in Rom liegen,17 im Originalwort- laut wiedergegeben, übersetzt und ausgewertet.18 Während bei den magisch-religiösen Vorstellungen auf Grund ihrer Häufigkeit keine auch nur annä- hernd vollständige Erfassung möglich war, wurde in Bezug auf die Hexenprozesse eine lückenlose Doku- mentation angestrebt. 214
        

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