Noch im Herbst desselben Jahres 1692 ersuchte daher Graf Jakob Hannibal III. von Hohenems den Kaiser, ihm wieder die Administration, die der Bi- schof von Konstanz und der Fürstabt von Kempten für Vaduz und Schellenberg erhalten hatten, zu übertragen.84 Das nützte offensichtlich nichts, denn Anfang des Jahres 1693 schrieben die kaiserlichen Subdele- gierten Johann Heinrich Dilger und Johann Jakob Mez an die Untertanen von Vaduz, Hohenems und Schellenberg, dass der Kaiser Leopold I. neuerlich die Administration und vollkommene Verwaltung der Herrschaften Vaduz und Schellenberg dem Bi- schof Marquard Rudolph von Konstanz und dem Kemptener Fürstabt Rupert von Bodman aufgetra- gen hatte. Daher wurde den Untertanen aufgetra- gen, der Gräfin von Hohenems keinerlei Abgaben mehr zu leisten, sondern nur noch an die Subdele- gierten der kaiserlichen Kommission.85 
DER VERKAUF VON SCHELLENRERG UND VADUZ Obwohl die finanzielle Situation der Familie Hohen- ems nun schon jahrelang am kaiserlichen Hof be- kannt war und sich die Zinsen der Schulden täglich weiter summierten, zögerte der Kaiser lange mit seinem Einverständnis für den Verkauf der Herr- schaft Schellenberg. In einem Brief an den Kaiser vom 7. September 1694 beschrieb der Bischof von Chur die schlechte Lage der Untertanen in Vaduz und Schellenberg und bat den Kaiser um Hilfe. Die Schuld an der schlech- ten Lage der Untertanen sah der Bischof in der gros- sen Belastung durch die vielen Truppendurchzüge der Alliierten, die laut dem Bischof mehr durch Va- duz und Schellenberg als irgendeinen anderen Ort im Heiligen Römischen Reich durchzogen. Der Grund dafür war die Lage des Rheintals. Dieses Na- delöhr blieb für viele Regimenter unumgänglich, wenn sie in den Norden oder in den Süden zogen. Zusätzlich wurde die Bevölkerung mit unerschwing- lichen Kriegs- und Reichsauflagen schwer belastet und musste um derentwillen scharfe Exekutionen erdulden, obwohl diese Steuern und Reichsabgaben nach dem alten Vergleich von 1614 mit den Grafen Kaspar von Hohenems von der Herrschaft bezahlt hätten werden müssen. Zusätzlich versuchten die Kreditgeber der Hohenems ihre Schulden in der Be- völkerung einzutreiben. Das führte häufig dazu, dass die Untertanen von Haus und Hof vertrieben wurden. Der Bischof befürchtete in diesem Zusam- menhang, dass diese Vertriebenen sich in der Schweizer Eidgenossenschaft niederlassen und vom katholischen Glauben abfallen oder die calvi- nistischen Kreditgeber sich in den katholischen Herrschaften Vaduz und Schellenberg niederlassen könnten.86 Nachdem sich die Untertanen von Vaduz und Schellenberg fortwährend über die ungerechte steu- erliche Belastung durch den Grafen Jakob Hannibal III. bei der kaiserlichen Kommission beschwert hat- ten, war der Graf 1694 endlich bereit, um die Ver- waltung über seine Länder wieder zurückzubekom- men, die Verantwortung für seine Schulden zu über- 202
        

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