NEUERLICHE KAISERLICHE ADMINISTRATION IN VADUZ UND SCHELLENBERG Bereits im selben Jahr, im April 1687, als die Über- nahme der Regierung von Vaduz und Schellenberg durch Graf Jakob Hannibal III. erfolgte, kam es zu zahlreichen Beschwerden von Seiten der Bevölke- rung. Es bildete sich eine Interessensgemeinschaft der Hinterbliebenen der in den Hexenprozessen un- schuldig hingerichteten Personen. Diese Hinterblie- benen hofften nun auf eine baldige Restituierung der vorher konfiszierten Güter der Opfer. Graf Jakob Hannibal III. ging jedoch nicht auf deren Forderun- gen ein, was zu unmittelbaren Konflikten und Be- schwerden beim Kaiser führte.71 Ausserdem hatte Graf Jakob Hannibal III. die Idee, die Schulden der Familie zu mindern, indem der Vertag von 1614 be- treffen die jährliche Zahlung eines Schnitz in der Höhe von 1276 Gulden annulliert und ein neuer aus- gearbeitet werden sollte. Der Graf verfolgte die Idee, den jährlichen Schnitz um die Hälfte zu reduzieren, wofür die Bevölkerung sich dann an allen Kreis- und Kriegsausgaben beteiligen sollte. Das führte zu ei- nem Sturm der Entrüstung bei den Untertanen, die sich um ihre jahrhundertealten Privilegien betrogen meinten und daraus folgend zu zahlreichen Be- schwerden beim Kaiser und beim Fürstabt von Kempten. Dadurch entstanden wiederum auch Kon- flikte zwischen dem Fürstabt von Kempten und dem Grafen von Hohenems, die auch dem Kaiser nicht verborgen blieben.72 Der Kaiser versuchte die Situa- tion zu entschärfen und befahl dem Grafen, sich dem Fürstabt gegenüber respektvoller zu verhalten und aus diesen administrativen Angelegenheiten, von denen der Fürstabt nach Meinung des Kaisers mehr als der Graf verstand, herauszuhalten.73 Die hohe Verschuldung der Familie Hohenems machte es gegen Ende des 17. Jahrhunderts für Ja- kob Hannibal III. von Hohenems unvermeidlich, zu- erst einmal die Herrschaft Schellenberg zu verkau- fen,74 denn auf der Grafschaft Vaduz lagen zu dem Zeitpunkt zumindest schon 59 000 Gulden Schul- den,75 und weitere Schulden hatten bereits einen Betrag von 35 000 Gulden überschritten, womit die 
gesamten Schulden der Hohenems im Jahr 1689 eine Höhe von mindesten 94 000 Gulden betrugen.76 Gleichzeitig summierten sich die Zinsen und Zinses- zinsen in rasanter Geschwindigkeit weiter. Da die Grafschaft Vaduz ein Teil des Fideikommisses und somit unverkäuflich war, musste als Notlösung zu- erst an den Verkauf von Schellenberg gedacht wer- den. Nachdem der jüngere Bruder Jakob Hannibals III., Franz Wilhelm, der die hohenemsischen Terri- torien in der Abwesenheit des im Schweizer Exil le- benden Franz Karl von Hohenems verwaltete, 1690 in einer Schlacht gegen die Türken gefallen war,77 wurde für seinen ungeborenen Sohn in den folgen- den Jahren Graf Franz Maximilian von Königsegg- Aulendorf als Vormund eingesetzt. Dieser verzöger- te über lange Zeit die Verkäufe von Schellenberg und Vaduz, weil er fürchtete, sein Mündel könnte von Ja- kob Hannibal III. finanziell übervorteilt werden.78 Gleichzeitig dauerten die Belastungen der Unter- tanen durch Kriege an. Die Untertanen von Hohen- ems und Vaduz reichten 1692 beim Kaiser eine Kla- ge ein, dass das Regiment des Kurbayrischen Ba- rons Schwanenfeld die noch ausstehenden winterli- chen Verpflegungsgelder mit der militärischen Exe- kution der verarmten Untertanen der genannten Herrschaften eintreiben wollte.79 Zusätzlich kam es zwischen Graf Jakob Hannibal III. und seinen Un- tertanen zu Differenzen, denn dieser verlangte, dass die Untertanen weitaus mehr an Reichssteuern als die vertraglich festgesetzten 1276 Gulden pro Jahr bezahlen sollten. Als die Situation immer mehr es- kalierte, ersuchte der Graf von Hohenems den Kai- ser, eine neue Kommission zur Untersuchung der al- ten Schulden auf den Fideikommiss-Gütern und der Neuberechnung der von den Untertanen zu bezah- lenden Reichssteuer einzusetzen. Dabei bat der Graf jedoch ausdrücklich, dass diese neue Kommission nur vom Bischof von Konstanz geleitet würde und nicht vom Fürstabt von Kempten, weil dieser nach Meinung des Grafen einen Verkauf von Schellenberg nur verzögern würde.80 Kaiser Leopold I. schrieb am 26. August 1692 be- treffend die Administration der Herrschaften Vaduz und Schellenberg jedoch an den Bischof von Kon- 200
        

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