DER EINFLUSS SPANIENS AUF DIE HERRSCHAFTEN VADUZ UND SCHELLENBERG / KATHARINA ARNEGGER GEFÄHRDUNG DER REICHS- SICHERHEIT DURCH GRAF FRANZ KARL VON HOHENEMS ZU HOHENEMS Gleichzeitig reichte Jakob Hannibal III. von Hohen- ems im Jahr 1679 auch gegen seinen Vetter Graf Franz Karl von Hohenems zu Hohenems, der die Festung Hohenems, den Palast Hohenems, sowie alle dazu gehörenden Territorien regierte, Be- schwerde im Reichshofrat ein. Auch ihm warf Jakob Hannibal III. schlechte Haushaltung und somit Verschuldung der Güter des Fideikommisses vor. Wie bereits oben erwähnt, wa- ren auch die Untertanen von Hohenems sehr gegen ihren Landesherrn aufgebracht, durch den viele un- schuldig von seinen Gläubigern ins Gefängnis ge- worfen worden waren.65 Daraufhin wurde der Fürstabt von Kempten ebenfalls mit einer Untersu- chung dieser Vorfälle vom Kaiser beauftragt, was, abgesehen von den aufgebrachten Untertanen die nun eine Rückenstärkung durch den Fürstabt hat- ten, zur Flucht des Grafen Franz Karl in die Schweiz führte. Da nun die Feste Hohenems, geostrategisch von Bedeutung, um den Pass nach Mailand zu schützen und somit Teil des Verteidigungsrings des Heiligen Römischen Reichs, unbesetzt zurückblieb, wandte sich das Grafenkollegium des Schwäbischen Kreises an den Bischof von Konstanz mit der Frage, was mit der Festung nun geschehen soll.66 Daran zeigen sich die Auswirkungen des Fehlens der spanischen Grossmacht, die ein Machtvakuum im Rheintal er- zeugten, das eine einzige Grafenfamilie nicht auffül- len konnte. Ein Konkurs der Familie Hohenems und die da- mit verbundene Nichtbesetzung der Festung Ho- henems konnten weitreichende Folgen beim nächs- ten Angriff, zum Beispiel durch die Franzosen, nach sich ziehen. Nachdem Graf Ferdinand Karl Franz 168667 im Arrest in Kempten gestorben war, bat der Fürstabt von Kempten den Kaiser, nun die Adminis- tration von Vaduz und Schellenberg an Graf Jakob Hannibal III. von Hohenems übergeben zu dürfen.68 Die Übergabe der Herrschaften Vaduz und Schellen- berg an Jakob Hannibal III. erfolgte bereits Anfang 
des Jahres 1687.69 Weil dann aber die Festung Ho- henems immer noch unbesetzt war, beschloss die kaiserliche Kommission gleichzeitig den jüngeren Bruder Jakob Hannibals III., Franz Wilhelm, als neuen Herren von Hohenems einzusetzen, denn Franz Karl von Hohenems war ohne Erben zu hin- terlassen in die Schweiz geflohen und dachte nicht daran, bald zurückzukehren.70 62) Befragungsprotokoll der Untertanen von Vaduz und Schellenberg [1684?], OeStA, HHStAWien, RHR, Jud. Den. Ree. Kart. 261. Fasz. 12, fol. 12-41. 63) Beantwortung der Inquisitionspunkte über den regierenden Herrn Grafen von Vaduz, Herrn Ferdinand Karl Franz, sein Handeln und «Wandeln» durch den Herrn Johann Baptista, freien Kanonikus aus Chur und den Pfarrer von Feldkirch, 1684 März 20, OeStA, HHStA Wien, RHR, Jud. Den. Ree. Kart. 261. Fasz. 12, fol. 46-50. 64) Der Kemptener Fürstabt Rupert von Bodman berichtet an den Kaiser Leopold I. betreffend der Klage des Grafen Jakob Hannibal III. von Hohenems über dessen älteren Bruder Ferdinand Karl Franz, Kempten 1684 Juli 26, OeStA, HHStAWien, RHR, Jud. Den. Ree. Kart. 261. Fasz. 12, fol. 42-70. 65) Jakob Hannibal III. von Hohenems an den Kaiser Leopold L, 1680 August 26, OeStA, HHStAWien, RHR, Jud. Den. Ree. Kart. 262. Fasz. 1, fol. 3-6. Jakob Hannibal III. von Hohenems beschwert sich über die schlechte Verwaltung seines Vetters Graf Franz Karl Anton von Hohenems zu Hohenems; Supplikation des Grafen Franz Karl Anton von Hohenems beim Kaiser Leopold L, 1681 Oktober 13, OeStA, HHStA Wien, RHR, Jud. Den. Ree. Kart. 262. Fasz. 1, fol. 7-11. 66) Bericht Bischofs Franz Johann von Konstanz an den Kaiser Leopold L, Konstanz 1688 Januar 22, OeStA, HHStAWien, RHR, Jud. Den. Ree. Kart. 262. Fasz. 1, fol. 84-86. 67) Der Kemptener Fürstabt Rupert von Bodman an den Kaiser Leopold I., Kempten 1686 Februar, OeStA, HHStA Wien, RHR, Jud. Den. Ree. Kart. 262. Fasz. 1, fol. 21-22. 68) Der Kemptener Fürstabt Rupert von Bodman an den Kaiser Leopold I., Kempten 1686 Mai 24, OeStA, HHStAWien, RHR, Jud. Den. Ree. Kart. 262. Fasz. 1. fol. 21-22. 69) Bericht des Kemptener Fürstabtes Rupert von Bodman an den Kaiser Leopold L. Kempten 1687 Februar 25, OeStA, HHStAWien. RHR, Jud. Den. Ree. Kart. 262. Fasz. 1, fol. 29-30. 70) Kaiserliches Patent für den Grafen Franz Wilhelm von Hohenems zu Hohenems, Wien 1688 Juli 1. OeStA, HHStAWien, RHR, Jud. Den. Ree. Kart. 262. Fasz. 1, fol. 96-97. Darin wird den Untertanen der Graf- und Herrschaft Hohenems mitgeteilt, dass der Kaiser nun die Verwaltung der Grafschaft und Festung Hohenems an Graf Franz Wilhelm von Hohenems übertragen hat, weil der bisherige Landes- herr, Graf Franz Karl Anton von Hohenems, in die Schweiz geflohen ist. 199
        

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