DER EINFLUSS SPANIENS AUF DIE HERRSCHAFTEN VADUZ UND SCHELLENBERG / KATHARINA ARNEGGER VERSCHULDUNG UND ABSTIEG DER HOHENEMS Bis zum Westfälischen Frieden hatte Spanien eine Vormachtstellung in Europa inne. Davon konnten ihre Vasallen im Heiligen Römischen Reich, in die- sem Fall die Hohenems, profitieren. Kaspar von Ho- henems rechnete bei der Errichtung des Fideikom- misses 1626, sowie bei der darauffolgenden Erbtei- lung in der Familie und in seinem Testament 163928 noch fest mit einem Fortbestehen der spanischen Einkünfte für seine Erben. Kaspar hinterliess seinen drei Söhnen damals ein Vermögen von zirka 642 340 Gulden in Form von Ländereien,29 vererbte seinem zweitgeborener Sohn Franziskus Maria je- doch nur die relativ wertlosen Herrschaften Vaduz und Schellenberg. Diese bezifferte Kaspar in seinem Testament nur mit einem jährlichen Einkommen von circa 6500 Gulden aus der Landwirtschaft. Da sich die strategische Bedeutung des Rheinta- les schon lange herauskristallisiert hatte, weil Öster- reich und Spanien nun regelmässig den Weg über Graubünden durch Vaduz und Schellenberg Rich- tung Norden für ihre Truppentransporte verwende- ten, so dachte Kaspar von Hohenems bei diesem Erbteilungsvertrag sicherlich an die bestehenden und zukünftigen Einkommensmöglichkeiten mit diesen Herrschaften. Nachdem Jakob Hannibal IL, Franziskus Maria und Franziskus Leopold, die Enkel des Jakob Flan- nibal I. von Hohenems, dem eigentlichen Begründer dieser spanischen Subsidien, ziemlich gut geerbt hatten, begannen sie Schulden anzuhäufen. Die Ur- sachen für die immer grösser werden Schulden der Hohenems waren vielfältig. Einerseits unterlag die Familie durch ihren Aufstieg immer grösseren Re- präsentationspflichten, weshalb sie einen Lebens- wandel weiterführte, der ihren Einkünften nicht mehr entsprach. Das Schloss Hohenems wurde noch unter Graf Kaspar aufwändig aus- und umge- baut. Dieser Renaissancepalast verfügte über ein teuer ausgestattetes Hauptgebäude, mehrere Ne- bengebäude, einen Tier- und Lustgarten30 und ist nicht nur einzigartig in den gesamten Vorlanden, sondern repräsentiert in seiner Pracht die gesamt-europäischen 
Einflüsse und die Verbindungen der Hohenems mit anderen Adelsgeschlechtern. Dieser Palast dokumentiert, wohin ein Grossteil der spani- schen Gelder geflossen ist. Die Erhaltung des hohen- emsischen Palastes war jedoch sehr teuer, wie ver- schiedene Briefe und Schuldenaufstellungen von Graf Jakob Hannibal III. beweisen.31 Wie bereits erwähnt, ging die Rechnung des Kas- par von Hohenems am Anfang des Dreissigjährigen Krieges noch relativ gut auf. Solange die spanischen Könige ihre Truppen regelmässig nach Norden schickten, solange profitierten die Hohenems und konnten ihren Lebensstandard beibehalten. Als je- 22) Seger, Otto: 250 Jahre Fürstentum Liechtenstein. In: Jahrbuch des Historischen Vereines für das Fürstentum Liechtenstein. Band 68. Vaduz, 1968, S. 30-45. 23) Kollationierte Kopie des Kaufvertrags von Vaduz und Schellen- berg, Wien 1613 März 12, OeStA, HHStA Wien, RHR, Gratialia et Foudalia [Grat, et Feud.] Reichslehensakten deutscher Expedition [dt. Exp.], Kart. 99, unfol. Graf Karl Ludwig von Sulz verkauft Vaduz und Schellenberg an Graf Kasper von Hohenems um 200 000 Gulden. Der Graf von Hohenems kauft die beiden Herrschaften mit dem Blutbann [Hohe Gerichtsbarkeit]. 24) Testament des Grafen Kaspar aus dem Jahr 1639, OeStA, HHStA Wien. RHR, Jud. Den. Ree. Kart. 261. Fasz.10, fol. 78v. Dieses besagt, dass Vaduz und Schellenberg im Jahr 1620 einen Ertrag von 6500 Gulden lieferten. 25) Parker (wie Anm. 2), S. 64. 26) Bolzern (wie Anm. 15), S. 107 f. 27) Schennach, Martin P: Tiroler Landesverteidigung 1600-1650. Landmiliz und Söldnerturn. Innsbruck, 2003, S. 302 f. 28) Graf Kaspar von Hohenems errichtete 1639 sein Testament [fol. 69-84] und einen Erbteilungsvertrag [fol. 85-95] zwischen seinen drei Söhnen Jakob Hannibal IL, Franziskus Maria und Franziskus Leopold, OeStA, HHStA Wien, RHR, Jud. Den. Ree. Kart. 261. Fasz. 10, fol. 69-95. Um die Güter für seine Nachkommen zu erhalten, errichtete Kaspar von Hohenems ausserdem bereits im Jahr 1626 einen Fidcikommiss, OeStA, HHStA Wien, RHR, Grat, et Feud. Reichslehensakten dt. Exp. Kart. 100, unfol. 29) Kopie der kaiserlichen Bestätigung des Fideikommisses und der Erbeinigung des Hauses Hohenems. Wien, 1626 September 12, OeStA, HHStA Wien, RHR, Jud. Den. Ree. Kart. 261. Fasz. 10, fol. 86v. 30) Testament des Grafen Kaspar von Hohenems aus dem Jahr 1639, in dem der ganze Besitz bis ins kleinste Detail genau beschrieben wird, OeStA, HHStA Wien, RHR, .lud. Den. Ree. Kart. 261. Fasz. 10, fol. 69-84. 31) Spezifikation, 1688 April 8, OeStA. HHStA Wien, RHR. Jud. Den. Ree. Kart. 262. Fasz. 1. fol. 114-115. 191
        

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