DER EINFLUSS SPANIENS AUF DIE HERRSCHAFTEN VADUZ UND SCHELLENBERG / KATHARINA ARNEGGER Der Aufstieg Jakob Hannibals I. als Söldnerführer im Dienst König Philipps II. von Spanien ist - abge- sehen von den familiären Beziehungen - auch mit der strategisch wichtigen Bedeutung der Länderei- en der Familie Hohenems für die spanischen Trup- pendurchzüge von Mailand in die Niederlande zu erklären. Graf Jakob Hannibal I. war als Söldnerfüh- rer für den spanischen König so wichtig, dass er le- benslängliche Pensionen erhielt,13 beziehungsweise empfing Jakob Flannibal 1.1578 im Herzogtum Mai- land die Grafschaft Gallara als Reichslehen.14 Zu diesem Zeitpunkt marschierten die meisten Truppen auf dem Camino Espahol noch über die Pässe Savoyens an der Grenze zu Frankreich in die Niederlande.1'' Gegen Ende des 16. Jahrhunderts gewannen aber auch andere Pässe an Bedeutung für die Truppentransporte, denn die Wege durch Sa- voyen waren aufgrund der hohen Transportkosten teuer und wegen der Nähe zu Frankreich auch ge- fährlich geworden. Wiederkehrende Kriege Savoy- ens mit Frankreich erschwerten den Truppentrans- port, bis letztendlich Frankreich seit dem Frieden von Lyon 1601 den Camino Espahol praktisch allei- ne kontrollierte.16 Das machte es für Spanien not- wendig, andere Wege weiter im Osten in die Nieder- lande zu suchen. Tirol war eine Option, jedoch ver- ursachten dort die Habsburger bei den Durchzügen Schwierigkeiten. So bot sich der Weg von Mailand über den St. Gotthard-Pass durch die katholischen Orte der Schweizer Eidgenossenschaft bis St. Gallen am Bodensee, der Camino de Suizos, sowie der Weg über Graubünden und den Splügenpass in das Rheintal, als Ausweg an. In Verträgen mit dem König von Spanien wurden die Bedingungen für die Trup- pendurchzüge geregelt.17 Diese gut bezahlten Durchzugsrechte bildeten für die betroffenen Ort- schaften in der Schweizer Eidgenossenschaft, in Graubünden und im Rheintal in den Tiroler Vorlan- den zusätzliche Einkommensmöglichkeiten, auf welche die Bevölkerung in den Alpentälern auf- grund der geringen wirtschaftlichen Erträge sehr angewiesen war. Wichtig war für diese vom Camino profitierenden Gebiete aber, dass die Bevölkerung katholisch blieb. Bald forderten die Eidgenossen je- doch mehr Geld in Form von Pensionen, und gleich-zeitig 
kam es zwischen den protestantischen und katholischen Kantonen in der Eidgenossenschaft zu Auseinandersetzungen wegen den Truppendurch- zügen. Die protestantische Bevölkerung in der Schweiz war nicht einverstanden, den Krieg gegen ihre Glaubensgenossen in den Spanischen Nieder- landen mit Truppendurchzügen zu unterstützen.18 Die Spanier erkannten, dass man sich auf die Route durch die katholischen Kantone der Schweiz alleine nicht verlassen konnte.19 Gleichzeitig blieb aber der Weg durch Savoyen problematisch, denn der Fler- zog Karl Emmanuel von Savoyen verbot immer wie- der aus verschiedenen Gründen die spanischen Truppendurchzüge. 1610 unterzeichnete der Her- zog von Savoyen den Vertrag von Brüssel, womit er sich mit Frankreich gegen Spanien verbündete.20 Letztendlich war 1613 das Bündnis zwischen Spa- nien und der Schweiz praktisch aufgekündigt und der Weg durch das Veltlin eine bessere Option.21 Zu diesem Zeitpunkt gelang der katholisch ge- bliebenen Familie Hohenems ein kluger Schachzug, 13) Für die genaue Beschreibung der Dienste Jakob Hannibals 1. von Hohenems für König Philipp II. von Spanien vgl. Edelmayer, Söldner (wie Anm. 1), S. 177-186. 14) Dazu schrieb Kaspar von Hohenems 1639 in seinem Testament: «So dann verschaffe ich meinem jüngsten söhn Francisc Leopolden für seinen anthaill daß stam[m]lehen der graffschafft Gallara, wie solche mein villgeliebter und hochgeehrter herr vatter, lobsee[ligen] gedächtnuß, umb seiner ritterlichen kriegsdiensten und villfaltigen ... seines bluetts und derentwegen ausstehenten pensiones und kriegs- verdinsten von könig Philippo zue Hispanien a[nn]o 1578 an sich erworben, ...», Österreischisches Staatsarchiv (OeStA), Haus-, Hof- und Staatsarchiv (HHStA) Wien, Reichshofrat (RHR), Judicialia Dene- gata Recentiora [Jud. Den. Ree.]. Karton [Kart.] 261, Fasz. 10, fol. 79r. 15) Bolzern, Rudolf: Spanien, Mailand und die katholische Eidgenos- senschaft. Luzern, 1982, S. 76. 16) Ebenda, S. 75-78. 17) Ebenda, S. 80-85. 18) Ebenda, S. 321-338. 19) Ebenda, S. 307 f. 20) Parker (wie Anm. 2). S. 63. 21) Ernst, Hildegard: Madrid-Wien: 1632-1637. Politik und Finanzen in den Beziehungen zwischen Philipp IV. und Ferdinand II. Münster, 1991, S. 138 f. 189
        

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