DER EINFLUSS SPANIENS AUF DIE HERRSCHAFTEN VADUZ UND SCHELLENBERG / KATHARINA ARNEGGER EINLEITUNG Die spanischen Monarchen unterhielten im Zen- trum von Europa, also im Heiligen Römischen Reich, im 16. und 17. Jahrhundert ein weit ver- zweigtes System klientelarer Netzwerke. Dies hatte mehrere Gründe: Als Herzöge von Mailand und von Burgund waren sie selbst Lehnsträger des Reiches. Aus diesem Grund hatten sie ein Interesse daran, mit anderen Reichsfürsten, aber auch mit minder- mächtigen Reichsständen, gute Kontakte zu pflegen. Das Heilige Römische Reich war ausserdem ein wichtiges Reservoir für spanische Truppenwerbun- gen. Diese Punkte hat Friedrich Edelmayer in sei- nem Buch «Söldner und Pensionäre»1 für die Regie- rungszeit Philipps II. genau ausgeführt. Ausserdem war das Reich auch von wichtiger strategischer Be- deutung für die spanische Monarchie, verlief doch im Westen desselben der so genannte Camino Espa- nol, der Verbindungsweg zwischen Mailand und den Spanischen Niederlanden. Geoffrey Parker hat in seinem Buch «The Army of Flanders and the Spa- nish Road»2 klar und deutlich die Strategien der spanischen Monarchen erläutert, mit denen garan- tiert werden sollte, dass die Verbindung zwischen Mailand beziehungsweise dem Mittelmeer und den Niederlanden aufrecht erhalten werden konnte. Der Camino Espahol bestand eigentlich aus meh- reren, oft parallel verlaufenden Verbindungsstras- sen zwischen dem Mittelmeer und der Nordsee und hatte den Vorteil, viel billiger als ein Truppentrans- port auf dem Seeweg zusein.3 Die wichtigste Verbin- dung, der eigentliche Camino Espanol, führte durch Savoyen, einem mit Spanien zeitweise befreundeten Herzogtum, weiter über die Freigrafschaft Burgund und Lothringen nach Luxemburg, wo sie wieder «spanisches» Gebiet erreichte. Dieser Weg hatte den Nachteil, an der Grenze zu Frankreich zu verlaufen und war während der Kriege mit Frankreich immer gefährdet. Daher boten zwei weitere Wege weiter im Osten grössere Vorteile, nämlich jener von Mailand über den St. Gotthard-Pass durch die katholischen Orte der Schweizer Eidgenossenschaft nach St. Gal- len am Bodensee, der sogenannte Camino de Suizos, und der Weg durch das Veltlin, entweder weiter 
nach Tirol oder durch Graubünden in das obere Rheintal. Der Weg durch Graubünden führte danach über weite Strecken durch die Vorderösterreichi- schen Territorien, Schwaben und den Breisgau, also durch das Gebiet der habsburgischen Verwandten der spanischen Habsburger. Doch dazwischen lagen immer wieder Territorien anderer Familien und Reichslehensträger, die durch den Weg ebenfalls massiv beeinflusst wurden. Über eine dieser Famili- en, nämlich über die Grafen von Hohenems, und ihre Territorien Vaduz und Schellenberg wird im Folgenden berichtet. Am Beispiel von Vaduz und Schellenberg soll der Einfluss Spaniens auf minder- mächtige Reichsterritorien und die sich daraus er- gebenden Konsequenzen für deren Landesgeschich- te erklärt werden. Die Hohenems hatten ihre Territorien im oberen Rheintal, genau gesagt auf der rechten Seite des Rheins. Es waren dies die Herrschaften Ems, Luste- nau, Bregenz, Dornbirn, Feldkirch, Neuburg, Blu- denz, Mittelberg-Tannberg, Sonnenberg, Schellen- berg und Vaduz, die heute einerseits zu Österreich gehören, andererseits aber seit dem 18. Jahrhun- dert mit Vaduz und Schellenberg das Fürstentum Liechtenstein bilden.4 Auf diese Weise kontrollierten die Hohenems in der Grafschaft Tirol auf der rech- ten Seite des Rheins an der Grenze zur Eidgenos- senschaft die Gegend von Vaduz bis zum Bodensee. Die strategische Bedeutung der hohenemsischen Territorien für die spanische Monarchie lag klar auf der Hand. Wenn spanische Truppen aus Mailand in 1) Edelmayer, Friedrich: Söldner und Pensionäre. Das Netzwerk Philipps IL im Heiligen Römischen Reich. Reichsangehörige als spanische Obristen. München, 2002. 2) Parker, Geoffrey: The Army of Flanders and the Spanish Road 1567-1659. Cambridge, 2004. 3) Ebenda, S. 72: Die Errichtung einer Brücke kostete etwa 70 Florin, die Miete für ein Schiff von Spanien in die Niederlande etwa 275 Florin. 4) Anm.: Die Fürsten von Liechtenstein sind jedoch nicht Gegenstand dieser Untersuchung, denn sie hatten im Untersuchungszeitraum wenig mit der spanischen Monarchie zu tun, weil sich ihre Besitzun- gen weitgehend in den Ländern der Krone von Böhmen, daneben im Erzherzogtum unter der Enns und im Herzogtum Steiermark, also im Osten des Reichs befanden. 185
        

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