DAS KRIEGSENDE 1918 IN LIECHTENSTEIN UND SEINE AUSWIRKUNGEN / RUPERT QUADERER Liechtenstein und der Erste Weltkrieg Der Erste Weltkrieg war ein kriegerischer Konflikt (1914-1918) zwischen den Mittelmächten (Deutsch- land, Österreich-Ungarn, Türkei, Bulgarien) einer- seits und den Ententestaaten (Grossbritannien, Frankreich, Russland, ab 1917 USA) und ihren Alli- ierten andererseits. Diese «Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts» führte in vier Kaiserreichen zur Auf- lösung der Monarchie, nämlich in Deutschland, Russland, im Osmanischen Reich und in Österreich- Ungarn. Es entstanden eine Reihe von Nachfolge- staaten und Mandatsgebieten auf dem Territorium der alten Grossreiche Russland, Österreich-Ungarn und des Osmanischen Reiches: Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Österreich, Tschechoslo- wakei, Ungarn, Jugoslawien sowie Staaten im Vor- deren Orient. Obwohl Liechtenstein nicht am Krieg beteiligt war, bekam es dennoch indirekt stark dessen Aus- wirkungen zu spüren. Ein Hauptgrund dafür war, dass Liechtenstein durch den Zoll- und Steuerverein (1852) wirtschaftlich, aber auch verwaltungsrecht- lich und gesetzgeberisch sehr eng mit Österreich- Ungarn verbunden war. Dies kam bei Kriegsaus- bruch in der Stimmung der Bevölkerung zum Aus- druck, welche sich eindeutig auf die Seite der Mittel- mächte schlug. Auch die staatlichen und die kirch- lichen Organe brachten ihre Anteilnahme für Österreich-Ungarn zum Ausdruck, das nach ihrer Meinung einen ihm aufgezwungenen Verteidigungs- krieg führte. Beide Landeszeitungen nahmen in zum Teil überschwänglichen Sympathieäusserun- gen eindeutig Stellung für die Mittelmächte, vor al- lem für Österreich-Ungarn. Das Fürstenhaus nahm ebenfalls eine eindeutig österreichfreundliche Hal- tung ein. Die Kriegseuphorie wurde jedoch bald nach Kriegsausbruch gedämpft durch die Konsequenzen, die sich in dem länger als erwartet hinziehenden Krieg abzeichneten. Als erste Vorboten kommender Probleme zeigten sich Teuerung und eine gewisse Einschränkung in der Lebensmittel- und Rohstoffversorgung. Ab Herbst 1914 bereiteten die Beschaffung von Mehl in ausreichender Menge und entsprechender Qualität erste Schwierigkeiten. Da die Lebensmittellieferun-Karl 
I. (1887-1922) über- nahm 1916 den Thron von Österreich-Ungarn nach dem Tod von Kaiser Franz Joseph I. Er übernahm die Regentschaft mitten im Krieg und konnte das Ende der österreichisch-ungari- schen Monarchie 1918 nicht mehr verhindern. 13
        

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