DIE URBARE DER GRAFSCHAFT VADUZ DORIS KLEE der Urbarherstellung lässt sich aufgrund der aus- führlicheren Zitierweise im sulzisch-hohenemsi- schen Urbar ebenfalls belegen. DAS URBAR ALS RECHTSMITTEL Der Gebrauch der Urbare als Rechtsmittel bei Hand- änderung lässt sich im brandisischen Urbar anhand der Nachträge und Randnotizen erkennen. Im Grundtext des brandisischen Urbars notierte der Schreiber: «Claus Mayer hat zu lehen die hofstat, da er uff siezt, stost zu dryen syten an der herrschaft güter, zu der Vierden syten an die Haingassen.»115 In einem Aktualisierungsvorgang strich derselbe Schreiber den Eintrag, da die Hofstatt von Claus Mayer zwischenzeitlich geteilt und als Lehen an Hans von Schiers und an Jacob Blengki übergeben worden war. Folgerichtig ergänzte er deshalb mit- tels einem Nachtrag die Lehensgüter von Hans von Schiers um diese halbe Hofstatt mit den Worten: «Mer hat er halbi hofstat da Clas Mayer uff gesessen ist an sich genommen, stost die gancz hofstatt zuo dryen syten an der herrschaft gueter, zue der Vier- den syten an die Haingassen.»116 Einen analogen Nachtrag führte der Schreiber danach auch bei den Lehensgüter von Jacob Blengki aus: «Mer hat er hal- bi hofstat da Clas Mayer uff gesessen ist an sich ge- nommen, stost die gancz hofstat zu dryen syten an der herrschaft güter zu der dritten syten an die Haingassen und hat Hans Schierser das ander halb- tail inn».117 Beim Abschreiben der Anstösser unter- lief dem Schreiber ein Fehler, indem er bei der Loka- lisierung anstelle der vierten Seite wiederum die dritte Seite angab. Es war jedoch nicht dieser Fehler, sondern ein viel wesentlicherer, der von Landvogt Juvenalis Kre- der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts be- merkt wurde:118 Kreder notierte als Randnotiz ne- ben dem Nachtrag beim Lehenskomplex des Hans von Schiers: «Disse halbe und nachgeschribne hal- be hofstat bei Jakob Burckins lehen stund doppel aingeschriben dann die gancz hofstat steet bey Hans Mullers des murers lehen wie hienach zefinden und yeez Elsa Spachartin inhat.» Und wirklich, bereits 
beim Lehenskomplex von Hans Müller war seiner- zeit diese Hofstatt aufgeführt worden.119 Kreder er- gänzte nun am Rand: «Dise hofstat hat yeez Elsa Spachartin.» Im sulzisch-hohenemsischen Urbar wurde die Hofstatt denn auch weiterhin im ehemaligen Le- henskomplex von Hans Müller respektive Elsa Spachartin aufgeführt.120 Der gesamte Lehenskom- plex war zwischenzeitlich von 16 auf 13 Güter redu- ziert worden. Der Verbleib der Güter war noch im brandisischen Urbar durch eine Randnotiz von Kre- der erklärt worden: «Nota dis ackerli sampt ainem vor und ainem nachgeschribenen ackherli hat mein gnediger her grave Alwigen mir, Juvenali Kreder, vogt, zu khauffen geben laut meines inhabenden khauffbriefs.»121 107) Zum Konflikt vgl. Henggeier, Weingarten und Einsiedeln (wie Anm. 91), S. 159-167. 108) VLA, Hs. u. Cod. RH Blumenegg 158 (Urbar 1621). 109) Allerdings ist zum Zeitpunkt der Urbarherstellung auch immer noch der Konflikt mit dem Kloster Einsiedeln als Besitzerin der Herrschaft St. Gerold hängig, vgl. Henggeier, Weingarten und Einsie- deln (wie Anm. 91). Es wäre demnach sehr wohl möglich, dass die unklaren Rechtsverhältnisse in der Herrschaft Blumenegg der eigentlich Grund für die Erstellung eines neuen Urbars waren. 110) VLA, Hs. u. Cod. RH Blumenegg 158 (Urbar 1621). 111) Ebenda. - Zum Konflikt vgl. Henggeier, Weingarten und Einsie- deln (wie Anm. 91), S. 159-167. 112) VIA Hs. u. Cod. RH Blumenegg, 158 (Urbar 1621). 113) LUB 1/4, S. 560. 114) Vgl. Peter Kaiser: Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein. Chur, 1847. Neu hrsg. von Arthur Brunhart. Zwei Bände. Vaduz, 1989. Hier Band 1, S. 456/499. 115) LUB 1/4, S. 45/297. 116) Ebenda, S. 46/299. 117) Ebenda, S. 58/311. 118) Juvenalis Kreder war Landvogt von Vaduz (zirka 1552-1573). Sofern er seine Notizen selber geschrieben hat, was aufgrund der Formulierung «... mir, Juvenalils] Kreder ...» wahrscheinlich ist, kann ihm diese Hand zugesprochen werden. LUB 1/4, S. 46/298. 51/303 und 58/311. 119) LUB 1/4, S. 51/304. 120) Ebenda, S. 52/381. 121) Ebenda, S. 51/303. 151
        

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