DIE URBARE DER GRAFSCHAFT VADUZ DORIS KLEE DIE FRAGMENTE Das erste Fragment, dessen Text im brandisischen Urbar enthalten ist, wird von Malin im Rahmen sei- ner Editionsarbeit nicht datiert. Die beiden anderen Fragmente datiert er um 1520 und vermutet, «dass die beiden Fassungen etwas jünger sind als das Ur- bar selbst: sie stellen wohl ein Exzerpt aus dem brandisischen Urbar von Pflichten der Untertanen in der Grafschaft Vaduz dar».81 Wie anhand der obigen Textanalyse nachgewie- sen wurde, ist das zweite Fragment als Bestandteil des brandisischen Urbars zu betrachten und muss somit gleichzeitig mit diesem entstanden sein. Das erste Fragment diente als Entwurf, das dritte Frag- ment als Vorlage für das zweite, womit beide Frag- mente etwas älter als das brandisische Urbar sind. DAS SULZISCH-HOHENEMSISCHE URBAR Für die Datierung der einzelnen Abschriften helfen die jeweiligen zeitgenössischen Notizen. Bei der Ab- schrift A verweist die Einleitung zum beigebunde- nen Landsbrauch auf das Jahr 1682. Die Beglaubi- gung der Abschrift B wurde am 15. März 1701 vor- genommen, möglicherweise entstand die Abschrift in diesem Zusammenhang. Die Abschrift C datiert Malin aufgrund des Schriftcharakters auf das erste Drittel des 18. Jahrhunderts.82 Das Originalurbar ist gemäss Büchel «zur Zeit der Hohenemser und zwar im Jahre 1613 verfaßt worden; denn Kaiser Mathias, der von 1612 bis 1619 regierte, wird darin jetziger Kaiser genannt. Graf Kaspar v. Hohenems erscheint als Besitzer der Grafschaft Vaduz. Das wurde er a[nno] 1613. Jtal Paulin wird  genannt. Das war er von 1610-1613».83 Den Datierungsvorschlag von Büchel verwirft Malin, da Ital Paulin von 1610 bis 1620 Ammann von Vaduz war. Malin schlägt für die Abfassung des Originalurbars mit Vorsicht den Zeitraum 17. Juni 1617 bis 20. März 1619 vor.84 Diesbezügliche Hin- weise ergeben sich insbesondere durch die Na- mensnennungen aus der politischen Führungs-schicht. 
Nebst Ital Paulin wird auch Thomas Walser als Ammann bezeichnet. Wie Malin darlegt, war er dies in den Jahren 1584,1597 und 1610, ein Nach- komme gleichen Namens zudem 1640. Walser wird im Urbar zudem als verstorben bezeichnet, und sei- ne Erben sind als Lehensinhaber erwähnt. Im Wei- teren verweist Malin auf eine Randbemerkung, die ein Ammann Jacob Schreiber nennt. Ein Ammann dieses Namens sei jedoch nicht für die Grafschaft Vaduz, sondern für die Herrschaft Schellenberg in den Jahren 1661 und 1688 nachgewiesen. Der «ter- minus post quem» entspricht dem Datum der Verlei- hung des Bads Vogelsang in Triesen, welches Malin als jüngstes erwähntes Datum des Urbars betrach- tet. Als «terminus ante quem» wird das Todesdatum 68) Ebenda, S. 12/262. 69) Ebenda, S. 10/259, 28/278 und 35/285. 70) 1504, LLA Vaduz, Schä U 13, http://www.lub.li/(18. Dezember 2008). 71) 5. November 1510. LLA Vaduz, Schä U 27, http://www.lub.li/d8. Dezember 2008). 72) LUB 1/4, S. 87/418. Dabei handelt es sich um den Schwaben- respektive Schweizerkrieg von 1499. 73) Ebenda, S. 74/404. 741 19. Juli 1493, GemeindcA Schaan, U 04, http://www.lub.li/ (18. Dezember 2008). 75) 5. Mai 1497, GemeindeA Triesen, U 16, http://www.lub.li/ (18. Dezember 2008). 76) 12. März 1503, GemeindeA Schaan, U 141a, http://www.lub.li/ (18. Dezember 2008). 77) Vgl. Fabian Frommelt: «... darauf hab ich ylentz ain Gemaindtjn der herschafft Schellennberg zusamenn heruefft ...». Zu den Ge- richtsgemeinden Vaduz und Schellenberg 1350-1 550. Unveröffent- lichte Lizentiatsarbeit. Zürich. 2000. Anm. 34. 78) LUB 1/4, S. 59/312. 79) Wäre 1515 und 1517 gemeint, wäre bei beiden Zahlen die Bezeichnung «ten» zu erwarten. 80) LLA Vaduz, Schä U 34. 811 LUB 1/4, S. 324. 82) Ebenda, S. 441. 83) Büchel, Urbarien (wie Anm. 1 5). S. 21 f. 84) LUB I/4, S. 441 f. 145
        

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