DIE URBARE DER GRAFSCHAFT VADUZ DORIS KLEE Bestandesaufnahme Das bisher bekannte herrschaftliche Schriftgut der Grafschaft Vaduz umfasst zwei grössere Urbarkom- plexe: das brandisische Urbar aus dem 16. Jahrhun- dert und das sulzisch-hohenemsische Urbar aus dem 17. Jahrhundert. In das Umfeld des brandi- sischen Urbars gehören zudem drei ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert stammende Fragmente, deren erstes die Winzerstatuten enthält, von denen sich eine beinahe identische Fassung im brandisischen Urbar befindet.17 Die zwei anderen Fragmenten ent- halten beide die Frondienste, welche in der Herr- schaft Vaduz zu leisten waren. Diese Frondienste finden im brandisischen Urbar keine Entsprechung. DAS BRANDISISCHE URBAR Das brandisische Urbar umfasst 17 Papierbögen, die in drei unterschiedlich grosse Lagen aufgeteilt sind und alle das gleiche Wasserzeichen aufwei- sen.18 Von den insgesamt 33 erhaltenen Blätter - ein Blatt fehlt - sind 61 Seiten beschrieben. Nachträge wurden von gleicher Hand ausgeführt, Randnotizen teilweise von anderer LIand. Eine zeitgenössische Paginierung fehlt, erst später erfolgte sie mit ande- rer Schrift jeweils am Seitenanfang in arabischen Ziffern. Die Überschrift «Brandisisches Urbar» wur- de zusammen mit der Jahreszahl 1507 zu einem späteren Zeitpunkt auf die zuvor leere erste Seite notiert. Zudem befinden sich auf dieser Seite ver- schiedene Signaturen, welche im Zusammenhang mit der einstigen Registrierung des Schriftstücks stehen.19 Das Urbar wurde 1996 restauriert und mit einem Umschlag versehen.20 11) Sablonier, Verschriftlichung (wie Anm. 4); - Ludolf Kuchenbuch: Ordnungsverhalten im grundherrlichen Schriftgut vom 9. zum 12. Jahrhundert. In: Johannes Fried (Hrsg.): Dialektik und Rhetorik im frühen und hohen Mittelalter. Rezeption. Überlieferung und gesell- schaftliche Wirkung antiker Gelehrsamkeit vornehmlich im 9. und 12. Jahrhundert (Schriften des Historischen Kollegs, Kolloquien 21). München, 1997, S. 175-268; - Derselbe: Die Achtung vor dem alten Buch und die Furcht vor dem neuen. Cesarius von Milendonk erstellt 1222 eine Abschrift des Prümer Urbars von 893. In: Historische Anthropologie 3 (1995), S. 175-202; - Derselbe: Teilen, Aufzählen, Summieren. Zum Verfahren in ausgewählten Güter- und Einkünfte-verzeichnissen 
des 9. Jahrhunderts. In: Ursula Schaefer (Hrsg.): Schriftlichkeit im frühen Mittelalter (ScriptOralia 53). Tübingen, 1993, S. 181-206. 12) Zur Herrschaftsgeschichte vgl. Dieter Stievermann: Geschichte der Herrschaften Vaduz und Schellenberg zwischen Mittelalter und Neuzeit. In: Volker Press / Dietmar Willoweit (Hrsg.): Liechtenstein - Fürstliches Haus und staatliche Ordnung. Vaduz, 1987, S. 87-128. - Allgemein zu den Freiherren von Brandis vgl. Placid Bütler: Die Freiherren von Brandis. In: Jahrbuch für Schweizerische Geschichte 36 (1911), S. 1-1 50. sowie Dorothea A. Christ: Zwischen Kooperation und Konkurrenz. Die Grafen von Thierstein, ihre Standesgenossen und die Eidgenossenschaft im Spätmittelalter. Zürich, 1998. Christ geht in ihrer Untersuchungen über das Verhältnis der Grafen von Thierstein mit der Eidgenossenschaft verschiedentlich auch auf die Freiherren von Brandis ein. vgl. zum Beispiel S. 459. 13) Zu den Grafen von Sulz vgl. Volker Schäfer: Hochadel aus Sulz am Neckar. Zur Geschichte der Grafen von Sulz. In: Sulz, alte Stadt am jungen Neckar (Festschrift zur 700-Jahrfeier der Stadtrechtsver- leihung). Sulz, 1984, S. 53-92: - Derselbe: Die Grafen von Sulz. Tü- bingen. 1969. Zu den Grafen von Hohenems vgl. Tilman M. Schrö- der: Die Grafen von Hohenems im 16. und 17. Jahrhundert. In: Vol- ker Press / Dietmar Willoweit (Hrsg.): Liechtenstein - Fürstliches Haus und staatliche Ordnung. Vaduz, 1987. S. 163-187. 14) Vgl. Gregor Richter: Lagerbücher- oder Urbarlehre. Hilfswissen- schaftliche Grundzüge nach württembergischen Quellen (Veröffentli- chungen der staatlichen Archiwerwaltung Baden-Württemberg 36). Stuttgart, 1979; - Derselbe: Bedeutung und Publikationsmöglichkei- ten von Urbaren des 16. bis 18. Jahrhunderts. Überlegungen nach Stuttgarter Quellen. In: Zeitschrift für württembergische Landesge- schichte 31 (1972), S. 232-248. 15) Johann Baptist Büchel: Zwei Urbarien der Alten Grafschaft Vaduz. In: JBL 6 (1906), S. 19-67. 16) Liechtensteinisches Urkundenbuch (LUB), I. Teil: Von den Anfän- gen bis zum Tod Bischof Hartmanns von Werdenberg-Sargans-Vaduz. 1416, Band 4: Aus den Archiven des Fürstentums Liechtenstein, bearbeitet von Georg Malin. Vaduz. 1963-1965; hier S. 247-442. (Im Folgenden zitiert als: LUB 1/4) 17) Zur Zitierweise: Bei der Angabe der Seitenzahl wird die Seite des entsprechenden Urbars zuerst angegeben. Danach folgt durch einen Schrägstrich abgegrenzt die jeweilige Seitennummer in der Edition im LUB 1/4. Hier beispielsweise LUB 1/4, S. 11/341. 18) Vgl. Liechtensteinisches Landesarchiv (LLA) Vaduz, Schä U 20. 19) Von anderer Hand notiert wurden: «A:120», «C 1500», «20» und die heutige Signatur «Schä U 20». 20) Anlässlich der Restaurierung wurden alle Seiten gereinigt und regeneriert, Risse und Ecken mit Japanpapier angesetzt und die Seiten mit Cellulose eingestrichen. Die Seiten wurden gepresst und nach alter Methode in Pergament gebunden, vgl. LLA Vaduz. Restau- rationsbericht für Schä U 20 vom 28. Juni 1996. 135
        

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