SAMMLUNG DER FRAUEN UND DER SPRACHLICHEN MINDERHEITEN SAMMLUNG DER FRAUEN Im Minimalprogramm der Schweizer Sozialdemo- kraten, das heisst des «Oltener Komitees», figurierte schon 1918 als Punkt 2 die Forderung nach dem ak- tiven und passiven Frauenwahlrecht. Die Verwirkli- chung dieses Anliegens liess indessen lange auf sich warten (1971). Zusammenschlüsse von Frauen zur Erfüllung gemeinsamer Aufgaben erfolgten mehr- fach seit dem 19. Jahrhundert, so entstanden 1886 Ortssektionen des Schweizerischen Vereins Freun- dinnen junger Mädchen, 1887 des Gemeinnützigen Frauenvereins (Führung von Kinderkrippen), 1902 des Schweizerischen Evangelischen Frauenverban- des, des Schweizerischen Katholischen Mädchen- schutzvereins und des Schweizerischen Bundes abstinenter Frauen. Alle diese Vereine organisierten mannigfache Weiterbildungskurse und übten Wohl- tätigkeit, insbesondere auch in den Jahren des Ers- ten Weltkrieges. Auf Anregung der jungen Kinder- gärtnerin Elsa Buol (1892-1920) aus Davos wurde 1919 
die «Vereinigung junger Bündnerinnen» ge- gründet. Ihr Ziel war es, «Förderung und geistige Anregung zu bieten» und das Verantwortungsgefühl der jungen Frauen für das «Volkswohl zu beleben». Diese 1950 in «Kantonale Bündnerinnen-Vereini- gung» umgetaufte Organisation besteht heute noch. Während des Krieges wurde auch der Grundstein für eine angepasste Krankenpflege der Frauen ge- legt. Im März 1916 anerbot sich Anna von Planta (1858-1934), ihre Villa Fontana im oberen Lürlibad in Chur dem Kanton zu schenken, um 
darin ein kan- tonales Frauenspital einzurichten. Anna von Planta war eine Tochter von Jacques und Maria von Planta- Steinsberg, die in Ägypten mit dem Baumwollge- schäft zu Reichtum gelangt waren. Ihr Geschenk verband Anna von Planta lediglich mit der Bedin- gung, dass die Villa so rasch als möglich um- und ausgebaut werde. Denn ihrer Meinung nach leide häufig in Graubünden die geistige und körperliche Gesundheit von Frauen und Kindern unter Fehlern, 
Irrtümern und Mängeln, die mit der Geburt und mit der Pflege in den ersten Tagen und Monaten zusam- menhingen. Nach dem Willen der Donatorin ge- schah es, und der Betrieb am kantonalen Frauen- spital konnte schon Ende 1917 aufgenommen wer- den. - Das Frauenspital steht heute noch am glei- chen Ort, erfuhr im Laufe der Zeiten allerdings man- che Erweiterungen und Modernisierungen und gilt heute als kompetente Gebärklinik. Das Frauenspital ersetzte aber für abgelegene Regionen das Dasein von Hebammen nicht. Nun war es auf dem Gebiet 
der Hebammenausbildung und-entlöhnung nicht zum besten bestellt. Zwar da- tierte die erste kantonale Hebammenausbildung schon aus dem Jahre 1807, und es wurden in der Folge Gesetze und Verordnungen dazu stets wieder angepasst. Da die Hebammenentlöhnung aber Sa- che der Gemeinden war, gab es hier sehr unter- schiedliche Verhältnisse. In diversen Regionen hat- ten sich Gemeinden zur gemeinsamen Anstellung von Hebammen zusammengeschlossen, in man- chen Gemeinden aber herrschte um 1900 Hebam- mennot. In den Kriegsjahren waren die meisten Hebammen unterbezahlt und konnten ihren Beruf nur mit Mühe ausüben. Die kantonale Sanitäts- kommission unterbreitete 1906 konkrete Vorschlä- ge zur Hebung des Krankenwesens, darunter auch zur materiellen Besserstellung der Hebammen. In Poschiavo traten die fünf Hebammen des Tales 1919 in einen Streik, nachdem sie mit einer Petition an den Gemeinderat für angemessene Honorierung kein Gehör gefunden hatten. Hierauf lenkte die Be- hörde ein und gewährte ihnen eine Wartgelder- höhung und einen besseren Tarif für einfache Ge- burten. Das Beispiel zeigt, dass sich die Frauen an den «Kampfmitteln» der Zeit zu orientieren wussten und durch beharrliche Zielstrebigkeit auch ans Ziel gelangten.12 ZUSAMMENSCHLUSS VON MINDERHEITEN Während des Ersten Weltkrieges bekam die Bünd- ner Bevölkerung die Wirkung einer Randregion mit einer relativ langen Landesgrenze auch auf kul- 122
        

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