sehen Kaisers Wilhelm II.60 Wieso ein schweizeri- sches Blatt wie der «Sarganserländer» solche Ein- sendungen abdruckte, kann wahrscheinlich nur mit dem Hinweis erklärt werden, dass der Einsender stark christlich und pro-klerikal argumentierte. Auch der Hirtenbrief des Churer Bischofs, in dem dieser sich negativ zu den Ereignissen im Fürsten- tum äusserte, wurde vom «Sarganserländer» posi- tiv erwähnt. Offensichtlich versuchten der Autor «vom Rhein» oder Leute aus gleichgesinnten Kreisen auch beim  Einsendungen zu platzieren. Ganz empört reagierte der Redaktor des  am 27. November darauf: «Mit Entrüstung sei in aller Öffentlichkeit ein für allemal erklärt, dass das Blatt freisinnig-de- mokratischer Natur ist - und vor allem anderen - in einer Republik gedruckt wird. Nie und nimmer wer- den wir uns also dazu hergeben, reaktionäre Politik zu unterstützen». Das war sicher auch ein Seiten- hieb gegen den konservativen «Sarganserländer». Der -Redaktor griff im selben Artikel in gut freisinniger Manier auch die Rolle der katholischen Kirche in der ganzen Auseinandersetzung an: «Wenn die Geistlichkeit findet, den Bürgern wegen ihrer Vernunft die Hölle heiss machen zu müssen, so möge sie bedenken, dass auch über'm Rhein genug klare Köpfe zu finden sind». Es war klar, dass der  Ende Dezember auch gegen den erwähnten Hirtenbrief des Churer Bischofs Stellung nahm.61 Die freisinnige  analysierte am 20. Novem- ber: «Wohl in keinem souveränen Staat haben die Ausländer mehr zu sagen als die Inländer; das war aber in Liechtenstein der Fall. In Wirklichkeit hatte dieses kleine Ländchen nur einen Scheinkonstitu- tionalismus und der Landtag ein Scheindasein». Am 27. November erschien im  eine in spöttischem Ton gehaltene Einsendung eines Liech- tensteiners, der sich lustig machte über die Unter- schriftensammlung der Konservativen und die Mit- wirkung der Geistlichkeit des Landes dabei: «Lieber später die Hölle, als heute die Sklaverei», schrieb der Einsender und schilderte die Verjagung der Un- terschriftensammler aus seiner Werkstatt. Ein wei- terer polemischer Artikel zu den Vorgängen im Fürstentum war am 9. Dezember im  zu le-sen. 
Doktor Ritter sei von den Konservativen als Bol- schewist bezeichnet worden, was der  mit «gegen Dummheit kämpfen eben Götter selbst ver- gebens» kommentierte. Die letzte Polemik war eine indirekte. Der  druckte am 11. Dezember ei- nen Artikel aus der Thurgauer Zeitung ab: «Nach- dem es diese Advokatenregierung nicht gewagt hat, den Fürsten abzusetzen, liess sich erwarten, dass die ganze Bewegung im Sande verlaufen werde», formulierte der Thurgauer Kommentator. Nach diesem Datum wurde die Berichterstattung kürzer und neutraler. Am 30. Dezember stellte die  fest, «dass in Liechtenstein die Regierungsfra- ge in Minne gelöst worden ist». 60) Vgl. SL, 11. und 13. sowie 20. Dezember 1918. 61) Vgl.W&O, 30. Dezember 1918. 106
        

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