DIE REGIONEN SARGANSERLAND UND WERDEN- BERG IM HERBST 1918/CLAUDIO STUCKY DIE WAHRNEHMUNG DER EREIGNISSE IM FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN ENDE 1918 IM SPIEGEL DER PRESSE IN DEN BEIDEN ST. GALLISCHEN BEZIRKEN In der Berichterstattung der beiden Sarganserlän- der Zeitungen und des  fällt eine Besonder- heit auf, die zeittypisch gewesen zu sein scheint. Häufig schrieben die Redaktoren nicht direkt ihre Meinung zu den Geschehnissen, sondern sie über- nahmen Artikel aus Schweizer Zeitungen, die ihnen genehm waren (was vor allem der -Redaktor ausgiebig tat) oder sie liessen über Einsendungen bestimmte Positionen vertreten (was der Redaktor des «Sarganserländers» bevorzugte). DIE ANFÄNGE DER BERICHTERSTATTUNG Ein erster Bericht über die Vorgänge im Fürstentum erschien im  am 1. November 1918 und zwar in Form des Abdrucks eines Artikels von Georg Per- gant im «Tagblatt». Darin wurde berichtet, dass der Abgeordnete Beck die Errichtung einer parlamenta- rischen Regierung beantragt habe. «Dieser vollkom- men berechtigte und zweifellos zeitgemässe Antrag des Abgeordneten Dr. Beck wurde vom Regierungs- chef schroff zurückgewiesen ... Wie man sieht, hat der totgesagte Absolutismus eine neue, wenn auch bescheidene Heimstätte gefunden im Ländchen Liechtenstein, dem Geburtsland eines Peter Keiser [sie!]». Während der  in den Ereignissen einen Kampf gegen den Absolutismus sah, verbreiteten zunächst die beiden Sarganserländer Zeitungen of- fensichtliche Falschmeldungen; so die  am 4. November über Anschlussbestrebungen Liechten- steins an die Schweiz oder am 11. November über einen Beschluss des liechtensteinischen Landtages, den schweizerischen Bundesrat zu ersuchen, das Fürstentum militärisch zu besetzen. Der «Sarganserländer» meldete am 8. Novem- ber: «Die demokratische Bewegung im Fürstentum Liechtenstein führte zum Sturz der Regierung. Der Landesverweser Imhof hat das Land verlassen». Am 
11. November korrigierte die Zeitung diese Mel- dung: «Es handelt sich also weder um einen Um- sturz, noch um Einführung der republikanischen Staatsform, noch um Anschluss des Landes an Österreich oder die Schweiz». Der Landesverweser Imhof habe sein Amt freiwillig aufgegeben und sel- ber die provisorische Regierung vorgeschlagen. Der  meldete zur gleichen Zeit nüchtern die De- mission des Landesverwesers und die Wahl eines provisorischen Vollzugsausschusses aus drei Mit- gliedern. «Liechtenstein will sich selbst verwalten und unabhängig vom Ausland werden», lautete das Fazit.58 DIE BERICHTERSTATTUNG AB ENDE NOVEMBER 1918 Ab Ende November ist eine klare Parteinahme für die eine oder andere Seite in der liechtensteinischen politischen Auseinandersetzung festzustellen. Die beiden freisinnigen Zeitungen ( und ) standen auf Seiten der Reformwilligen, der katho- lisch-konservative «Sarganserländer» nahm immer stärker Partei für die Gegner einer Reform im Fürs- tentum. Dies geschah vor allem dadurch, dass der «Sar- ganserländer» unkommentiert Einsendungen eines anonym bleibenden Autors abdruckte, der mit «vom Rhein» unterzeichnete. Der Fürst «besass den Mut, der angehobenen Volksbewegung zur Anbahnung republikanischer Zustände pflichtgemäss und uner- schrocken entgegenzutreten», so die  einer Einsendung.59 Nicht nur die liechtensteinische, son- dern überhaupt die Monarchie wurde in solchen Beiträgen verteidigt, so auch diejenige des deut- 55) SVZ, 12. August 1918. 56) Vgl. SL, 6. und 9. Dezember 1918. 57) W&O, 29. November 1918. 58) W&O, 11. November 1918. 59) SL, 9. Dezember 1918. 105
        

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