Flavianus gemacht.12 Aus besagten Listen erfahren wir weiter, dass der Grossteü der Fürstlichen Anti- ken um die Jahrhundertwende Händlern und Pri- vatpersonen aus verschiedenen europäischen Städ- ten abgekauft wurde.13 Die guten Beziehungen, welche das Fürstenhaus offenbar mit dem Kunsthistorischen Nationalmu- seum der Stadt Wien pflegte, führten dazu, dass Dr. Julius Banko, damaliger Leiter der Antikensamm- lungen des Kunsthistorischen Nationalmuseums in Wien, anno 1920 eine ausführliche handschriftlich verfasste «Beschreibung der Antikensammlung (griechische und römische Thonvasen, Terracottafi- guren, Gläser, Bronzen, Steinsculpturen und ägypti- sche Alterthümer) Seiner Durchlaucht des regieren- den Fürsten Johann II. von und zu Liechtenstein» vornahm.14 Aus dieser Bestandesaufnahme geht her- vor, dass die Antikensammlung zu Beginn der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts das doch recht stattliche Ausmass von 355 Objekten erreichte, wobei die Ke- ramikvasen den Hauptteil des Antikenbestandes bil- deten.15 Fürst Johann II. von und zu Liechtenstein machte seine private Sammlung mit dem Zukauf von wert- vollen Kunstgegenständen aus allen Epochen und Gattungen «... zu einer der reichhaltigsten Privat- sammlungen der Welt, zu einer der großartigsten Kunstsammlungen überhaupt».16 Ganz im Sinne ei- nes Humanisten war er dabei stets darauf bedacht, zahlreiche Kunstmuseen und Galerien in der Öster- reichisch-Ungarischen Monarchie durch wertvolle Schenkungen zu bereichern.17 Neben seiner Tätigkeit als Kunstförderer und Mäzen galten die Interessen des Regenten auch der Verwaltung des Familienbe- sitzes, der Politik18 sowie der Wissenschaft.19 Aus dem von Karl Höss 1908 veröffentlichten Buch «Fürst Johann II. von Liechtenstein und die bil- dende Kunst» gehen die breiten Interessensgebiete des Monarchen hervor.20 Erwähnt werden unter anderem das Engagement und die finanzielle Grosszügigkeit Johanns II. ver- schiedenen wissenschaftlichen Forschungsgebieten gegenüber. So unterstützte dieser neben der medi- zinischen Forschung, der Botanik oder der Geogra- phie durch namhafte Beträge auch die archäolo-gische 
Erforschung Kleinasiens.21 Dank seinen Donationen konnten heute renommierte Archäolo- gen wie Benndorf, Kalinka, Heberdey oder Kubi- tschek verschiedene Forschungsreisen u. a. nach Ki- likien, Pamphylien, Lykien, Karien sowie Phrygien unternehmen.22 «Diese Reisen sollten die Antiqua- rische Kenntnis des Landes überhaupt auf geogra- phischer Grundlage erweitern, in erster Linie aber der Epigraphik zugute kommen.»23 Im Zuge dieser Forschungen entstand 1901 der erste Band eines schon Jahre zuvor geplanten «Sam- melwerks antiker Inschriften in Kleinasien»24 mit dem Titel «Tituli Asiae Minoris conlecti et editi au- spiciis Caesareae Academiae Literarum Vindobonen- sis. Volumen Tituli lyciae lingua Lycia conscripti en- erravit Ernestus Kalinka. Vindobonae MDCCCCI.»25 Auch verdanken wir Johann II. die Finanzierung für die Bergung und den Transport des Heroons von Gjölbaschi-Trysa, des Grabmals eines lykischen Prinzen aus dem 5. Jahrhundert vor Christus, für das Kunsthistorische Museum nach Wien.26 12) Die Statuetten wurden bereits 1903 von Franz Winter in seinem dreibändigen Werk «Die Typen der figürlichen Terrakotten» veröffent- licht (siehe dazu Einleitung mit Anm. 4). Die Skulpturen, die Reliefs und die Grabinschrift befinden sich heute nicht mehr im Besitz, der Fürstlichen Familie. Ein Grossteil dieser qualitativ wertvollen Objekte wurde im Juli und im Dezember 1982 im Auktionshaus Sotheby's in London zur Versteigerung angeboten: Sotheby's London, Sale ofthe 5th July 1982, S. 161-166, Nr. 398-405 und Sale ofthe 13th and 14th December 1982, S. 90-91, Nr. 273-274. Was mit den restlichen Gegen- ständen geschah, blieb selbst nach einer Nachfrage bei Sotheby's unklar. 13) Archivarisch erwähnt werden beispielsweise Bardini in Florenz, Ricchetti in Venedig, Simonetti sowie Sangiorgio in Rom, Jean Lam- bros in Athen, Lemep in Smyrna, Hoffinger in Bozen sowie Rollin & Fenardant in Paris etc. Weiter werden die Sammlungen Greau und Le- cuyier, von denen hauptsächlich Torrakottastatuetten und -köpfe er- standen wurden, aufgeführt. Informationen über Herkunft und Handel der Vasen sowie über Kontaktpersonen, welche am Erwerb dieser be- teiligt waren, fehlen hingegen fast vollständig. Die Akquisition von Va- sen wird bloss einmal erwähnt und dies nur nebenbei: «für ein Tana- gra-Figürchen () und drei griechische antike Vasen wurden ... 750 fl. am 6. V. 1899 angewiesen.». Diese Information stammt eben- falls aus den erhaltenen Ankaufslisten des Fürstlichen Archivs. Siehe infra, Anm. 11. 14) Dieses unveröffentlichte Verzeichnis enthält kurze Beschreibun- gen aller antiken Gegenstände, welche sich damals im Fürstlichen Be- sitze befanden. 92
        

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