Die erste Erwähnung von Antiken8 in den An- kaufslisten aller Kunstgegenstände geht zurück ins Jahr 1881.9 Dass sich aber antike Vasen, Terrakot- ten, Inschriften und Marmorskulpturen schon vor diesem Zeitpunkt im Besitze der Fürstlichen Fami- lie befanden, belegt die 1882 durch Otto Benndorf und Emanuel Löwy publizierte «Antikensammlung des Fürsten Liechtenstein», welche «das Wichtigste unter den übrigen Stücken enthält».10 Fest steht also, dass die Liechtensteinische Antikensammlung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, folglich in der Regierungsperiode des Fürsten Johann II. von und zu Liechtenstein (1858-1929), gegründet wurde.11 In den Ankaufs- und Inventarlisten werden de- taillierte Angaben fast ausschliesslich bezüglich des Erwerbs der Terrakottastatuetten sowie der haupt- sächlich römischen Marmorskulpturen, einzelner Reliefs und der Grabinschrift des Quintus Verantius Attische rotfigurige Oino- choe, um 470 vor Christus. Inv. Nr. 1439. Herkunft und Erwerbungsdatum unbe- kannt. Höhe 29,5 cm; Dm. Mündung 9,4 cm; Dm. Schulter 13,4 cm; Dm. Fuss 7,6 cm. 
Geringe Tonabsplitterun- gen. Auf der Gefässober- fläche Spannungsrisse. Der Henkel und ein Teil der Mündung fehlten schon beim Erwerb des Gefässes. Ein anderes Mündungs- fragment wurde wieder an- gefügt. Sonst ungebrochen. Fussunterseite versintert. Schwarzer bis brauner, stark abgeriebener Glanz- tonüberzug, an einigen Stellen dünner aufgetra- gen. Rötlich-oranger Ton. Relieflinien für Ornament und Bild. 
8) Die Ausgangslage für eine umfassende Untersuchung der Archäolo- gischen Sammlung des Fürsten von Liechtenstein ist denkbar ungüns- tig, da die Ankäufe derselben nicht systematisch archiviert wurden. Dazu auch Karl Höss, Fürst Johann IL von Liechtenstein und die bil- dende Kunst (1908), S. 35 f. 9) Durch den Transfer eines Grossteils der Fürstlichen Sammlungen und des Archivs ins Palais Rossau in Wien war mir bloss ein kleiner Teil des Archivmaterials über den Fürsten Johann II. zugänglich. Es ist demnach nicht auszuschliessen, dass eine mir unbekannte Quelle ein früheres Datum nennt. 10) Emanuel Löwy, Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn, Band 6,1882, S. 66. In diesem Artikel werden bloss sechzehn Stücke aus dem Fürstlichen Bestand vorgestellt. Dabei fehlen aber jegliche Angaben über die Erwerbungsumstände. In der von Otto Benndorf verfassten kurzen Einleitung zur Antikensammlung erfahren wir weiter, dass «... eine Amphora mitjederseits einem Epheben in palästrischer Action ihre Publication ... bereits gefunden» hat. Dazu R. Schneider, Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn, Band 5,1881, S. 139-140. 11) Zur Biografie Johanns 11. von und zu Liechtenstein siehe u. a. Franz Wilhelm, Fürst Johann II. von Liechtenstein, in: Neue österrei- chische Biographie 1815-1918. Bd. 7,1931, S. 180-190; Harald Wan- ger, Die regierenden Fürsten von Liechtenstein (1995), S. 145-157; Gustav Wilhelm. Die Fürsten von Liechtenstein und ihre Beziehungen zu Kunst und Wissenschaft (1976), S. 159-165; Paul Vogt, Brücken zur Vergangenheit: Ein Text- und Arbeitsbuch zur liechtensteinischen Ge- schichte, 17.-19. Jahrhundert (1990), S. 51; Schulamt des Fürsten- tums Liechtenstein (Hrsg.), Fürstund Volk: Eine liechtensteinische Staatskunde (1993), S. 114-116. 90
        

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