DIE ANTIKENSAMMLUNG DES FÜRSTEN VON LIECHTENSTEIN / LUDOVIC MAROCK Denkt man an die Privatsammlungen des Liechten- steinischen Fürstenhauses, so kommen einem pre- stigeträchtige Namen grosser Maler und Bronze- bildhauer wie Rubens, Van Dyck oder Rembrandt, Susini, Soldani-Benzi, Jacopo oder Mantegna in den Sinn. Alle diese Künstler hatten eines gemeinsam: Sie Hessen sich für ihre grossartigen Kunstwerke von der antiken griechischen und römischen Mythologie inspirieren. Die eindrucksvollen Kunstwerke besag- ter Meister haben, neben anderen erstklassigen Glanzstücken, in einem nicht unwesentlichen Teil zum weltweiten Renommee der Fürstlichen Samm- lungen beigetragen. Dass das Schloss Vaduz neben diesen grandiosen Kunstobjekten auch eine kleine archäologische Sammlung beherbergt, sollte jedoch nur den Wenigsten bekannt sein.1 Die Fürstliche Antikensammlung umfasst 35 grie- chische, sechs unteritalische, vier sizilische Vasen, sechsunddreissig Terrakottastatuetten und dreizehn Terrakottaköpfe aus Tanagra in Boiotien sowie aus Kleinasien,2 einen prächtigen Marmorkopf der so ge- nannten Sappho,3 ein melisches Relieffragment4 so- wie ein attisches Figurenrelief5 aus Ton, ein attisches Relieffragment aus Marmor, eine männliche Büste aus Terrakotta, den linken Fuss einer Terrakotta- statuette, ein Fragment eines römischen Mosaiks, eine römische Reliefschale und das Bodenfragment einer römischen Reliefschale.6 Diese private Sammlung wurde bis anhin nur in beschränktem Umfang durch Publikationen der Öf- fentlichkeit bekannt gemacht, und dies fast aus- schliesslich in den bloss benennenden Listen von John Davidson Beazley und Arthur Dale Trendall.7 Es freut mich daher besonders, mit dieser kurzen Zusammenfassung meiner Lizentiatsarbeit einen Beitrag zur Publikmachung der archäologischen Sammlung der Fürsten von Liechtenstein leisten zu können. 
1) Zur Sammlungstätigkeit und zur Sammlungsgeschichte des Fürs- tenhauses von Liechtenstein siehe Reinhold Baumstark, Meisterwer- ke der Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein (1980); Gustav Wil- helm. Die Fürsten von Liechtenstein und ihre Beziehungen zu Kunst und Wissenschaft (1976); Georg Malin, Die Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein. In: Delegiertenversammlung Vaduz-Zürich 1976; The Princely Collections, New York, Metropolitan Museum of Art/ Princc of Liechtenstein Foundation, 1985. 2) Ein Teil dieser Statuetten wurde im Katalog der Archäologischen Ausstellung (22. Mai bis 31. August 1893). Wien 1893, erwähnt (dazu S. 8 mit Anm. 14). Das Gros der Terrakottafiguren fand jedoch seine wissenschaftliche Publikation in Franz Winters Werk, Die Typen der fi- gürlichen Terrakotten II und III (1903) (die genauen Literaturangaben zu den jeweiligen Statuetten figurieren auf den Inventarlisten auf Schloss Vaduz). Sechs dieser Terrakottafiguren wurden 1882 von Emanucl Löwy publiziert; siehe Löwy. Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn, Band 6,1882, S. 66. Die Terra- kottaköpfe blieben meines Wissens unpubliziert. 3) E. Schmidt, in: Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts. Band 47,1932. S. 267 ff., Abb. 23-28 und 36; Gisela Marie Augusta Richter, The Portraits of theGreeks 1 (1965), S. 72 (d). 4) Katalog der Archäologischen Ausstellung (22. Mai-31. August 1893). Wien 1893. Nr. 1083; Daremberg-Saglio I, 2 (1887), S. 1598, Fig. 2148; Paul Jacobsthal, Die mclischon Reliefs (1931), S. 64. Nr. 84, Taf. 45; Karl Schefold. Die Göttersagen in der klassischen und hellenistischen Kunst (1981), S. 196, Abb. 266. Relief 1945 zerbrochen und unvoll- ständig erhalten. 5) Katalog der Archäologischen Ausstellung (22. Mai-31. August 1893). Wien 1893, Nr. 1144; Franz Winter. Die Typen der figürlichen Terrakotten 11(1903). S. 304, 9. 6) Letztere Objekte sind bisher unpubliziert geblieben. Zur Fürstlichen Antikensammlung gehören ferner drei nachchristliche Bronzestatu- etten: eine Statuette des Herakles (B 330 IS 0267]), der Ceres (B 353 [S 0241 ]) und einer Löwin (B 176 [S 261]). 7) Dazu gehören die attisch rotfigurige Kalpis. Kat. Nr. 33 (Beazley, Attic Red-figure Vase Painters, 27. und Beazley. Attic Red-figure Vase Painters, 2nd ed., 34, S. 17), die attisch rotfigurige Oinochoe, Kat. Nr. 34 (Beazley, Attic Red-figure Vase Painters, 2nd ed., 363, 25); dieses Stück wurde ferner im Katalog der Archäologischen Ausstellung (22. Mai- 31. August 1893), Wien 1893, Nr. 1023 erwähnt sowie der lukanische Glockenkrater, Kat. Nr. 39 (Trendall, The Red-figured Vases of Lucania, Campania and Sicily, 39, Nr. 168 (85)). Die zwei apulischen Ziegenkopf- rhyta (Kat. Nr. 37 und 38) fanden ihre Publikation bereits anno 1882: siehe Löwy, S. 66. Weiter ist nicht auszuschliessen, dass vereinzelt Stü- cke untersucht, sogar veröffentlicht wurden, aber im jeweiligen Archiv- inventar nicht nachzuweisen sind. 89
        

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