DER TOD GRAF HARTMANNS IV. KARL HEINZ BURMEISTER Freund das letzte Geleit nach Chur zu geben. Ebenso mochte es auch anderen Konzilsteilnehmern gehen. Unter diesen Umständen war eine pomphafte Pro- zession von Sonnenberg im Thurgau durch das Al- penrheintal nach Chur angesagt. Der Weg dorthin führte über die Grablegen der Familie in der St. Flo- rinskapelle zu Vaduz und in der Pfarrkirche von Sar- gans, wo man mit einer grossen Zahl von Geistlichen würdige Totenämter hätte abhalten können. Auf dem Weg hätten auch die Johanniterhäuser Tobel und Feldkirch den vielen Prozessionsteilnehmern Rast und Unterkunft bieten können. Der Leichnam Hartmanns wurde in der Churer Kathedrale in der bischöflichen Gruft beigesetzt. «Re- quiescit in Ecclesia Curiensi in sepulchro Episco- porum iuxta fontem»65 (er ruht in der Churer Kirche in der Grablege der Bischöfe bei dem Brunnen). Die- se bischöfliche Gruft, die von 1321 bis 1416 nach- weisbar ist, lag am Ostende des nördlichen Seiten- schiffes beim heutigen Herz-Jesu-Altar (ehemals St. Jakobs- oder Apostel-Altar).66 
ERGEBNIS Eine sichere Entscheidung zwischen den beiden möglichen TodesortenSonnenbergin Vorarlberg und Sonnenberg im Thurgau ist bei dem hier vorgetra- genen Wissensstand nicht möglich. Die Phalanx der Befürworter von Sonnenberg in Vorarlberg steht fest und wankt nicht. Über ihr hängt aber das Damokles- schwert, dass sowohl die Auffindung der von Mayer zitierten Quelle als auch jeder Hinweis darauf, dass Hartmann in der Zeit von Ende Januar bis Anfang September 1416 sich in Konstanz aufgehalten hat, diese Phalanx zu Fall bringen würde. Für Sonnen- berg im Thurgau hingegen spricht allein schon die Tatsache, dass dieses Schloss überhaupt ins Ge- spräch gebracht wurde. Hartmann war Johanniter, ein naher Verwandter (beider Mütter standen im Ver- hältnis von Tante und Nichte) war Komtur in Tobel in nächster räumlicher Nähe zu Sonnenberg im Thur- gau, die Besitzer des Schlosses hatten Beziehungen zum Bistum Chur und zum Sarganserland und schliesslich ist es sehr wahrscheinlich, dass der pomphafte Leichenzug nach Chur seinen Ausgang vom Konzil genommen hat. 57) Scheiwiler, Albert: Tobel. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 6. Neuenburg, 1931, S. 545. 58) Knoepfli (wie Anm. 23). S. 330. 59) Burmeister, Karl Heinz: Die Komture des Johanniterhauses zu Feldkirch. In: Montfort 21 (1969), S. 185-227. hier S. 201; Burmeis- ter. Karl Heinz: Das Johanniterhaus zu Feldkirch am Endo des Mit- telalters. In: Jahrbuch des Vorarlberger Landesmuseumsvereins 1970, S. 119-131, hierS. 120. 60) Burmeister (wie Anm. 59), S. 200. 61) Clavadetscher (wie Anm. 1 3). S. 487, Anm. 3. 62) Knoepfli (wie Anm. 23). S. 336 f. 63) Mayer, Jecklin (wie Anm. 19), S. 10; Mayer (wie Anm. 7), S. 26; Mayer (wie Anm. 8), S. 424. 64) Diebolder (wie Anm. 12). S. 126. 65) Mayer (wie Anm. 8), S. 424. 66) Poeschel, Erwin: Die Grabdenkmäler der Kathedrale zu Chur. In: Jahrbuch der Historischen Gesellschaft von Graubünden. Band 75 (1945), S. 1-80, hier S. 14 f.; Valenti (wie Anm. 15). S. 63. 83
        

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