DER TOD GRAF HARTMANNS IV. KARL HEINZ BURMEISTER Diebolder unbekannte Urkunde im Vorarlberger Landesarchiv nach, die Bischof Hartmann am 16. Ja- nuar 1416 «in Castro nostro Sunnenberg» (in unse- rer Burg Sonnenberg) besiegelt hatte.31 Nur wenige Monate trennten zu diesem Zeitpunkt den Bischof Hartmann von seinem Tod «in castro Sonnenberg» am 6. September 1416. Sollte man unter solchen Um- ständen überhaupt ein anderes Schloss als Sonnen- berg in Vorarlberg als Sterbeort für möglich halten? Einige ältere Autoren wie Weizenegger-Merkle, Va- notti, Kaiser, ja selbst noch Krüger, scheinen über- haupt keine Kenntnis von der Existenz eines Schlos- ses Sonnenberg im Thurgau gehabt zu haben, sodass sie nicht daran gedacht haben, das Schloss Sonnen- berg im Thurgau in Erwägung zu ziehen. Spätestens seit dem biographischen Essay über Bischof Hart- mann von Johann Georg Mayer von 1902 musste man aber zu dieser Frage Stellung beziehen. Wenn man nun eine Wahl treffen musste, so wäre es methodisch ein nahe liegender Weg gewesen, sich von der Literatur über das Schloss Sonnenberg im Thurgau her einer Entscheidung anzunähern. Doch auch von daher lässt sich das Problem nicht so ein- fach lösen. Selbst die neueste Darstellung der Ge- schichte des Schlosses Sonnenberg im Thurgau ent- hält keinen Hinweis auf dem Tod des Bischofs inner- halb seiner Mauern.32 Die Befürworter Sonnenbergs in Vorarlberg könnten das als ein weiteres Argument für ihre These ins Feld führen. Ein Weg, die Argumentation Bilgeris zu entkräf- ten, der einen ständigen Aufenthalt Hartmanns in Sonnenberg in Vorarlberg vom 16. Januar 1416 bis zu seinem Tod am 6. September 1416 annimmt, wäre Hartmanns Itinerar, das heisst eine Einbeziehung sämtlicher Ausstellungsorte der Urkunden Hart- manns in der Zeit von Januar bis September 1416. Das chronologische Urkundenverzeichnis zu den Bänden 1 bis 6 des Liechtensteinischen Urkunden- buches nennt für die Zeit vom Januar bis September 1416 aber nur eine einzige genau datierte Urkunde Hartmanns,33 und zwar die, die am 16. Januar 1416 auf Schloss Sonnenberg in Vorarlberg ausgestellt wurde,34 von der oben bereits die Rede war. Auch das von Perret erstellte Verzeichnis der Urkunden Hart- manns im Bischöflichen Archiv in Chur weist für das 
16) Eichhorn, P. Ambrosius: Episcopatus Curiensis in Raetia sub Metropoli Moguntina chronologice ac diplomatico illustratus. St. Blasien, 1 797, S. 122; Weizenegger, Franz Josef: Vorarlberg. Hrsg. von Meinrad Merkle. Innsbruck. 1839, Bd. 3, S. 177; Vanotti (wie Anm. 1), S. 301; Juvalt (wie Anm. 3), S. 89 f.; Krüger (wie Anm. 4). S. .316; Wartmann (wie Anm. 5). S. 754; Roller (wie Anm. 6). S. 204; Diebolder (wie Anm. 12), S. 126; Clavadetscher (wie Anm. 13), S. 487; Valenti (wie Anm. 15). S. 63. 17) Kaiser (wie Anm. 2), Band 1, S. 198, Neuausgabe S. 221; Grab- herr (wie Anm. 9), S. 38; Bütler (wie Anm. 10), S. 73; Ulmer (wie Anm. 11). S. 200 f.; Rapp, Ludwig; Ulmer, Andreas; Schöch. Johan- nes: Topographisch-historische Beschreibung des Generalvikariates Vorarlberg. Band 7. Dornbirn. 1965, S. 525; Band 8. Dornbirn. 1971, S. 18. 18) Kaiser (wie Anm. 2), Band 2, S. 256. 19) Juvalt (wie Anm. 3), S. 89 f.; Baumann. Franz Ludwig: Necrolo- gia Germaniae (MGH, Necrologia), Band 1. Berlin. 1888. S. 638; Liechtensteinisches Urkundenbuch, 1. Teil, Band 1-2, bearbeitet von Franz Perret. Vaduz, 1948 ff., Reprint: Nendeln, 1973, hier Band 1. S. 493-496. Vgl. auch Mayer, Johann Georg und Jecklin, Fritz: Der Katalog des Bischofs Elugi vom Jahre 1645. In: Jahresbericht der Historisch-antiquarischen Gesellschaft. Band 30 (1900). Chur, 1901, S. 10, Nr. 75. 20) Juvalt (wie Anm. 3), S. 129 f. 21) Plattner, Placidus (Hrsg.): Ulrici Campelli Historia Raetica, Band 1 (Quellen zur Schweizer Geschichte, 8). Basel, 1887, S. 389. 22) Vgl. dazu Ulmer (wie Anm. 11), S. 198-205. 23) Knoepfli, Albert: Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau (Die Kunstdenkmäler der Schweiz), Band 1. Basel. 1950, S. 335-348. 24) Zu dieser Gruppe zählen Vanotti (wie Anm. 1), S. 301; Krüger (wie Anm. 4), Regest Nr. 776; Valenti (wie Anm. 15), S. 63. 25) Grabherr (wie Anm. 9), S. 38. 26) Ulmer (wie Anm. 11). S. 201. 27) Bilgeri, Liechtensteinisches Urkundenbuch (wie Anm. 14), Band 3, S. 120. 28) Mayer (wie Anm. 8), S. 424. 29) Diebolder (wie Anm. 12), S. 1 26. 30) Clavadetscher (wie Anm. 13), S. 487. 31) Bilgeri, Liechtensteinisches Urkundenbuch (wie Anm. 14), Band3, S. 119 f., Nr. 71. 32) Knoepfli (wie Anm. 23). S. 335-348. 33) Clavadetscher, Otto P.: Liechtensteinisches Urkundenbuch, Band 6. Vaduz, 1996, S. 119. 34) Bilgeri, Liechtensteinisches Urkundenbuch (wie Anm. 14). Band 3, S. 119 f., Nr. 71. Clavadetscher. Otto P. (wie Anm. 33), S. 119. Anm. 32. Clavadetscher hat auf das Bilgeri noch unbekannte Original dieser Urkunde hingewiesen, vorhanden in: Bayer. Hauptstaatsar- chiv München, KU Weingarten. Papierurkunde. 75
        

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