BESTÜNDE DIESE SCHULE NICHT, MÜSSTE SIE GESCHAFFEN WERDEN / MARTINA SOCHIN Töchtern eine bessere Ausbildung zu gewährleis- ten.207 Die einstimmige Genehmigung der Subventi- on durch die Landtagsabgeordneten entsprach nicht so sehr einer «Hilfe» für die Schwestern, son- dern hatte bildungspolitische Hintergründe. In den Augen der Abgeordneten galt das Ansuchen der Schwestern als unterstützungswürdig, weil sich da- mit eine im Vergleich zu anderen Massnahmen günstig zu finanzierende Ausbildungsstätte für Liechtensteiner Mädchen anbot, bei welcher man mit dem Ja zur finanziellen Unterstützung in der Ge- samthöhe von 194 000 Franken auch ein Mitspra- cherecht fordern konnte. Das neue Schulgebäude, nördlich des Klosterge- bäudes errichtet, wurde am 1. Oktober 1957 - dem Jahrestag der Seligsprechung der Gründerin der Kongregation Maria de Mattias' - unter Beisein des Fürstenpaares, der Mitglieder des Landtages und der Regierung, der Geistlichkeit des ganzen Landes, der Gemeindevertreter Schaans und des damaligen Generalvikars und späteren Bischofs des Bistums Chur, Johannes Vonderach, eröffnet.208 An der Ein- weihungsfeier betonte die Regierung die Wichtigkeit einer Ausbildung nach christlicher Auffassung in Liechtenstein.209 Die Landeszeitungen berichteten ausführlich und waren sich der Tragweite für das Bildungswesen Liechtensteins bewusst, die die ka- tholische Schule der liechtensteinischen Mädchen- jugend bringen konnte: «Die Eltern, welche ihre Töchter in die Klosterschule nach Dux schicken wer- den, dürfen sich der beruhigenden Gewissheit hin- geben, dass ihre Kinder in einer Schule unterge- bracht sind, in der sie sich in jeder Hinsicht wohl- fühlen werden. Licht, Luft und Sonne umgeben das Haus. Sauberkeit, Ordnung und Frömmigkeit be- herrschen es. Ein Grundstein für die Fundaments- mauer unserer Zukunft ist damit gelegt. Denn die Jugend muss mit den Aufgaben der Zukunft vertraut gemacht werden. Ihr muss die charakterliche Hal- tung als selbstverständliche Basis jeder Bildung an- erzogen werden. Über allen Fachgebieten und über jedem Schulfach muss [sie!] die Bildung des Herzens und der Glaube an das Gute stehen. Das scheint in der neuen Schule der Leitung der Schwestern vom Kostbaren Blute gewährleistet.»210 
Knapp zehn Jahre später gewährte der Landtag auf Antrag der Regierung einen weiteren Subventi- onsbeitrag in der Höhe von 90 000 Franken zu ei- nem Erweiterungsbau der Schule, was etwa 30 Pro- zent der Gesamtkosten ausmachte.211 Auch hier spielten wiederum Preisüberlegungen der Land- tagsabgeordneten eine wichtige Rolle. Nach wie vor genoss die Höhere Töchterschule St. Elisabeth einen ausgezeichneten Ruf und wurde den Bildungsbe- dürfnissen vieler liechtensteinischer Eltern gerecht. Die Schule boomte, und der Anteil der Liechtenstei- nerinnen an der Gesamtschülerzahl wurde zuse- hends grösser. Die Volksvertreter waren sich der «Kostengünstigkeit» der betreffenden Schule für die Haushaltskasse des Staates bewusst, als sie den Subventionsbeitrag gewährten. So argumentierte beispielsweise der Abgeordnete Dr. Ernst Büchel:212 «Das Institut St. Elisabeth tut ein grosses Werk zum Wohle des Volkes auf dem Gebiete der Erziehung. Wenn der Staat diese Schüler in eigenen Schulen ausbilden müsste, so wären wahrscheinlich die Kos- ten viel höher. Ich möchte also wärmstens dafür sprechen, dass der Betrag von Fr. 90 000 bewilligt 204) LTP vom 5. April 1956, S. 40. 205) Ernst Risch (* 14. Januar 1901, t 23. März 1987). 1936-1948 Ge- meinderat in Schaan. 1945-1949 stellvertretender Landtagsabgeord- neter der FBP. 1953-1957 Landtagsabgeordneter. Langjähriges Mitglied des Schaaner Schulrats. Zu Ernst Risch vgl. Donat Büchel: Risch Ernst, In: Historisches Lexikon für das Fürstentum Liechtenstein, erscheint 2009. 206) LTP vom 5. April 1956. S. 41. 207) Ebenda, S. 40-41. 208) Eine würdige Stätte der Jugenderziehung eingeweiht. In: Liech- tensteiner Vaterland, 5. Oktober 1957. 209) Das neue Schulhaus des St. Elisabeth-Instituts eingeweiht. In: Liechtensteiner Volksblatt. 3. Oktober 1957. 210) Eine würdige Stätte der Jugenderziehung eingeweiht. In: Liech- tensteiner Vaterland, 5. Oktober 1957. 211) LLA, RF 296/067. Regierungan Landtag, 15. September 1966. 212) Ernst Büchel (* 26. Februar 1922,14. August 2003). 1945-1950 Studium und Doktorat der Rechtswissenschaften in Freiburg (CH) und Innsbruck. 1957-1982 Landtagsabgeordneter der FBP 1963-1966 Gemeinderat in Gamprin. Vgl. auch Büchel Ernst. In: Historisches Le- xikon für das Fürstentum Liechtenstein, erscheint 2009. 53
        

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