in die 1960er Jahre ein sehr konservatives Frauen- bild propagiert hätte.187 Die zunehmend auch für Frauen wichtige Berufs- bildung sahen 1970 auch die kirchlichen Vertreter ein.188 Die Hauptrolle, die eine Frau zu spielen hatte, blieb aber nach wie vor auf die Mutterrolle be- schränkt. Eine geeignete Berufsausbildung war nur insofern vorgesehen, als dass die jungen Frauen sich mit der Ausübung einer befriedigenden Berufs- tätigkeit ohne Flektik auf die Partnersuche machen konnten und nicht den erstbesten nehmen mussten, um ihrem öden und langweiligen Beruf zu entkom- men. Der Frau wurde von der Kirche nun auch nach der Heirat eine berufliche Tätigkeit zugesprochen. In den «kinderlosen Phasen» sollten die Frauen eine Chance haben, eine ihren Gaben und Fähigkeiten entsprechende Aufgabe ausserhalb des Flauses zu finden. Die berufliche Bildung der Frauen hatte in Bezug auf ihr Mutterdasein letztlich auch noch eine andere Rolle zu spielen: «Und schliesslich sind so vorgebildete Frauen auch eher in der Lage, ihren Ehemännern und heranwachsenden Kindern eben- bürtige Gesprächspartner zu sein, deren Interessen- bereich über die eigenen Wände hinausreicht.»189 Mit der Zulassung von Mädchen zum Gymnasium in Vaduz 1968 und der damit verbundenen Anerken- nung einer höheren Bildung für junge Frauen wur- den wichtige Schritte in Richtung einer zunehmen- den Gleichberechtigung von Mann und Frau in Liechtenstein unternommen.190 Anfang der 1970er Jahre stand der Vorschlag im Raum, eine nach «spe- zifischen Gesichtspunkten ausgerichtete Berufsbe- ratung»191 für Mädchen einzuführen; denn einer be- sonderen Beratung für Mädchen würde insofern eine ausserordentliche Bedeutung zukommen, als dass die «Notwendigkeit des Mädchenstudiums in manchen Kreisen noch nicht gebührend erkannt»192 würde. Auch die kirchliche Vertretung Liechten- steins hatte sich mit dieser Tatsache abgefunden und wagte es, neue Wege zu beschreiten, indem sie die Koedukation von Mädchen und Knaben - be- dingt durch die Zulassung der Mädchen ans Gymna- sium - am Collegium Marianum befürwortete.193 
«BESTÜNDE DIESE SCHULE NICHT, MÜSSTE SIE GESCHAFFEN WERDEN»194 - ANERKENNUNG DURCH DIE ÖFFENTLICHE HAND EIN NEUBAU WIRD NOTWENDIG Die rasch wachsenden Schülerinnenzahlen am In- stitut St. Elisabeth und die Beliebtheit der ausgebil- deten Frauen in den liechtensteinischen Büros ver- schafften der Höheren Töchterschule auch von Sei- ten der staatlichen Behörden Anerkennung. Hatten die Regierung und der Landtag die Schule seit ihrer Gründung in Schaan 1935 schon stets auf verschie- denste Weise unterstützt, so wurde diese Unterstüt- zung ab Mitte der 1950er Jahre hochoffiziell. Die schnell steigende Schülerinnenzahl am Institut St. Eli- sabeth seit Anfang der 1950er Jahre - von 36 Schü- lerinnen 1950 verdreifachte sich ihre Zahl bis 1955 - liess die ASC-Schwestern Mitte der 1950er Jahre über eine akzeptable Lösung für die wachsenden Platzprobleme an der Schule nachdenken.195 Ein Neubau erschien ihnen die geeignetste Lösung. Die Kongregation sah sich allerdings nicht in der Lage, die vorangeschlagenen Baukosten im Rahmen von 750 000 Franken aufzutreiben und stellte deshalb an die Regierung einen Antrag um finanzielle Beihil- fe zum Neubau. Die Schwestern rechtfertigten ihr Ansuchen damit, dass die Schliessung der Schule bevorstehe, wenn der zusätzlich notwendige Schul- raum für die ständig zunehmende Schülerinnenzahl nicht geschaffen werden könne. Eine von vielen liechtensteinischen Eltern gewünschte christliche Erziehung in einer reinen Mädchenanstalt würde mit der Schliessung des Instituts verloren gehen. Der Antrag enthielt leise, drohende Züge, was von den Landtagsabgeordneten nicht unbemerkt blieb.196 Die Schwestern argumentierten damit, dass sie sich bei einer allfälligen Schliessung der Flöheren Töchterschule vor die Notwendigkeit ge- stellt sehen würden, die Schwesterngemeinschaft in Liechtenstein auf das karitative Wirken auszurich- ten und sich vom Schulwesen zurück zu ziehen. Manche liechtensteinische Volksschulklasse hätte 50
        

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