BESTÜNDE DIESE SCHULE NICHT, MÜSSTE SIE GESCHAFFEN WERDEN / MARTINA SOCHIN auf der Strasse für die katholischen Postulate eintra- ten, wirkten die Frauen im Hintergrund - zu Hau- se.»170 Kann das an der Höheren Töchterschule St. Elisa- beth vermittelte Frauenbild in den 1940er, 1950er und 1960er Jahren als konservativ eingestuft wer- den, das keinen wirklichen Wandel durchmachte, so muss für die Gesellschaft Liechtensteins von dersel- ben Annahme ausgegangen werden. Das schon vor dem Zweiten Weltkrieg sich in Liechtenstein langsam entwickelnde und in den Jahren der prosperierenden Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg endgültig einziehende bürgerli- che Ideal einer Familie führte zu einer Vorstellung von der Frau, als aufopfernder, liebevoller und in den Bedürfnissen der Familie aufgehenden Ehegat- tin und Mutter, während der Mann die Rolle des Fa- milienernährers zu spielen hatte. Nur Mädchen fort- schrittlich denkender Familien konnten bis in die späten 1940er Jahre eine höhere Ausbildung ge- messen, da der allgemeine Konsens dahin ging, dass die Volksschule für die spätere Bestimmung der jungen Frauen als Hausfrau und Mutter völlig ausreiche.171 Die Historikerin Claudia Heeb-Fleck beschrieb, dass die gern gesehene und «naturgege- bene Bestimmung» der Frau für den häuslichen und die Bestimmung des Mannes auf den ausserhäusli- chen Bereich in Liechtenstein erst mit dem wirt- schaftlichen Aufschwung nach dem Zweiten Welt- krieg zum Tragen kam.m Obwohl die ideologische Ausrichtung der Frauen auf diese bürgerliche Norm schon vorher bestanden hätte, sah der gelebte Alltag der Frauen im von starker Arbeitslosigkeit gepräg- ten Liechtenstein anders aus und erfüllte nur selten das Ideal der bürgerlichen Ehefrau und Mutter. «Galt das Leitbild der Gattin, Hausfrau und Mutter zunächst nur für die neue bürgerliche Schicht, so wurde sie im Laufe des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts zur verbindlichen Norm für Frau- en aller Schichten erklärt - auch wenn die Alltags- realität vieler Frauen ganz anders aussah.»173 Im «Liechtensteiner Volksblatt» kam die Misere der herrschenden Jahre und das Fehlen der Frau an dem als ihr angestammt erachteten Platz ebenfalls zur Sprache. Die berufliche Tätigkeit der Frau wur-de 
als vorübergehende Unterstützung des Familien- verdienstes gesehen und man hoffte auf ein baldiges Ende. «Die Frau wird durch ihre berufliche Tätig- keit davon abgehalten, sich ganz der hehren Aufga- be der Frau und Mutter in der Familie zu widmen, nämlich für Gott eine Schaar [sie!] gesunder, lebens- tüchtiger, braver Kinder zu erziehen. Möge die Zeit bald kommen, wo der Vater wieder einen ausrei- chenden Verdienst hat und die Frau sich wieder ganz der häuslichen Tätigkeit widmen kann.»174 Wie Bärbel Kuhn schreibt, leisteten die Frauen auch in einem dem bürgerlichen Familienideal folgenden Haushalt durch die sparsame Flaushaltsführung und durch Eigenproduktion einen wesentlichen An- teil zum Familienbudget.175 Die bürgerlichen Wertevorstellungen wurden im Wesentlichen auch durch die Schule tradiert.176 Das Programm der Mädchenfortbildungsschule - und auch die Hauswirtschaftskurse am Institut St. Elisa- beth können hier hinzugerechnet werden - bereite- te die Mädchen in erster Linie auf ihren Beruf als 167) Sr. Alma Pia: Gesegnot sei ihr Weg zu zweit! In: Der Meldereiter aus Schaan. Juli 1960. S. 7. 168) Sr. Alma Pia: Unsere gewesenen und wesenden Schülerinnen. In: Der Meldereiter aus Schaan. Januar 1970, S. 3. 169) Siehe Altermatt, Katholizismus und Moderne, S. 84; S. 101. 170) Ebenda, S. 204. 171) Beatrice Schmid: Die Auffassung der Familie ist subjektiv. In: Frauenprojekt Liechtenstein (Hrsg.): Inventur. Zur Situation der Frau- en in Liechtenstein. Born. Dortmund. 1994. S. 13. 172) Claudia Heeb-Fleck: Frauenarbeit im agrarisch geprägten Liech- tenstein. In: Frauenprojekt Liechtenstein (Hrsg.): Inventur. Zur Situati- on der Frauen in Liechtenstein. Bern, Dortmund, 1994. S. 55. Zur Ent- wicklung der Hausarbeit im historischen Prozess seit dem 18. Jahr- hundert und der Herausbildung des bürgerlichen Familienideals siehe ausführlich: Kulm. Haus Frauen Arbeit. S. 18-25. 173) Heeb-Fleck, Frauenarbeit im agrarisch geprägten Liechtenstein, S. 55. Siehe zur wirtschaftlichen Situation Liechtensteins in der Zwi- schenkriegszeit siehe Peter Geiger: Krisenzeit. Liechtenstein in den Dreissigerjahren 1928-1939. Bd. 1. Vaduz, Zürich, 
22000, S. 121-199. 174) Eine Kongreganistin, Frau und Mutter in der Familie der Gegen- wart. In: Sonntagsbeilage Liechtensteiner Volksblatt, 3. August 1935. 1 75) Kuhn, Haus Frauen Arbeit. S. 22. 176) Heeb-Fleck, Frauenarbeit im agrarisch geprägten Liechtenstein, S. 56. 47
        

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