forderte zum Beitreten auf. Die an der Höheren Töchterschule den Mädchen stets propagierte Voll- endung der Frau durch Ehe und Mutterglück fand in gleicher Weise Eingang in die Institutszeitschrift. Im Januar 1960 berichtete der «Meldereiter» von der Hochzeit einer Ehemaligen und vermerkte dabei: «Sie findet das Verheiratetsein so herrlich, dass sie es allen nur raten kann».167 Zehn Jahre später war über den beruflichen Werdegang einer ehemaligen Schülerin zu lesen: «[Sie] bricht mit Beginn des neu- en Jahres ihre achtjährige Bürotreue und sattelt um auf Sozialfürsorge. Wir wünschen guten Start und freuen uns solchen Wechsels. Eine Frau fühlt sich ganz sicher erfüllter in der Sorge um den Menschen als an der toten Schreibmaschine. Sie kann ihre fraulichen Gaben mehr entfalten; das dürre Geld- verdienen mag den Mann befriedigen, die Frau ver- armt dabei».168 
DAS VERMITTELTE FRAUENBILD DIESER JAHRE Obwohl die ASC-Kongregation die Schülerinnen an der Höheren Töchterschule St. Elisabeth in Schaan solide auf ihre berufliche Tätigkeit in den Liechten- steiner Büros vorbereitete, sah sie die eigentliche Aufgabe der Frau in der Erfüllung ihrer Pflichten als Ehegattin und Mutter. Den für die im Liechtenstein der Nachkriegszeit herrschenden Verhältnisse be- züglich der beruflichen Ausbildung von Frauen sehr gut ausgebildeten Schülerinnen des Instituts St. Eli- sabeth war von den Schwestern eine höhere Aufga- be zugedacht, als es die Arbeit als Sekretärinnen in den Büros darstellte. Der Büroberuf galt als Zwi- schenstation bis zur eigentlich vorgesehenen Beru- fung der Frau, der Mutterpflicht. Von religiösen und sittlichen Werten einmal abgesehen - dies ist von ei- ner Klosterschule nicht anders zu erwarten -, ver- mittelten die Schwestern auch Ende der 1960er Jahre noch ein überaus konservatives Frauenbild. Die Erziehung der nachfolgenden Generation stellte in den Augen der Schwestern überaus hohe Ansprü- che an die zukünftigen Mütter. Die Mütter sollten aus diesem Grunde auch keine «Dummerchen» sein, sondern ihren Kindern etwas auf ihren Weg mitgeben können. Im Hinterkopf der Schwestern stand dabei der Gedanke, dass die Frauen die ihnen anerzogenen katholischen Werte an ihre Kinder weitergäben und sie zu christlichen Menschenkin- dern erzögen. Urs Altermatt beschrieb in seinem Standardwerk zum Katholizismus in der Schweiz die Wichtigkeit der Frauen in Bezug auf die Erhal- tung des katholischen Milieus und die Wahrung der katholischen Identität, da die Frauen sich zu Flause, vor allem in der Erziehung ihrer Kinder, für das ka- tholische Milieu eingesetzt hätten:169 «Als Frauen, vor allem aber als Mütter kam ihnen die wichtige Aufgabe zu, die katholischen Wertvorstellungen weiter zu tradieren, zu verfestigen und notfalls ge- gen schädliche Einflüsse von aussen abzuschirmen. Dadurch leisteten sie einen entscheidenden Beitrag für die Erhaltung der katholischen Identität. Im Un- terschied zu ihren männlichen Kollegen, die am Rednerpult und auf der Kanzel, im Wirtshaus und 46
        

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