BESTÜNDE DIESE SCHULE NICHT, MÜSSTE SIE GESCHAFFEN WERDEN / MARTINA SOCHIN ten: «Also sie [die Schwestern] wollten uns nicht zu Emanzen erziehen, sondern zu guten präsentablen Hausfrauen, Müttern, Ehefrauen, die einen Haus- halt schmeissen konnten. ... Aber keine ungebilde- ten Flausfrauen, sondern Hausfrauen, die auch mal wissen, dass es einen Schriftsteller gab, der Grülpar- zer geheissen hat, und einen, der Storm geheissen hat.»161 Im Unterricht vermissten die Schülerinnen vor allem die Kreativität, insbesondere in den Hauswirt- schaftsfächern wie der Handarbeit. In einer Zeit, in der Liechtenstein Ende der 1960er Jahre vom wirt- schaftlichen Wohlstand erfasst worden war und man langsam anfing, kaputte Kleider durch den Kauf neuer Kleidungsstücke zu ersetzen, predigten die Schwestern ihren Schülerinnen am Institut im- mer noch das Flicken der Wäsche, wie dies vierzig Jahre zuvor die Handarbeitsinspektorin der öffentli- chen Schulen im Rechenschaftsbericht der Regie- rungvorgesehen hatte.162 Das im Handarbeitsunter- richt zu flickende Material hatten die Schülerinnen mit immer grösser werdenden Schwierigkeiten bei Nachbarn, Freunden oder in Altersheimen zu be- sorgen.163 Um das Institutsleben bei den Schülerinnen, die die Schule abgeschlossen hatten, nicht in Vergessen- heit geraten zu lassen, wurde ab 1960 «Der Melde- reiter aus Schaan» an alle Ehemaligen verschickt.164 Redigiert wurde der halbjährlich erschienene «Mel- dereiter» von Sr. Alma Pia während einer Dauer von zwölf Jahren. Das Abonnement kostete einen Fran- ken im Jahr. Ende 1971 stellte er seine Dienste wie- der ein. Mit der Institutszeitschrift wurden die ehe- maligen Institutstöchter über das Leben auf dem Duxhügel in Schaan informiert. Die jeweiligen Ab- schlussklassen waren in gleicher Weise Bestandteil der Zeitschrift wie Berichte von Ausflügen und Fes- ten. Das klösterliche Leben wurde ebenso ausführ- lich geschildert. Das Informationsblatt enthielt ne- ben einem einführenden Leitartikel, der einem ak- tuellen Thema gewidmet war, viele Hinweise zum beruflichen und familiären Werdegang der ehemali- gen «Institütlerinnen». Hochzeiten und Geburten von ehemaligen Schülerinnen fanden Platz. Die Re- daktorin versäumte es dabei nicht, den mahnenden 
Zeigefinger zu erheben und möglichst viele anzu- spornen, den Kontakt mit der ehemaligen Schule zu pflegen oder wieder aufzunehmen. In der dritten Ausgabe des «Meldereiters» schrieb sie: «Nun zur bedauerlichen Mitteilung. Eine ganze Menge unse- rer Ehemaligen, nennen wir sie Ex-Töchter, bleiben leider verlorene Töchter».165 Ganz im Sinne der ge- nossenen Ausbildung am Institut kamen auch im «Meldereiter» die für die ehemaligen Schülerinnen gewünschten Ideale und Ziele zur Sprache. Im März 1960 hatten die Schwestern am Institut St. Elisabeth eine Gruppe Legionäre gegründet.166 In den darauf- folgenden Jahren berichtete Sr. Alma Pia stets von den Taten und der Entwicklung dieser Gruppe und 158) Exerzitienbüchlein von Frau G. 1 59) Diese Praxis ist für die Zeit von Sr. Rosina Hack (Provinzoberin von 1941-1950), deren Namenstag am 11. März war, und für Sr. Aloi- sia Geiger (Provinzoberin von 1952-1961), deren Namenstag am 2. Juli war, bekannt. 160) Siehe LLA. V 008/539. Jahresberichte der Jahre 1947/48 bis 1954/55 und Jahresbericht 1956/57; LLA. V 102/1451, Jahresbericht 1955/56. 161) Interview mit Frau N. vom 9. Juni 2006 (Frau N. besuchte das Institut St. Elisabeth Ende der 1960er Jahre). 162) Siehe RBR 1922, S. 55. 163) Interviews mit Frau L. vom 20. Mai 2006; mit Frau N. vom 9. Juni 2006 (Frau L. besuchte das Institut St. Elisabeth Mitte der 1960er Jah- re, Frau N. Ende der 1960er Jahre). 164) Siehe für den folgenden Abschnitt die 24 Ausgaben des «Melde- reiter aus Schaan» der Jahre 1960 bis 1971. 165) Sr. Alma Pia, Mit Gott durchs 1961! In: Der Meldereiter aus Schaan, Januar 1961, S. 1. 166) Sr. Alma Pia erklärte die Hintergründe der Legionäre im Melde- reiter folgendermassen: «Vor 40 Jahren [ca. 1920] hat ein ideal ge- sinnter Bursche - Frank Duff- in Dublin. Irland, ein Häufchen glau- bensfroher Menschen um sich geschart, die dem Ruf der Kirche zum Laienapostolat, oder besser zum gelebten Christentum, folgen wollten. Sie heissen Legionäre; die ganze Organisation ist recht stramm und borgt sich manche Einrichtung samt Namen von der straffen römi- schen Heerführung. Jeder aktive Legionär ist verpflichtet, am wö- chentlichen Treffen teilzunehmen und jede Woche wenigstens zwei Stunden (Jugendliche eine Std.) konkrete apostolische Arbeit zu ver- richten: Kranke besuchen, Kinder im Religionsunterricht fördern, sie zu Morgen- und Abendgebet, Tischgebet begeistern, Säumige zum Gottesdienst mitnehmen usw., kurz, das religiöse Leben, die Freude und Verantwortung im Glauben zu wecken und zu beleben.» Siehe Sr. Alma Pia: Wir plaudern aus der Schule. In: Der Meldereiter aus Schaan. Juli 1960, S. 5. 45
        

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