ändern.147 Die Frauen, sozialisiert durch ihre Müt- ter, stellten laut Kuhn die geschlechtsspezifische Ar- beitsteilung und die Rollenzuweisung auf den häus- lichen Bereich zu dieser Zeit noch nicht in Frage, sie wandten sich andererseits aber ab vom Bild der selbstlosen, aufopfernden und schuftenden Mutter, die ihre Vorstellungen und Wünsche den Erwartun- gen ihres Mannes unterordnet.148 Und dennoch wa- ren die Normen einer guten Mutter und Hausfrau über Generationen so verinnerlicht worden, dass sie sich nicht von einem Tag auf den anderen auflösten und trotz den sich langsam verändernden Rahmen- bedingungen gültige Massstäbe für die Hausarbeit blieben. Wie Kuhn in ihrem Buch beschreibt, änder- ten sich die Normen bezüglich der Qualität von Hausarbeit nur in jenen Bereichen, wo sich die Ar- beitsbedingungen geändert hatten. Die neuen tech- nischen Geräte stellten jedoch auch neue Anforde- rungen an die Frau. Auch die Sauberkeits-, Hygiene- und Ernährungsvorstellungen veränderten sich.149 
DIE SCHULE IM LEBEN DER EHEMALIGEN SCHÜLERINNEN Mädchen, welche die Höhere Töchterschule des In- stituts St. Elisabeth besuchen konnten, fühlten sich privilegiert, denn die Schule galt 
als der Bildungsort in Liechtenstein, an dem Mädchen eine vertiefte Ausbildung geniessen konnten und sich nicht mit der Wissensvermittlung an der staatlichen Real- schule zufrieden geben mussten. Aus verschiedenen Gründen erwogen die Eltern, ihre Töchter in die Liechtensteiner Klosterschule zu schicken. Für manche war das Renommee des Insti- tuts ausschlaggebend, andere waren mit den seiner- zeit an der Realschule unterrichtenden Lehrern nicht einverstanden und wieder andere schickten ihre Kinder aus dem pragmatischen Grund des ein- facheren und sichereren Schulweges nach Schaan in die Schule.150 Rückblickend hat die Mehrheit der ehemaligen Schülerinnen der Handelsschule «ihre» Kloster- schule positiv in Erinnerung, vor allem was die schulische Wissensvermittlung betrifft. Die Schüle- rinnen der 1940er, 1950er und 1960er Jahre loben das schulische Wissen, das ihnen am Institut St. Eli- sabeth zuteil wurde und das sie ihr ganzes Leben hindurch gebrauchen konnten. Nicht nur in den Handelsfächern verfügten sie nach Abschluss der Schule über aussergewöhnliche Qualifikationen, auch die Grammatik der deutschen, französischen und englischen Sprache oder beispielsweise das Kopf- rechnen beherrschten sie. Arbeitsplätze fanden sie ohne Probleme, denn im Gegensatz zu Schülern an- derer Schulen waren sie auch Reissig, strebsam, ausdauernd, höflich, pünktlich und anpassungsfä- hig.151 Für manche der zu «Mustersekretärinnen» ausgebildeten Mädchen blieb das Büro nicht die Endstation, einige schafften es bis zum Universitäts- abschluss.152 Viele der ehemaligen Schülerinnen nahmen in ihrem späteren Leben eine wichtige Rol- le im öffentlichen oder politischen Leben ein. Die Mehrheit der ehemaligen oder zur Zeit amtierenden weiblichen Landtagsabgeordneten hat in ihren frü- heren Jahren das Institut St. Elisabeth besucht.153 42
        

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