BESTÜNDE DIESE SCHULE NICHT, MÜSSTE SIE GESCHAFFEN WERDEN / MARTINA SOCHIN DIE VORBEREITUNG AUF DAS LEBEN ALS FRAU: DER HAUSWIRTSCHAFTSUNTERRICHT ALS MÖGLICHKEIT DER BEWUSSTEN EIN- FLUSSNAHME Dem Hauswirtschaftsunterricht mit allen seinen Fä- chern wie Handarbeit, Ernährungslehre, Kochen, Kinder- und Krankenpflege kam im vierten und letz- ten Jahr der Höheren Töchterschule eine grosse Be- deutung zu. Nun, da sich die Mädchen genügend Wissen für das Leben als Sekretärinnen in den liech- tensteinischen Büros angeeignet hatten und schnel- ler Maschine schreiben und stenographieren konn- ten als manche andere Büroangestellte, begann man sie allumfassend auf ihre Bestimmung als Hausfrau, Mutter und Ehefrau vorzubereiten. Das Ideal einer Hausfrau und Mutter hielten die ASC-Schwestern hoch. Den Mädchen wurden sämt- liche mögliche Lebenssituationen im häuslichen Be- reich dargestellt, erläutert und mit Ratschlägen ver- sehen näher gebracht.137 Angefangen bei der Mitgift für die Heirat, über die Wohnungsgestaltung, das Kochen und die Reinhaltung der Wohnung bis hin zu den Fragen der Mutterschaft und der richtigen Pflege des neugeborenen Säuglings enthielt der Hauswirtschaftsunterricht ein Programm, nachdem die Mädchen als perfekte Hausfrauen und Mütter glänzen sollten. Der oberste Grundsatz «Der Mann ist das Haupt der Familie, die Frau ist das Herz»138 galt für alle Belange im häuslichen Leben. Die ver- schiedenen Rollen und Aufgaben von Mann und Frau wurden den jungen Mädchen klar definiert: «Die Frau sollte ein Genie des Herzens sein. Der Mann ist Denker, Organisator, Führer usw. Sein Hauptwirkungsfeld ist die Öffentlichkeit, das Ge- schäft, die Politik. Wir Frauen sind dazu geschaffen, dem Leben zu dienen, das Leben zu empfangen, es zu tragen, zu hüten und zu beschützen.»139 Eingehend bereitete die Hauswirtschaftslehrerin am Institut St. Elisabeth ihre Schülerinnen auf ihren Wirkungsbereich im eigenen Heim vor. Die Mäd- chen lernten, wie man eine Wohnung bzw. ein Haus stilvoll einrichtet. Dazu gehörte, nicht nur zu wissen, an welchen Ort man Tisch und Bett zu stellen hatte, sondern auch das richtige Falten der Servietten, die 
schöne Tischdekoration und nicht zuletzt auch die Tischmanieren. Damit die Küche immer schön sau- ber blieb, gaben die Schwestern den Schülerinnen einen Putzplan, der genau regelte, welche Arbeiten täglich, wöchentlich, monatlich oder jährlich zu ver- richten waren, zusammen mit den Tipps zur Reini- 125) Interview mit Frau L. vom 22. April 2006. In der Institutszeit- schrift «Der Meldereiter aus Schaan» berichtet Sr. Alma Pia vom Kinoausllug des Instituts, um den Dokumentarfilm über das Zweite Vatikanische Konzil zu sehen. Siehe dazu: Sr. Alma Pia, Hier Radio St. Elisabeth .... in: Der Meldereiter aus Schaan, Januar 1965. S. 6. 126) Diktat von Frau L. in den 1960er Jahren. 127) Diktattitel von Frau G. in den 1950er Jahren. 128) Diktat von Frau G. in den 1950er Jahren. 129) Zur beruflichen Gleichstellung von Mann und Frau in Liechten- stein siehe: Frick, Frauenerwerbsarbeit im Liechtenstein der Nach- kriegszeit bis zum Beginn der siebziger Jahre; zur politischen Gleich- stellung und zum Weg bis zum Frauenstimmrecht siehe Veronika Mar- xer: Zur Einführung dos Frauenstimmrechts in Liechtenstein. Ein Sit- tengemälde. In: Frauenprojekt Liechtenstein (Hrsg.): Inventur. Zur Si- tuation der Frauen in Liechtenstein, Bern, Dortmund 1994, S. 169- 209; Wilfried Marxer, 20 Jahre Frauenstimmrecht. 130) Diktat von Frau G. aus den 1950er Jahren. 131) Interview mit Sr. Mathild vom 28. September 2006. 132) Diktat von Frau L. aus den 1960er Jahren. Esther Vorburger- Bossart hat in ihrer Dissertation an der Universität Freiburg zu den Frauenbildern und der Frauenbildung in katholischen Innerschweizer Töchterinstituten im 20. Jahrhundert auch ein Kapitel dem Thema «Maria als innerer Konvergenz- und Kontinuitätsfaktor» gewidmet. In der SZRKG (ehemals ZSKG) hat sie 2002 ein Auszug aus ihrem Disser- tationsprojekt veröffentlicht. Esther Vorburger-Bossart: Marianische Inhalte in der Schülerinnerizeitschrift Theresianum-Glöcklein des Mädchengymnasiums Ingenbohl 1908-1933. In: Zeitschrift für Schweizerische Kirchengeschichtc. 96 (2002), S. 53-65. 133) Zum Marien- und Frauenbild siehe Marion Wagner: Die himmli- sche Frau. Marienbild und Frauenbild in dogmatischen Handbüchern des 19. und 20. Jahrhunderts. Regensburg, 1999, hier S. 137-140. 1 34) Diktat von Frau L. aus den 1960er Jahren. 135) Ebenda. 136) Siehe einen Aufsatz von Frau L. unter dem Titel «Ihr Beruf? Haus- frau» aus den 1960er Jahren. 137) Wo nicht anders angegeben, stammen im Folgenden sämtliche Angaben aus dem Hauswirtschaftsordner von Frau L. aus den 1960er Jahren. 138) Hauswirtschaftsordner von Frau L. aus den 1960er Jahren, Kapi- tel Hauswirtschaft. 139) Ebenda. 31
        

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