BESTÜNDE DIESE SCHULE NICHT, MÜSSTE SIE GESCHAFFEN WERDEN / MARTINA SOCHIN um 8 Jahre zurückziehen würde. Und der Unter- richt, also die Vorbereitung auf die 1. hl. Kommuni- on beginnen würde. Das war das Schönste, wenn der Herr Pfarrer vom Heiland erzählte oder sonst schöne wahre Geschichten.»118 Oder an anderer Stelle aus dem Aufsatz einer Schülerin über ein Buch Anfang der 1950er Jahre: «Das Verhalten des Mädchens nach dem Tode der Mutter ist rührend beschrieben. Immer sind es der Glaube an Gott und hl. Kommunion, die dem Mädchen wieder neuen Mut und neue Kraft geben. Durch tiefe Frömmigkeit führt es vier Menschen wieder dem katholischen Glauben zu. Aus dem Inhalt dieses Buches könnte man so manches lernen. Z. B. die Dankbarkeit und Zufriedenheit des anspruchslosen Mädchens.»119 Auch in den späten 1960er Jahren hatte sich die Auffassung in Bezug auf die religiöse Wertevermitt- lung an die Schülerinnen in keiner Weise gewandelt und wurde ihnen auf gleiche Art übermittelt. In ei- nem Aufsatzheft ist zu lesen: «Im Glauben soll ich mich stets weiterbilden durch Predigten, Christen- lehre, Religionsunterricht, gute Bücher. Es muss mir ein ernstes Anliegen sein, dass der wahre Glaube al- len Menschen verkündet wird. Alles, was den Glau- ben gefährden könnte, muss ich meiden z. B. glau- bensfeindliche Bücher und Zeitungen, Umgang mit ungläubigen Menschen. ... Was ich tue, ist nur dann wertvoll, wenn ich es aus Liebe zu Gott verrichte.»120 Die Missionen der Kongregation in Afrika oder auf anderen Kontinenten waren am Institut ein ständiges Thema. Im Klassenzimmer stand über den ganzen Zeitraum der Klosterschule hinweg ein «nickendes Negerlein»121, dem man Geld einwerfen konnte. Die Schülerinnen hatten in der Anfangszeit der Höheren Töchterschule jede Woche eine gute Gabe an das «nickende Negerlein» zu leisten, später wurden die Spenden vermehrt freiwilliger entrich- tet.122 Hatten sich 25 Franken angesammelt, konn- ten die Schwestern mit dem Geld ein Kind in Afrika taufen lassen. Manchmal zum Geburtstag einer Schwester oder wenn die Schülerinnen einer Lehre- rin eine besondere Freude machen wollten, schenk- ten sie ihr diesen Betrag, um ein afrikanisches Kind auf den Namen der Lehrerin taufen lassen zu kön- nen. Die in der ersten Zeit der Höheren Töchter-schule 
mit einem Geldbetrag abgegoltenen Strafen kamen in gleicher Weise der Mission zugute.123 Die Vorstellungen über das Missionswesen in Afrika fand in die Aufsätze der Schülerinnen auf verklären- de Weise Eingang. «Am Sonntag nach der Friedens- andacht ging ich mit meiner Freundin [anonymi- siert, M. S.] in den Missionsfilm. Dort sah man gros- se und kleine Neger. Die kleinen waren so herzig, wenn man ihnen das Essen gab, und wenn sie sich wuschen.... Dann wurden auch Kranke gepflegt, die vom Aussatz befallen waren. Zu denen kommt nur alle Wochen dreimal eine Schwester hin, die sie im christlichen Glauben unterrichtete.»124 Die Veränderungen der Zeit, vor allem im religiö- sen Wertebereich, hatten die Schülerinnen in ihrem Unterricht und auch in den Diktaten und Aufsätzen zu verarbeiten. Die Eröffnung des Zweiten Vatikani- 111) Csaba, Was ein erwachsenes Mädchen wissen muss. S. 143. 112) Hoberg, Gespräche mit meiner Schwester, S. 55. 113) LLA, RF 237/021, Lehrplan für die Höhere Töchterschule am In- stitut St. Elisabeth in Schaan, undatiert. 114) Hoberg, Gespräche mit meiner Schwester, S. 49-56. Siehe dazu auch Rölli-Alkemper, Familie im Wiederaufbau, S. 106-107: Hediger, Das Bild der Schweizer Frau in Schweizer Zeitschriften, S. 142-144; Mutter, Frauenbild und politisches Bewusstsein im Schweizerischen Katholischen Frauenbund, S. 55. 115) Zur Ehe- und Sexualmoral in der schweizerischen katholischen Gesellschaft siehe: Martin Tschirren: Ehe- und Sexualmoral im Schweizer Katholizismus 1950-1975. Freiburg, 1998. 116) Zum Wandel in der Sexualmoral siehe: Tschirren, Ehe- und Sexu- almoral im Schweizer Katholizismus 1950-1975, hier S. 195. 117) Interview mit Frau D. und Frau E. vom 1 3. September 2006 (Frau D. besuchte das Institut St. Elisabeth Mitte der 1940er Jahre. Frau E. Anfang der 1950er Jahre). 118) Diktat von Frau G. aus den 1950er Jahren. 119) Aufsatz von der Schwester von Frau E. aus den 1950er Jahren. 120) Aufsatz von Frau L. aus den 1960er Jahren. 121) Das nickende Negerlein war eine Art Puppe, das dankend genickt hat, wenn man Geld einwarf. 122) Interview mit Frau F. und Frau G. vom 31. August 2006 (Frau F. und Frau G. besuchten das Institut St. Elisabeth Anfang der 1950er Jahre); Interview mit Frau L. vom 20. Mai 2006 (Frau L. besuchte das Institut St. Elisabeth Mitte der 1960er Jahre). 123) Interview mit Sr. X. vom 28. September 2006. 124) Aufsatz von Frau G. in den 1950er Jahren. 29
        

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