BESTÜNDE DIESE SCHULE NICHT, MÜSSTE SIE GESCHAFFEN WERDEN / MARTINA SOCHIN «SO DENKT DER PAPST ÜBER DIE FRAU»87 - DAS VERMITTELTE FRAUENBILD «DU MÄGDLEIN HÖRE!»88 - LEBENSKUNDE- UNTERRICITT Brachte man den Schülerinnen der Höheren Töch- terschule am Institut St. Elisabeth im Religionsun- terricht die Liturgie näher, so wurden im Lebens- kundeunterricht und in der Anstandslehre Einfluss auf das sittlich-religiöse Verhalten der Mädchen ge- nommen. Anhand der laut Lehrplan verwendeten Materialien89 und der Erzählungen der ehemaligen Schülerinnen und Lehrschwestern können die Wer- te ermittelt werden, die den Mädchen in diesen Fä- chern nahe gebracht wurden. Umfassend bereitete man die Mädchen auf die möglichen sittlichen Gefahren und Verfehlungen im Leben vor. Die Themenbereiche reichten von der ei- genen Körperhygiene, der keuschen Mode und der Würde einer Frau bis hin zur Warnung vor dem männlichen Geschlecht. Auf anständiges und mora- lisches Verhalten in jeder Lebenslage wollten die Schwestern am Institut St. Elisabeth ihre Schützlin- ge vorbereitet wissen. Obwohl man im katholischen Liechtenstein Anstand, Sitte und Moral hochhielt und davon ausgegangen werden kann, dass die grundsätzlichen Lehren der Schwestern gutgeheis- sen wurden, wirkten manche Verhaltensweisen, die die Lehrschwestern ihren Schülerinnen vor allem in der Anfangszeit der Institutsschule mit auf den Weg gaben, antiquiert und weltfremd und wurden belä- chelt.90 Nicht nur die Anstandslehre und der Lebenskun- deunterricht allein zielten auf das anständige Ver- halten im zukünftigen Leben der jungen Frau hin, Ratschläge zur sittlichen Verhaltensweise gab man den Mädchen bei jeder sich bietenden Gelegenheit im Schulunterricht mit. Die Anweisungen zur kör- perlichen Hygiene spielten eine wichtige Rolle. Die Schwestern brachten ihren Schülerinnen in der An- fangszeit des Instituts bei, wie sie sich abends aus- zuziehen und morgens aufzustehen hatten, ohne dabei ein Stück ihrer Nacktheit sehen zu müssen, 
oder wie man sich aus- und umzog, ohne je ganz nackt zu sein.91 Die Sauberkeit des eigenen Körpers war wichtig, sittliche Grenzen sollten dabei aber nicht überschritten werden. Im Anstandsunterricht wies man die Mädchen an, mit einem weiten Hemd angezogen zu baden und sich durch das Hemd hin- durch einzuseifen, da es in den Augen der Schwes- 79) Interview mit Frau M. vom 18. April 2006 (Frau M. besuchte das Institut St. Elisabeth Mitte der 1960er Jahre). 80) Interview mit Frau M. vom 18. April 2006 (Frau M. besuchte das Institut St. Elisabeth Mitte der 1960er Jahre). 81) Interview mit Frau 0. vom 29. September 2006 (Frau 0. besuchte das Institut St. Elisabeth Anfang der 1950er Jahre). 82) Interview mit Sr. X. vom 28. September 2006; Interview mit Frau M. vom 18. April 2006 (Frau M. besuchte das Institut St. Elisabeth Mit- te der 1960er Jahre). Während der Interviews kamen sämtliche ehe- maligen Schülerinnen auf diese Uniform zu sprechen und beschrieben sie in ähnlicher Weise. 83) PAS. Konstitutionen der Genossenschaft der Schwestern von der Anbetung des Kostbaren Blutes, o. 0.1938, S. 198. 84) Interview mit Frau D. und Frau E. vom 13. September 2006 (Frau D. besuchte das Institut St. Elisabeth Mitte der 1940er Jahre, Frau E. Anfang der 1950er Jahre). 85) PAS, Konstitutionen der Genossenschaft der Schwestern von der Anbetung des Kostbaren Blutes, o. 0.1938, S. 198. 86) Interview mit Frau F. und Frau G. vom 31. August 2006 (Frau F. und Frau G. besuchten das Institut St. Elisabeth Anfang der 1950er Jahre). 87) Titel eines Diktates aus dem Diktatheft von Frau I... 88) Alphons Maria Rathgeber: Du Mägdlein höre! Lesungen für Mäd- chen. Wiesbaden, 1936. 89) Es kann davon ausgegangen werden, dass die laut Lehrplan verwendeten Bücher in den ersten Jahren nach der Gründung der Hö- heren Töchterschule benutzt wurden. Wie lange genau, bleibt unklar. Für die spätere Zeit der 1960er Jahre gaben vor allem die Interviews mit den ehemaligen Schülerinnen Minweise. 90) Siehe dazu die Interviews mit Frau D. und Frau E. vom 1 3. Septem- ber 2006 (Frau D. besuchte das Institut St. Elisabeth Mitte der 1940er Jahre. Frau E. Anfang der 1950er Jahre); mit Frau B. und Frau C. vom 28. September 2006 (Frau B. und Frau C. besuchten das Institut St. Eli- sabeth Mitte der 1940er Jahre). Es gab jedoch auch Schülerinnen, die die inzwischen nicht mehr ganz so strengen moralischen Grundsätze noch in den 1960er Jahren für stark überholt hielten. Siehe dazu das Interview mit Frau N. vom 9. Juni 2006 (Frau N. besuchte das Institut St. Elisabeth Ende der 1960er Jahre). 91) Interview mit Frau B. und Frau C. vom 28. September 2006 (Frau B. und Frau C. besuchten das Institut St. Elisabeth Mitte der 1940er Jahre). 23
        

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