her.; ein legendärer Fisch-Vogel-Mensch, sehr ähn- lich denjenigen auf den Säulen der Luxemburger Ka- thedrale; alte Wappen; chinesische und maurische Vitrinen, reich an Elfenbeinschmuck; eine fein gear- beitete Darstellung der Anbetung Jesu durch die Hei- ligen Drei Könige und ein Altarbild von 1523, einen Hufschmied zeigend, der einen Pferdefuss neu be- schlägt, nachdem eine vorhergehende Szene densel- ben Hufschmied zeigte, der das Hufeisen noch in sei- nem Schoss liegen hatte. Das elektrische Licht, der Lift, die Ventilatoren und die Telefonapparate sind dezent angebracht. Trotzdem ist dieses alte Schloss, verkleidet in eintö- niges Braun, zu düster, um hier zu wohnen. Liebrei- zende Frauen, die einst hier gewohnt haben moch- ten, hinterliessen nichts zurück. Seidenstoffe rausch- ten vielleicht einst durch diese Hallen, Panzerhem- den und Wappen sind geblieben. Ausgehend von den heute vorhandenen gesam- melten Überresten muss aber festgehalten werden, dass das Schloss Vaduz kein Ort für Frauen war. Das alte Schloss hat die Liebesballaden und Refrainlie- der der ritterlichen Minnesänger vergessen; an de- ren Stelle sind militärische Lieder getreten, die Waf- fen und Soldaten preisen. Hier beugt die besiegte Liebesgöttin Venus ihr Knie vor dem Kriegsgott Mars. Diese Sammlung umfasst die Epoche des Schwer- tes und des Kettenpanzers und führt den Besucher durch die Bereiche der Hakenbüchsen, Donner- büchsen und Gewehre - Gewehre mit sanften Frau- enfiguren auf ihren Schäften aus Elfenbein, so dass der Besitzer - Tier oder Feind im Visier - seine Wan- ge auf so eine nackte, von Paris gerühmte Venusfi- gur drückte. Andere Gewehre weisen Griffe auf mit bemerkenswert detaillierten Darstellungen von ein- gravierten Jagdszenen; die Gewehraufschrift «Gott mit uns» vermittelt einen althergebrachten Dünkel, der teilweise immer noch geglaubt wird. Ein spanisches Gewehr ist mit geschnitztem El- fenbein geschmückt, dessen Qualität nicht einmal die besten Kunsthandwerker von Canton (China) oder Kyoto (Japan) erreichen. Berühmte Szenen aus der Mythologie überdecken den Schaft imd den Lauf des Gewehrs, und entlang der Oberseite verläuft ein 
lateinischer Schriftzug mit der Bedeutung: «Lieber im Krieg sterben als zu sehen, wie die Gehebten zu Schaden kommen». Als dieser Stahl- und Elfenbein- schatz in Mode war, waren die Pilger immer noch von der Schiesskunst abhängig, um zu ihrem Essen zu gelangen. Hier auf Schloss Vaduz gibt es auch albanische Gewehre mit schweren Kolben, ebenso arabische Gewehre mit kaum erkennbaren Kolben, sowie un- tersetzte Donnerbüchsen, aber auch 12 Fuss lange Gewehre, die einen massiven Steg zur Unterstüt- zung des schweren Gewehrlaufes aufwiesen. Bei der Entwaffnung der letzten liechtensteini- schen Armee wurden ihre 80 Flinten und Lederhel- me in dieses friedliche Waffenmuseum getragen, das einem Staat gehört, der zu winzig ist, um sich selbst verteidigen zu können. Zu den ersten Dingen, die der Schlossbesucher beim Eintritt durch das äussere Tor wahrnimmt, ge- hören die Maria Theresia-Kanonen. Das letzte Bild beim Verlassen des Schlosses ist ein stumpf gewor- denes Hinrichtungsschwert mit der eingravierten Szene einer Enthauptung auf der nutzlos geworde- nen Klinge, aber auch die alten Hellebarden mit den ehemaligen Wappen Liechtensteins, das für Jahr- hunderte ein freies Land geblieben ist. RAUCI LPÖPFE ZUR VERTREIBUNG VON «WILDEN» FLIEGEN Während des Sommers findet jeden Sonntag ausser- halb der Schlossmauern ein Schauspiel unter freiem Himmel statt. Eine der ersten Stimmen ertönt aus einem Fenster hoch oben im südlichen Rundturm. Der Anblick von mit Federn geschmückten Rittern und Frauen in langen Gewändern gemäss der dra- maturgischen Überlieferung der höfischen weifi- schen Troubadoure ist mehr als eine blosse Ent- schädigung für die Eintönigkeit der Wochentage, an denen es bloss unwirtliche Plätze und gewöhnliche Bierbuden zu sehen gibt. Das nördliche Tiefland ist relativ uninteressant, obgleich wilde Fliegen (Bremsen) die Aufmerksam- keit trüben. Zusammengezogene Viehherden wer- 230
        

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