LIECHTENSTEIN IN ALTEN SCHILDERUNGEN NORBERT W. HASLER sogar trocken ist, das heute stellenweise aber auch schäumt durch die Kraft der Berggletscher. Der Mensch bezwang seine mäandrierenden Gewohn- heiten und sperrte ihn zwischen nüchternen, aber kurvenreichen Dämmen ein. Zwischen dem Rhein und dem im Hintergrund herrschenden Bergkamm Liechtensteins erstreckt sich eine schmale Ebene, auf welcher Heu, Getreide und Korn kultiviert werden. Da und dort finden sich auch Obstgärten. Imposante Pappeln begrenzen ei- nige Strassen sowie Weinberge an den sanfteren Hängen. Am Fuss des Gebirges, wo sich der Weg hochringelt zu Felsklippen und Gebirgswiesen, ver- bindet die Landstrasse die Ortschaften im Tal zwi- schen Ruggell/Schaanwald und Klein Mels (Mals). Am südlichen Fuss des Schellenbergs (Eschner- bergs) gabelt sich die Strasse in Ypsilonform nord- wärts in zwei Richtungen. Im Dorf Schaan, das 1400 Einwohner zählt, tref- fen sich drei Verkehrswege sowie die kurze interna- tionale Strasse nach Buchs. Hauptwahrzeichen und Orientierungspunkt ist die Kirche mit dem hohen spitzen Turm. Der Architekt dieses Bauwerks liess sich dabei wohl von den Felsnacleln hoch oberhalb des Ortes inspirieren. Auf der rechten Seite, südlich von Schaan, zer- schneidet das sägezahnähnliche Dach einer Fabrik das Grün von Kiefern und Buchen wie das Schneide- blatt einer Mähmaschine. Weiter südlich befindet sich der Hauptort mit dem alten, auf römischen Rui- nen errichteten Schloss, welches über dem Ort hängt wie ein Adler, der hoch über seinem Nest thront und auf die auszubrütenden Eier schaut, die zwischen seinen Füssen liegen. Rechts vom Schloss liegt ein flaschengrüner Wald, Wände von halbsteinernen Gewölben bede- ckend, deren obere Enden in liebliche Plateaus münden. Dieser Wald taucht ein in die gebrochene Hügellandschaft von Triesenberg. Die dortigen Lläu- sergruppen markieren eine parkähnliche Land- schaft, die von kahlen Bergen eingerahmt wird. Un- terhalb davon liegt Triesen, wo der mit Ruhrkohle betriebene Fabrikschornstein raucht, dies beson- ders im Winter, wenn die sonst unerschöpfliche Wasserkraft durch Schnee und Eis gebunden ist. 
UNSERE BAUMWOLLE KOMMT BIS HIERHER Das Sägeblatt der Mähmaschine zwischen Schaan und Vaduz säumt das Dach einer Spinnerei. Der Schornstein in Triesen erhebt sich über den Web- stühlen, die zu einer Weberei gehören und die mit den neusten Apparaten ausgestattet sind, um die Luft zu befeuchten. - Da ich Triesen bei Regenwetter besuchte, scheint dies allerdings eine überflüssige Erfindung zu sein. Die Rohbaumwolle kommt aus Amerika. Der Stoff wird in Budapest verkauft. Die 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen aus den liechtensteinischen Talgemeinden, aber auch von Triesenberg herunter. Diese zwei bedeutenderen Punkte in der Land- schaft zeigen auch schon den Grossteil des liechten- steinischen Industrielebens. Die Mühlen für die Mehlproduktion sowie die Sägereien sind grössten- teils bescheidene lokale Anlagen, die unaufdringlich und verlässlich funktionieren. Südlich von Triesen offenbart die Landschaft kaum menschliches Eingreifen. In Balzers überra- gen die Mittagsspitze und der Falknis eindrücklich die grosse Gedächtniskirche und auch den Felsbro- cken, der von der Burg Gutenberg gekrönt ist. Diese Burg wurde nie von fremden Truppen eingenom- men und wird heute als Hotel genutzt. Sowohl Burg als auch Kirche wirken verloren in der breiten Tief- ebene, von wo aus eine Talstrasse bis zur St. Luzi- steig hinaufführt. Am Fusse des zur Schweiz gehö- renden Fläscherbergs, der ein Gegengewicht zum Schellenberg (Eschnerberg) bildet, liegt das Dorf Klein-Mels (Mäls). Die traubenförmig angeordneten Häusergruppen sind eingetaucht in die grüne Ebe- ne, die einzig durch die weisse Verbindungsstrasse durchschnitten wird, welche zur Rheinbrücke in Richtung Trübbach führt. Diese Brücke ist eine von vier gedeckten Holzbrücken, welche über den vom Menschen gezähmten Rhein führen und so Verkehr und Kommunikation mit der Schweiz sicherstellen. Auf der linken Seite, oder besser gesagt in nördli- cher Richtung, begrenzt ein Ypsilon das weite Drei- eck eines flachen, morastigen Landes, in welchem in weiterer Entfernung drei kleine Häusergruppen er- kennbar sind. Diese Häusergruppen werden vom 227
        

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