LIECHTENSTEIN IN ALTEN SCHILDERUNGEN NORBERT W. HASLER ist. Sie haben seinen Namen schon längst vergessen, merkwürdigerweise findet aber jetzt noch alljähr- lich am 16. August, dem Tage des St. Theodul, eine Prozession statt, die die Triesener in die Pfarrkirche des Triesenerberges führt. Die Gelehrten mussten erst herausfinden, warum das eigentlich geschieht. In der Nähe der Luziensteig liegt eine mächtige Burg, Schloss Gutenberg. Um die Wende des 14. Jahrhunderts war Ulrich von Gutenberg in die Ver- schwörung gegen Albrecht I. verwickelt. Aus dem Schulbuche wissen wir, dass Johann von Schwaben der Anstifter war und der Kaiser ermordet wurde. Die Strafe hat auch den Gutenberger erreicht. Er verlor Ehre und Besitz. Die Nachkommen sanken in den Bauernstand hinab und sollen heute noch als Bauernleute in Tiesenerberg leben. Auch an diesem Gemäuer rankt sich die Sage em- por. Eine verwunschene Prinzessin soll dort geis- tern. Ein Bub aus Balzers habe sie einmal gesehen. Inbrünstig flehte sie ihn um Erlösung an. Dreimal müsse er sie umspringen, doch ohne sie anzusehen und ohne ein Wörtlein zu sprechen. Zweimal gelang es ihm, das dritte Mal aber warf er einen verstohle- nen Blick auf ihr goldenes Haar. Jammernd ver-schwand 
sie, nun muss sie wieder hundert Jahre geistern. Der Bub aber hielt zwei Schlangen in den Händen, so dass er schaudernd ausrief: «Jeses, wie kalt!» Vor einigen Jahren wurde die Ruine von einem reichen Liebhaber, einem Neffen des vorhin er- wähnten Komponisten Rheinberger und Schwieger- sohn des jetzt noch lebenden hochbetagten Dr. Schedler in Vaduz, gekauft und mit seinem Kunst- verständnisse restauriert. Tische, Stühle, Bänke sind stilgerecht angefertigt. An den Wänden sind Krüge aufgestellt und Teller aufgehängt, darunter ein japanischer, der mehrere Tausend Franken ge- kostet hat. In einem andern Zimmer verdient ein hölzernes Pferd an der Decke Beachtung, das der Beleuchtung dient. Gemütlich sitzt es sich in einer Nische des Schlosses bei gutem Wein und Imbiss, denn der reiche Herr führt auch eine Wirtschaft, auf die sich besonders seine Frau, die einstige Wirts- tochter von Gaflei, vortrefflich versteht. Er soll eine Million verbaut haben. Wo sich das Geld in den Dienst der Kunst und der Öffentlichkeit stellt, ist es wohl verwendet. Wer aber gedächte da nicht mit Grausen der «Neureichen», jener Gattung «Raffke», Scrjlojj (Sutenberg.. 203
        

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