LIECHTENSTEIN IN ALTEN SCHILDERUNGEN NORBERT W. HASLER Am 15. Mai 1928 bringt die Neue Zürcher Zeitung in einem Eingesandt einen eigentlichen Aufruf zur ver- mehrten Freiwilligen-Hilfsarbeit im Fürstentum Liechtenstein und im benachbarten Graubünden: FREIWILLIGE HILFSARBEITEN IN LIECHTENSTEIN (Eing.) Am 2. April hat der «Freiwillige Hilfsdienst» seine Arbeit in Schaan (Liechtenstein) aufgenom- men. Die Arbeit bezweckt, das ehemals fruchtbare Gebiet, das durch die Überschwemmung mit Fluss- geschiebe wertlos geworden ist, der Landwirtschaft zurückzugewinnen. Es kommen dabei in der Haupt- sache dreierlei Verfahren zur Anwendung. Das erste Verfahren ist das Wegführen; es wird an- gewandt, wenn die Anschwemmung von Schlamm, Kies und Sand die Höhe von 32 Zentimeter nicht übersteigt. Die Freiwilligen laden das angeschwemm- te Material in Rollwagen und legen so das Ackerland frei; die gefüllten Rollwagenzüge werden vom Wuhr- unternehmen mit Traktoren zum Rhein gebracht und zur Dammerhöhung verwendet, so dass die Ar- beit der Freiwilligen gleichzeitig auch den Damm- bau verbilligt. Das zweite Verfahren, das sich bei einer Schicht- höhe der Anschwemmung von 32-38 Zentimeter, bei reinem Sand bis 55 Zentimeter bewährt hat, ist das Rigolen. Der angeschwemmte Kies wird von den Freiwilligen in 60-70 Zentimeter tiefe Gräben ge- schaufelt und mit der aus den Gräben herausge- schafften Erde überdeckt. Beim Flussrand wird zum Umbrechen ein von acht Rossen gezogener Tiefen- pflug verwendet, der 85 Zentimeter tiefe Furchen zieht, aus denen dann die Freiwilligen noch 1-2 Spatentiefen Erde herausholen. Das dritte Verfahren, das Übererden mit mindes- tens 20 Zentimeter guten Grundes, ist das allein ren- table, wenn die Anschwemmung über 38 Zentime- ter, bzw. bei Sand mehr als 55 Zentimeter beträgt. Ein Gebiet von 15 Hektar bei der Eisenbahnbrücke Buchs-Schaan, das mit 40-70 Zentimeter Schutt be- deckt ist, soll mit dem Humus einer benachbarten Rüfe übererdet werden. Die Freiwilligen werden das Gebiet zunächst nivellieren und sodann die Erde, 
die ein Unternehmer zur Stelle schaffen wird, da- rauf verteilen. So wird sich von der 2400 Hektar weiten Sand- und Kieswüste in Liechtenstein Stück um Stück in fruchtbares Acker- und Wiesland ver- wandeln. Das Gebiet ist Privateigentum; doch haben die Behörden von Schaan und Vaduz erreicht, dass die Arbeiten von der Gemeinde aus einheitlich und da- mit sehr rationell durchgeführt werden. Die Ge- meindebehörden weisen dem Hilfsdienst die ver- 195
        

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