BESTÜNDE DIESE SCHULE NICHT, MÜSSTE SIE GESCHAFFEN WERDEN / MARTINA SOCHIN Töchterschule aus. Vor und nach dieser Zeit beweg- te er sich minimal zwischen null und sieben Pro- zent. Als «Konfessionsexoten» an der Höheren Töchterschule können drei jüdische Mädchen, die das Institut St. Elisabeth Anfang der 1970er Jahre besucht hatten, griechisch-orthodoxe Schülerinnen oder eine Altkatholikin bezeichnet werden. Die ka- tholischen Strukturen der Schule wurden durch die unterschiedlichen Konfessionen der Schülerinnen nie aufgebrochen. Dies lag unter anderem aber auch daran, dass sich Nichtkatholikinnen stets in der kla- ren Minderheit befanden und die Schülerinnen- schaft mehrheitlich aus streng katholisch erzogenen Liechtensteinerinnen bestand. Die nichtkatholischen Schülerinnen - und dies mag erstaunen - wurden vom katholischen Religionsunterricht befreit, konn- ten ihn aber, wenn gewünscht, freiwillig besuchen. Zusätzlich zu den Katholikinnen waren die Ordens- frauen aber auch um das religiöse Gewissen der Protestantinnen besorgt. Ihnen wurde ein refor- mierter Religionslehrer zugeteilt, welcher eigens für diese Stunden ans Institut kam.36 Die Internatszöglinge stellten stets einen ordent- lichen Anteil der Schülerinnenschaft dar. Von Ende der 1950er Jahre bis 1970/71 bewegte er sich stets zwischen knapp 30 und fast 45 Prozent.37 Anfang der 1970er Jahre begann der Prozentsatz der im In- ternat lebenden Schülerinnen rasant zu sinken, nachdem die Schwesternkongregation der deut- schen Provinz 1972 beschlossen hatte, das Internat Schritt für Schritt aufzugeben und keine neuen In- ternatszöglinge mehr aufzunehmen.38 Grund dazu gab der zunehmende Schwesternmangel und die sich vielfach im Internat aufhaltenden «Problemkin- 30) Dies hat auch mit dem in den 1970er Jahren auslaufenden Inter- natsbetrieb der Schule zu tun. 1972 hatte die Kongregation ASC beschlossen, das Internat an der Höheren Töchterschule zu schlies- sen. Siehe Spieler, Wenn das Weizenkorn stirbt. S. 513. 31) Interview mit Frau F. und Frau G. vom 31. August 2006 (Frau F. und Frau G. besuchten das Institut St. Elisabeth Anfang der 1950er Jahre). 32) Die Statistik zur Anzahl ergriffener Lehren von Mädchen und Bu- ben in Liechtenstein von 1965 bis 2005 habe ich von Werner Kranz, dem Leiter des Amtes für Berufsbildung, am 20. und 28. Oktober 2005 
erhalten. Ihm sei an dieser Stelle gedankt. In Sachen Bildung konnten die Mädchen Liechtensteins in den letzten dreissig Jahren aufholen. Heute besuchen beispielsweise mehr Mädchen das Liechtensteinische Gymnasium als dies vor rund dreissig Jahren noch der Fall gewesen war. Siehe dazu auch Wilfried Marxer: 20 Jahre Frauenstimmrecht - Eine kritische Bilanz. Erweiterte Fassung eines Vortrages zur Jubilä- umsveranstaltung «20 Jahre Frauenstimmrecht» am 26. Juni 2004 in Vaduz. Beiträge Liechtenstein-Institut Nr. 19. Bendern, 2004; siehe zur Berufswahl von Mädchen und Buben in Liechtenstein auch Martina Sochin: Karriereverlauf von Frauen und Männern in Liechtenstein. Untersuchung anhand einer Realschulabschlussklasse. Beiträge Liechtenstein-Institut Nr. 32. Bendern. 2006, hier S. 26-28. Allgemein zur Frauenerwerbsarbeit in Liechtenstein im 20. Jahrhundert siehe Claudia Heeb-Fleck: Frauenarbeit in Liechtenstein in der Zwischen- kriegszeit 1924-1939. In: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, Band 93. Vaduz, 1995, S. 1-140; Julia Frick: Frauenerwerbsarbeit im Liechtenstein der Nachkriegszeit bis zum Beginn der 1970er Jahre. Von Mädchen, Töchtern, Fabriklerin- nen und Bürofräuleins und den ersten weiblichen Arbeitskräften von Vater Staat. In: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, Band 106. Vaduz, 2007, S. 1-71. 33) Ende der 1960er Jahre betrug der monatliche Beitrag an dieStrom- und Heizungskosten zehn Franken. Siehe Rechnungen aus dem Privatarchiv von Frau L. (Frau L. besuchte das Institut St. Elisabeth Mitte der 1960er Jahre). Siehe zudem das Interview mit Frau D. und Frau E. vom 13. September 2006 (Frau D. besuchte das Institut St. Eli- sabeth Mitte der 1940er Jahre. Frau E.Anfang der 1950er Jahre). 34) 1966 hatten knapp siebzig Prozent der selbstständig Erwerbenden in Liechtenstein ein Jahresgehalt, das sich im Rahmen von 3000 Fran- ken bis 18 000 Franken bewegte. Betrachtet man die gesamte erwerbstätige Wohnbevölkerung einschliesslich der unselbständig Er- werbenden, sind es sogar knapp 77 Prozent. Siehe dazu: Fürstlich- Liechtensteinische Steuerverwaltung (Hrsg.): Steuerstatistik. Vermö- gen und Erwerb gemäss Steuererklärung für das Jahr 1966. Vaduz, 21991. Ich danke an dieser Stelle Dr. Wilfried Oehry. von dem ich die betreffende Steuerstatistik erhalten habe. 35) Wie Bruno Santini-Amgarten beschrieben hat, wurden katholische Schulen über Jahrzehnte hinweg oft aus einer Mangelsituation heraus besucht, das heisst, weil ein entsprechendes Angebot im eigenen Um- feld fehlte, und abgesehen davon, ob es sich nun um andersgläubige oder katholische Schüler handelte. Das mag an dieser Stelle vor allem für die Schülerinnen des Instituts St. Elisabeth gelten, die aus den re- formierten Gebieten des Kantons St. Gallen stammten. Siehe dazu Santini-Amgarten, Katholische Schulen im Spannungsfeld von Alter- nativ- und Ersatzschulen, S. 33-55, hier S. 45. 36) Interview mit Frau F. und Frau G. vom 31. August 2006 (Frau. F. und Frau G. besuchten das Institut St. Elisabeth Anfang der 1950er Jahre). 37) Zahlenmaterial zur Anzahl Schülerinnen, die im Internat lebten, ist vor 1958/59 keines vorhanden. 38) Spieler, Wenn das Weizenkorn stirbt, S. 513. 13
        

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