bei die Schülerinnen aus dem Unterland jedoch nie an die Zahl der Oberländerinnen und Schweizerin- nen herankommen mochten und stets in der Min- derheit blieben. Seit Beginn der 1960er Jahre wur- den die vielen Schülerinnen aus Deutschland und Österreich wieder weniger. Ab den 1970er Jahren - nur wenige Jahre vor der Auflösung der Höheren Töchterschule - waren die Liechtensteiner Mädchen an der Schule ganz klar in der Mehrheit. Die in den Klassenlisten als Österrei- cherinnen und Deutsche aufscheinenden Mädchen lebten nun in Wirklichkeit in Liechtenstein. Auch das Spektrum bei den Schweizerinnen hatte sich mit den Jahren verändert. Nun waren es in erster Linie Mädchen aus der benachbarten st. gallischen Regi- on, die das Institut St. Elisabeth besuchten, und nicht mehr Internatszöglinge, die von weiter her kamen.30 In seinen Anfangsjahren war das Institut St. Eli- sabeth ein Bildungsort für Mädchen von eher mittel- ständisch lebenden Geschäftsleuten. Wie oben aus- geführt, besuchten in erster Linie Schülerinnen aus Schaan das Institut auf dem Duxhügel, wobei auch die geographische Nähe mitgespielt haben mag. Die Schaaner Mädchen waren vorwiegend Töchter von Schaaner Geschäftsleuten. Viele schickte man auf die als Handelsschule ausgerichtete Höhere Töch- terschule, damit sie für das eigene Familienunter- nehmen ausgebildet werden.31 Gleichzeitig wussten die Eltern, dass auch der Heranziehung zu einer or- dentlichen und liebenden Hausfrau und Mutter am Institut nichts im Wege stand. Auch Kinder von Aka- demikern besuchten das Institut St. Elisabeth. Mäd- chen, deren Väter nicht selbstständig erwerbend waren, bildeten bis Anfang der 1960er Jahre die Ausnahme. Der Besuch des Instituts St. Elisabeth von Töch- tern mehrheitlich «besserer» Familien in den An- fangsjahren mag zwei Gründe haben: Zum einen hatten diese Eltern vielleicht eher ein Verständnis für eine höhere Bildung ihrer Mädchen. Damals war es noch nicht im gleichen Masse wie heute üblich, dass die Mädchen eine Lehre absolvierten und die Schule der Schwestern in Schaan stellte den einzi- gen Weg zu einer höheren Bildung über das Wissen der Realschule hinaus dar. Der Besuch einer Lehre 
durch Mädchen wurde erst ab Mitte der 1970er Jah- re üblich.32 Es kann aber auch einfach das Eigenin- teresse der Eltern gewesen sein, indem die Tochter für die Mithilfe im eigenen Geschäft richtig ausgebil- det wurde. Zum anderen betrugen die monatlichen Kosten für die Schule 40 Franken. Zusätzlich hatten die Schülerinnen einen Beitrag an die Strom- und Fleizungskosten zu leisten, wie auch sämtliches Schuhnaterial - vom Buch über die Benützung der Schreibmaschine bis zum Bleistift - sowie ausseror- dentliche Vorträge in Rechnung gestellt wurden. Den Schülerinnen, die über Mittag am Institut blie- ben und das Essen dort einnahmen, wurden zwei Franken pro Mittagessen verrechnet. Durchschnitt- lich kam eine Schülerin ihre Eltern Mitte der 1960er Jahre so auf 800 bis 900 Franken jährlich zu ste- hen.33 Bei einem Jahresgehalt zwischen 3000 und 18 000 Franken machte dieser Faktor eine zusätzli- che Selektion aus.34 Der enorme Zuwachs an Schülerinnen am Insti- tut führte ab den 1960er Jahren zu einer sozialen Durchmischung der Schülerinnen. Nicht nur wur- den die Oberländerinnen aus ihrer Vormachtstel- lung an der Schule gedrängt, auch hielten vermehrt Schülerinnen Einzug, deren Väter Berufe niederer Positionen innehatten. Obwohl das Institut St. Elisabeth als Schule nach streng katholischen Grundsätzen geleitet wurde, zeigten die ASC-Schwestern ihre Offenheit darin, dass auch Mädchen anderer Konfessionen in die Höhere Töchterschule aufgenommen wurden. Be- gonnen hatte die Aufnahme von Mädchen nicht ka- tholischer Konfession während der Zeit des Mäd- chengymnasiums, als jüdische Schülerinnen das In- stitut besucht hatten. Mit der Errichtung der Höhe- ren Töchterschule führten die Schwestern diese Praxis nahtlos weiter. Dies soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die katholischen Mädchen am Institut St. Elisabeth stets in der Überzahl wa- ren. Die Schülerinnen protestantischen Glaubens entstammten reformiert geprägten Kantonen der Schweiz oder kamen aus protestantischen Teilen Deutschlands.35 Mitte der 1950er Jahre machte ihr Anteil über kurze Zeit hinweg zwischen zehn und zwanzig Prozent an den Schülerinnen der Höheren 12
        

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