ZUM THEATERKONZERN DER ROTTER SOWIE ZUM SCHICKSAL FRITZ ROTTERS / PETER KAMBER rein künstlerischen Ehrgeiz. ... Aber gleichviel, die Rotters waren nun einmal unbeliebt und galten ge- wissermaßen als die Verkörperung des bösen, kunstfeindlichen Prinzips. Etliche Jahre hatten sie sich, wie man weiß, von der Theaterdirektorentä- tigkeit zurückgezogen und lebten still und beschei- den davon, dass sie die ihnen gehörigen Theater le- diglich verpachteten. ... Jetzt endlich haben sie be- schlossen, wieder hervorzutreten, nachdem sie das Metropol-Theater aus der Pleite übernommen ha- ben. Und nunmehr beginnen Rotters auf ihre Art, das verkrachte Haus wieder in die Höhe zu brin- gen.»130 Das war auch der Startschuss für die Rot- ter im Fach der Operetten, Musikstücke und Re- vuen. Mit Richard Tauber und Kaethe Dorsch in «Friederike» (1928) von Franz Lehar feierten sie Triumphe und Gewinne131 - die sie indessen an der Börse gleich wieder verloren.132 Böse Zungen behaupteten, es gebe «kein Stück, das die Rotters aufführen, das sie nicht irgendwie umdichten, wofür sie sich an den Autorentantie- men beteiligen lassen ...».'33 Aber dabei erwiesen sie offenbar keinen durchwegs schlechten drama- turgischen Sinn. Das Gespür für Schauspielerinnen und Schauspieler sprach ihnen sowieso niemand ab. Sogar Hans Albers hatte einmal bei ihnen ange- fangen, «mit acht Mark Tagesgage».134 War zu Be- ginn ihres gemeinsamen Wirkens Fritz Rotter der Regisseur gewesen, so hatte sich die Aufgabentei- lung längst verändert: «Bruder Fritz betätigt sich nicht mehr dramaturgisch, sein Ressort sind die Verhandlungen mit den Banken, mit der Presse, mit der Provinz. Er ist der Bohemien der Familie», und entdecke Stars «von morgen», berichtete der «Montag Morgen» am 11. April 1932. Alfred Rotter sei derjenige, der die Stücke «umdichtet und insze- niert». In jenem April 1932 bespielte der Rotter- konzern folgende Bühnen: Metropoltheater, Thea- ter des Westens, Lessingtheater, Lustspielhaus Ad- miralspalast und Zentraltheater in Berlin, Zen- traltheater Dresden, Alberttheater Dresden und Mellini-Theater Flannover.135 Ihr Werbeschlager war, dass sie seit den Anfän- gen im «Trianon-Theater» im «Weltspiegel», der il- lustrierten Sonntagsbeilage des «Berliner Tage-blatts» 
(Mosse Verlag), stets die letzte Seite kauften, «auf der sie die Bilder ihrer Stars und die wohlwol- lendsten Kritiken ihrer Aufführungen inserier- ten».136 122) Ebenda, Blatt 57. 123) John Dos Passos: Manhattan Transfer: Hamburg, 2003 (engl. 1925/1953), S. 202. 124) Landesarchiv Berlin. A Pr. Br. Rep. 030, Nr. 2959, Blatt 63. 125) Landesarchiv Berlin, A Pr. Br. Rep. 030, Nr. 2958, Blatt 206. Kerr, 27. Juli 1924. 126) Es handelte sich um Fritz Ebers (Landesarchiv Berlin, A Pr. Br. Rep. 030, Nr. 2959, Blatt 71). 127) Ebenda, Blatt 88. 1 28) Stefan Grossmann im «Montag Morgen» vom 17. November 1924 schrieb unter dem Titel «Die Konzession an die Rotters»: «In sehr lakonischen Notizen teilen die Berliner Zeitungen mit, dass die Gebrüder Rotter vom Polizeipräsidium die Konzession zum Betriebe des Lessingthoaters erhalten haben. So endet dieser Krieg, wie es hier vor Monaten vorausgesagt wurde, mit einer beschämenden Blamage der Bühnengenossenschaft und der Berliner Kritik. Säßen in der Lei- tung der Bühnengenossenschaft keine blinden Hitzköpfe, sondern sachlich und klar überlegende Leute, so hätten sie dem Ansehen der Schauspielerorganisation diese klägliche Niederlage ersparen kön- nen. Künstlerische Einwände, nur solche lagen in der Hauptsache vor. können (und sollen) eben nicht durch den Polizeipräsidenten ausge- fochten worden.» 129) Landesarchiv Berlin. A Pr Br. Rep. 030, Nr 2958, Blatt 345. 130) Landesarchiv Berlin, A Pr. Br. Rep. 030. Nr. 2966, Blatt 1 (18. De- zember 1927). 131) «Der Montag Morgen», 11. April 1932 (Nr. 15), in einem biogra- fischen Artikel über sie; Landesarchiv Berlin, A Pr. Br. Rep. 030. Nr. 2966. Bl. 33. 132) Vgl. erster Artikel des Verfassers (wie Anm. 1), S. 32-33: Es ban- delte sich um ein am 31. Dezember 1928 abgeschlossenes Börsentor- mingeschäft, das ihnen 300 000 Reichsmark Verlust einbrachte. 133) «Der Montag Morgen». 11. April 1932 (Nr. 15). 134) Ebenda. 135) Ebenda. 136) Ebenda. 95
        

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