ten. Bereits im Oktober 1931 waren sie in das Bür- gerrecht der Gemeinde Mauren aufgenommen worden.6 Seinem Schwager Albert Ullmann hatte Fritz Rotter am 20. März 1933, zwei Wochen vor dem Anschlag auf Gaflei, aus Vaduz geschrieben: «Jetzt heißt es, seine ganze Nervenkraft zusammenneh- men, um das Leben noch weiter zu ertragen. ... und dass wir hier allein stehen, abgeschlossen, verbannt und ohne jede Existenzmöglichkeit. ... Wir haben fast keine Fühlung zu Berlin; und wir wollen nur hoffen, dass die aufgebauschten Nach- richten bei sorgfältiger Prüfung der gesamten wirt- schaftlichen Verhältnisse und auch der unsrigen sich als völlig übertrieben, grundlos und von übel- wollender Seite inspiriert herausstellen werden. Und dass uns wieder die Möglichkeit geboten wird, Fritz Rotter 
mit 
unserer Tätigkeit dem Leben eine materielle Grundlage zu geben.»7 Als am 1. April 1933 im Deutschen Reich der von Julius Streicher  Boykott gegen jene Geschäfte begann, die von jüdischen Deutschen ge- führt wurden, glich Deutschland, wie der Korre- spondent der «Neuen Zürcher Zeitung» schon am Vorabend formulierte, «wieder einmal einem aufge- wühlten Ameisenhaufen».8 Die Nazi-Propaganda nahm die im Ausland erfolgten Boykottaufrufe ge- gen das nationalsozialistische Deutschland zum An- lass organisierter Ausschreitungen - und die eigene jüdische Bevölkerung so zur Geisel. Die «Neue Zür- cher Zeitung» (1. April 1933, Nr. 584) schilderte es so: «Die fieberhafte Tätigkeit des Zentralkomitees zur Bekämpfung der jüdischen Greuel- und Boykott- hetze) hat sich beinahe zu einer Nebenregierung entwickelt und die gesamte Presse, die gezwungen ist, die Anordnungen jenes Komitees in großer Auf- machung abzudrucken, lässt das Thema nicht zur Ruhe kommen. ... Es regnet von Ergebenheitser- klärungen und Unterstützungsangeboten ...».'' Da- mit lieferte das Regime aber nur den letzten Beweis für die seitens des Auslands erhobenen Anklagen. Der internationale Protest gegen den offenen Nazi- terror erreichte eine solche Breite, dass Julius Strei- cher, der Herausgeber des Hetzblattes «Der Stür- mer» und «der Vorsitzende des Zentralkomitees für den Boykott» bereits am Montag, 3. April 1933, an- zukündigen gezwungen war, «dass am Mittwoch der Kampf nicht mehr weitergeführt zu werden brauche. Das würde Millionen von Deutschen höchst bedauerlich erscheinen, aber es müsse trotz allem Disziplin gehalten werden» (NZZ, 3. April 1933, Nr. 598). Der gewaltsame Versuch einer Entführung von Fritz und Alfred Rotter auf Gaflei oberhalb von Va- duz fiel genau auf diesen Mittwoch, 5. April 1933, als der Höhepunkt der vorsätzlich und kalkuliert geschürten antisemitischen Stimmung eigentlich bereits überschritten schien. Die Parallele zwischen dem Entführungsfall Rot- ter und den Boykott-Tagen im Reich wurde schon damals gezogen: Der Kommandant des schweizeri- schen «Grenzwachtkorps» in Chur, Lütscher, hielt 76
        

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