heiratete Frauen anwendbar wird. Dies war auch der Regierung klar, denn sie liess vom Staatsge- richtshof ein Gutachten erstellen; in diesem ging es zwar nicht um verheiratete Frauen, die nach der Verehelichung ihre Lehrtätigkeit aufzugeben hat- ten, sondern um Ehefrauen von Staatsbeamten- und -angestellten, die erwerbstätig sein wollten. Sehr aufschlussreich ist dabei, dass der Staatsge- richtshof der Meinung war, «Ehefrauen von Staats- beamten und -angestellten stehen in keinem Dienst- verhältnis zum Staat und unterstehen daher auch nicht dessen Disziplinargewalt. Ein Gesetz, das den Ehefrauen von Staatsbeamten und -angestellten ei- nen Erwerb verbietet, wäre verfassungswidrig. Es kommen allen Frauen die gleichen Rechte zu wie je- dem männlichen Landesangehörigen, insbesondere das Recht, Vermögen jeder Art zu erwerben (Art. 28 der Verfassung). Die Frauen sind zum Gewerbebe- trieb zuzulassen wie männliche Landesangehörige. (§ 4 der Gewerbeordnung vom 13. Dezember 1915 LGB1.1915/14). ...».'24 Aber gleichzeitig wandte der Staatsgerichtshof ein, dass es durchaus vorkommen könne, dass durch die Erwerbstätigkeit der Ehefrau eines Staatsbeamten oder -angestellten die dienstli- che Tätigkeit ihres Mannes leide, sei es weil der Ehemann sich um den Erwerb der Ehefrau zu viel kümmern müsse, sei es weil er infolge der Erwerbs- tätigkeit seiner Frau in Ausübung seines Dienstes parteiisch vorgehen könnte.125 In einem solchen Falle könne der Ehemann seiner Gattin die Er- werbstätigkeit laut § 3 der Einführung und Über- gangsbestimmungen zum Personen- und Gesell- schaftsrecht von 1926126 verbieten, denn die ELG von 1955-1961, S. 117 besagen, dass die Ehefrau zur Ausübung eines Berufes oder Gewerbes die Bewilli- gung ihres Ehemannes benötigt. Und der Staatsge- richtshof versichert der Regierung im Schlusssatz, dass «wenn der Ehemann seiner Frau eine weitere Erwerbstätigkeit verbietet, wird ihn der Richter im Interesse der Familie schützen müssen.»127 Obwohl die Bestimmungen über das Doppelver- dienertum also eine andere Bedeutung hatten und gesetzlich und verfassungsrechtlich weder auf er- werbstätige Ehefrauen von Staatsbeamten oder -an- gestellten noch auf verheiratete Lehrerinnen ange-wendet 
hätten werden können, wurde dieser Begriff von den Staatsrepräsentanten in Bezug auf die Handarbeitslehrerinnen widerrechtlich angewen- det. Verblüffend ist des Weiteren die konservative Ansicht des Staatsgerichtshofes; er belässt es nicht bei einem Gutachten über die Auslegung des Begrif- fes Doppelverdienertum auf Ehefrauen, sondern geht so weit, die Regierung darauf aufmerksam zu machen, dass durch den Art. 6 des Gesetzes betref- fend das Dienstverhältnis und die Besoldung der Staatsbeamten, Staatsangestellten und Lehrperso- nen der Ehefrau zwar gesetzlich kein Einhalt in ih- rer Berufstätigkeit zu machen sei, aber, dass dies ja durch § 3 des PGR möglich sei! Durch die Bewerbung einer weltlichen Handar- beitslehrerin stellte sich dem Landesschulrat und dem Landtag 1955 erstmals die Frage, ob von der bisherigen Regelung, nur Ordensschwestern im liechtensteinischen Schuldienst einzustellen, abge- wichen werden sollte. Landtagspräsident David Strub128 erklärte, dass die Ordensschwestern damals aus finanziellen Überlegungen eingestellt worden seien. Nun zögen sich die Zamser Ordensschwestern aber langsam aus dem Schuldienst zurück. Er emp- fahl deshalb die Anstellung weltlicher Handarbeits- lehrerinnen sowie die Ausarbeitung eines Regle- ments, welches Ausbildung, Dienstleistung, Gehalt und die Vermeidung von Doppelverdienertum regle. Die neuen Handarbeitslehrerinnen sollten des Wei- teren nur bis und mit dem fünften Dienstjahr in den Genuss der Gehaltsvorrückung kommen und fünf Sechstel des Gehaltes eines Volksschullehrers erhal- ten. Die Ordensschwestern kamen den Staat sehr viel günstiger als die nun neu einzustellenden weltli- chen Handarbeitslehrerinnen, aber auch diese soll- ten billiger als die männlichen Lehrpersonen blei- ben: «... denn selbstverständlich kommen die welt- lichen Handarbeitslehrerinnen bedeutend teurer zu stehen als die Ordensschwestern, auch wenn die im Antrag der Finanzkommission enthaltene Beschrän- kung berücksichtigt wird.»129 Der damalige Regierungschef Alexander Frick130 schlug vor, dass diese Frauen gleich wie die männli- chen Lehrpersonen den Status einer Landesange- stellten (Staatsangestellten) erhalten und nach Ab- 54
        

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