erheblich anspruchsvoller gewordenen Erziehung der Kinder, zur Hausaufgabenhilfe und um die eige- ne Existenz im Notfall zu sichern.98 Das Aufkommen des Dienstleistungssektors, der Erfolg des liechtensteinischen Finanzplatzes und die boomende Industrie verdrängten langsam den Einfluss der Kirche und liessen einen der liechten- steinischen Bevölkerung nie bekannten Wohlstand entstehen. Das Schulgesetz, welches von 1929 bis 1971 in Kraft war, wurde noch von einem Geistlichen, dem Pfarrer und Regierungsrat Anton Frommelt entwor- fen. Es war geprägt von der damaligen katholischen Weltanschauung und verknüpfte das öffentliche Schulsystem in ein streng nach dem Katholizismus ausgerichtetes konfessionelles Netz.99 Bei der Ausarbeitung des Schulgesetzes von 1971 war dann, ganz der neu angebrochenen Zeit ent- sprechend, die Wirtschaft der prägende Geist. Ei- gentliches Novum war, dass der Mädchenbildung Rechnung getragen wurde. Auslöser dafür war ein Forschungsbericht von Leonhard Vogt,100 welcher auf die Ungleichheiten der Bildungschancen für Mädchen hinwies und als Lösung die Einführung des gebrochenen Bildungsweges sowie einer spe- ziellen Frauenschule vorschlug.101 In seiner Einlei- tung schrieb er: «Die Erziehungssysteme ... sind stark oder oft gar ausschliesslich auf die Bedürfnis- se der Knaben ausgerichtet. Wohl kann im Kinder- garten und in der Primarschule kaum von einer Be- nachteiligung der Mädchen gesprochen werden (es sei denn, man denke an das Manko an Stunden in den mathematischen Fächern, welches durch den Handarbeitsunterricht entsteht; ... aber in den wei- terführenden Schulen schrumpft ihr Anteil mehr oder weniger zusammen. In jedem demokratischen Staat ist dieser Zustand unhaltbar geworden. Wer die Rechts- und Chancengleichheit propagiert, kann die heutigen Zustände nicht mehr verteidigen. Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie vielen hochintel- ligenten Mädchen aus einer ultrakonservativen Ein- stellung der Eltern heraus in unserem Land immer noch die Chance zu einer ihnen entsprechenden Bil- dung verschlossen bleibt.»102 
KNABEN LEBNEN FÜR IHRE BERUFLICHE ZUKUNFT - MÄDCHEN ZUR ÜBEBBBÜCKUNG DER ZEIT BIS ZU IHRER HEIRAT Durch den wirtschaftlichen Aufschwung in der Nachkriegszeit änderten sich die Berufs-, Ausbil- dungs- und Arbeitsmöglichkeiten in Liechtenstein. Um den hohen Lebensstandard halten zu können, brauchte es mehr qualifizierte, inländische Arbeits- kräfte. Das hiess, Ausbildungsplätze zu schaffen und die Eltern davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, ihren Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen. Mitte der 1940er Jahre konzentrierte sich der Staat103 hauptsächlich auf die Ausbildung in techni- schen Berufen. Es wurde dafür gesorgt, dass genü- gend Ausbildungsstätten für die Lehrlinge zur Ver- fügung standen und dass ab Mitte der 1950er Jahre die Möglichkeit bestand, nach der Lehre eine Wei- terbildung, wie z.B. ein Technikum zu absolvieren. Erwähnenswert ist die damals neu propagierte «Chancengleichheit innerhalb des männlichen Ge- schlechts», wie im Liechtensteiner Volksblatt 1958 nachzulesen war: «Gesucht in der ganzen Welt aber sind Diplom-Ingenieure, Physiker und Chemiker. Der Anteil der Forschung und Entwicklung steigt im Gesamtbereich der Technik immer mehr. Vielleicht kommen auch wir dazu, sozusagen 
    

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