reguläre Klassenlehrerin für ein Jahr provisorisch eingestellt wurde, so viel Aufsehen, dass dieser Prä- zedenzfall über dreissig Jahre in allgemeiner Erin- nerung blieb.79 Ab 1965 begann mit der ersten regulären Anstel- lung einer ausgebildeten, weltlichen Lehrerin eine neue Epoche. 1969 unterrichteten bereits 12 weibli- che Lehrkräfte gegenüber 57 männlichen, 1973 be- trug das Verhältnis 26 zu 68,1977 40 zu 74,so wobei bis heute mehr Lehrerinnen auf der Primarschul- ais auf der Sekundarschulstufe oder im Gymnasium unterrichten und dort wiederum vor allem in den unteren Stufen. Die erste vollamtliche Lehrerin am Liechtensteinischen Gymnasium trat 1981 ihren Schuldienst an. Gründe für die späte Einstellung weltlicher Leh- rerinnen in allen Fächern sind laut dem Germanis- ten Graham Martin im Zusammenhang zum weite- ren Bereich höherer Studien für Mädchen und zur Frage der Stellung der Frau in der liechtensteini- schen Gesellschaft zu finden; der Tradition gemäss leisteten katholische Länder einen gewissen Wider- stand gegen die Gleichberechtigung der Frau auf dem Arbeitsmarkt. In allen deutschsprachigen Län- dern war der Lehrberuf aber auch traditionell vor- wiegend den Männern vorbehalten. Trotzdem war Liechtenstein unter den katholischen Gegenden in- sofern einzigartig, als es diese Zustände noch bis in die 1960er Jahre fortführte.81 1956 wurde per Gesetz ein faktisches Berufsver- bot für verheiratete Lehrerinnen geschaffen: ihr An- stellungsvertrag verlor bei Verehelichung seine Gül- tigkeit. Dieses Gesetz wurde erst 1980 förmlich auf- gehoben.82 (Auf dieses Thema wird in folgendem Kapitel detailliert eingegangen.) 
STAATLICHE WEITERFÜHRENDE SCHULEN SEKUNDÄRSCHULEN Die erste weiterführende Schule Liechtensteins, eine Sekundärschule (gegründet 1858) stand nur Knaben offen. Für Mädchen öffnete sie erst 1870 ihre Pforten. 1906 folgte eine zweite Sekundärschu- le. Beide weiterführenden Schulen wurden bis zum Zweiten Weltkrieg selten von Mädchen besucht: in Vaduz zum Beispiel kamen 1930 auf 41 Buben nur neun Mädchen. GYMNASIEN Für Knaben gab es seit 1649 im benachbarten Feld- kirch in Österreich die Möglichkeit, ein Gymnasium zu besuchen. Zudem bestanden gute Beziehungen zum Kollegium Maria Hilf in Schwyz, das gerne jun- ge Männer aufnahm. Knaben hatten also, unter der Voraussetzung von Begabung und der Verfügbarkeit von finanziellen Mitteln, seit über drei Jahrhunder- ten die Möglichkeit, ein Gymnasium zu besuchen. In Liechtenstein selbst wurde 1937 ein Realgymnasi- um, das nur Knaben offen stand, eröffnet.83 Wenige Mädchen aus Liechtenstein besuchten vor den 1960er Jahren im Ausland ein Gymnasium und erlangten die Matura. Junge Frauen, die an hö- herer Bildung interessiert waren und über die dafür notwendigen Zeugnisnoten verfügten, stiessen auf zwei grosse Hindernisse: auf den Mangel an Ver- ständnis bei den Eltern, den Geistlichen und den Be- hörden sowie auf den Mangel an günstig gelegenen Schulen. In den 1940er und 1950er Jahren standen Mäd- chen aus Liechtenstein zwei Möglichkeiten offen: Das Bundesgymnasium in Feldkirch (ab 1947), wel- ches durch tägliches Pendeln erreichbar war und für Schüler und Schülerinnen aus Liechtenstein un- entgeltlich war, aber nur die humanistische Studi- enrichtung anbot, oder eine weiter entfernte Inter- natsschule, wie das Theresianum in Ingenbohl, was aber hohe Kosten mit sich brachte.84 40
        

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